Davor hatte der liebe Gott den Fleiß gesetzt. Fast eine Stunde in der Abschlussprüfung Rede und Antwort stehen. Erst die Ergebnisse der eigenen schriftlichen Arbeit präsentieren, dann auf kritische Nachfragen eingehen und schließlich – im großen Finale – alles beantworten, was den drei Prüfern in den Sinn kommt. Das kann eine ganze Menge sein: Bilanzierung, Corporate Finance, Feinheiten zu Business-Plänen, Projektmanagement, Strategisches Marketing, Markt- und Internationalisierungsstrategien, Investitionsstrategien im Venture Capital-Bereich, Change-Prozesse oder Web 2.0 – die Bandbreite aus zwei Jahren Studium hält schon einiges bereit. 45 Minuten können lang sein. Aber es blieb alles im grünen Bereich: Die Technik hielt stand, der Mac-Adapter passte an den Beamer – und auf alle Fragen fanden sich irgendwie auch mehr oder weniger passende Antworten.

Zwei Jahre SMI, das war eine intensive Zeit. Berufsbegleitend mit Präsenzen in Berlin, Mailand und New York, die Vorbereitung zuhause meist in den Abendstunden. Die Qualität der Seminare würde ich rückblickend als sehr ordentlich beschreiben. BWL, Marketing, Marktforschung und vor allem Digital Media waren reichlich vertreten. Einzelne Branchen wie Zeitungen, Buch, TV oder Musik wurden vertiefend behandelt, internationale Perspektiven über die Partner-Universitäten Bocconi (Mailand) und New York University berücksichtigt. Markterschließung und Entrepreneurship bildeten einen eigenen Schwerpunkt. Praxisreferate aus dem Holtzbrinck- und Deutsche Telekom-Kosmos oder aus der Agentur- und Startup-Szene ergänzten die Präsenzen. Mir würde spontan kein Thema einfallen, dass ich in meiner Studienzeit schmerzlich vermisst hätte.

Die Qualität der Professoren und Dozenten war durchgehend gut, mehrmals sogar sehr gut bis ausgezeichnet. Als „Ausreißer nach unten“ würde ich maximal zwei Dozenten sehen, durchaus, so räume ich ein, mit subjektivem Faktor versehen. Insofern fällt meine persönliche Berlin-Bilanz durchaus wohlwollend aus – wissend, dass ich keinen Vergleich aus erster Hand zum Beispiel mit der Hamburg Media School oder der WHU ziehen kann, die ebenfalls einen guten Ruf haben. Jedenfalls fühle ich mich auf das, was da auch immer kommen mag, gut vorbereitet. Ich würde es wieder tun.

Berlin, Franklinstraße im Oktober 2011

Die Nachricht, Steve Jobs sei gestorben, erreichte mich um 4.30 Uhr via Facebook und Twitter. Ich saß in der S-Bahn auf dem Weg zum Münchner Flughafen, Ziel Berlin, Franklinstraße, School of Management and Innovation (SMI) an der Steinbeis-Hochschule Berlin. iPhone, iPad und MacBook Air tragen seitdem Trauer.

Kein guter Start in einen Tag, der eigentlich ein ganz besonderer war: Der erste Tag der letzten Präsenz in Berlin. Dann gibt es nur noch ein Top-Date, den Tag der Verteidigung. Ach ja, Mitte 2012 werfen wir noch die schwarzen Hüte in die Luft, bei der feierlichen Verabschiedung. Endspurt also im zweijährigen MBA-Programm Media Management, einem Studium mit internationaler Ausrichtung.

Die beiden letzten Präsenzen standen im Zeichen der Juristerei, des Leadership, der Musik-, Radio- und Entertainmentbranche. Wirtschaftsanwalt Prof. Thorsten Stark, Medienanwalt und Ex-Sony Music-Manager Eberhard Kromer (Partner bei SKW Schwarz) sowie Benedikt von Walter, bis vor kurzem Senior Manager Strategy bei MTV Networks, leiteten die Seminare. Wie immer vier Tage lang, von Donnerstag bis einschließlich Sonntag.

Einer der Schwerpunkte war der Unternehmenskauf aus rechtlicher Sicht von Prof. Stark, ein Geschäft in allen möglichen Facetten: Letter of Intent, Due Diligence, Closing, Post Merger Integration. Eine wahre Schlangengrube mit allem, was so schiefgehen kann. Wo verschwiegen und geblufft wird. Wo Fristen und Haftung Existenzen vernichten (können). Das alles müssen jene Spezialisten im Hinterkopf haben, die mit Commercial-, Financial-, Tax-, Legal-, HR- und sonstigen Kompetenzen versehen jenen streng gehüteten Raum betreten, der meterweise Brisantes enthält. Denn böse Überraschungen kann es bei M&As viele geben. Schon früh werden die Weichen gestellt: Es macht zum Beispiel einen großen Unterschied, ob man sich für einen Asset-Deal oder einen Share-Deal entscheidet.

Am Ende des Tages, nach vierstündiger Prüfung (von 13 bis 17 Uhr), sollte ich genug Gelegenheit gehabt haben, Steherqualitäten zu beweisen. Ich werde eine Fallstudie zur Web 2.0-Strategie eines Medienunternehmens bearbeitet, präsentiert, diskutiert und mit reichlich Stoff zu den digitalen Märkten und Implementierungsstrategien in Verlagen dargelegt haben. Ich werde ein Zukunftsbild meiner Branche entworfen haben. Hinzu kommt ein einstündiger Englisch-Leistungstest, ein Gespräch zu meinem Kompetenztest und eine Reflexion über meine Arbeit bei W&V und meine persönlichen Ziele in der Unternehmensgruppe Süddeutscher Verlag. Ausgetestet fahre ich dann nach Hause...

Kurze Zeit später der Brief: grünes Licht! Jawoll! Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!


Autor:

Thomas Forster

Thomas Forster ist Ressortleiter Neue Produkte bei der W&V. Er schreibt über Digital-, Medien-, Unternehmens- und Personal-Themen.