Funke Medien Gruppe | | von Judith Pfannenmüller

Ausgereitzt: WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz soll gehen

Nach neun Jahren an der Spitze der "WAZ"-Redaktion ist die Zeit des langjährigen Chefredakteurs der Westdeutschen Allgemeinen ZeitungUlrich Reitz, offenbar abgelaufen. Wie der W&V-Schwestertitel "Kontakter" in der aktuellen Ausgabe berichtet (EVT: 08.05.2014) soll der 53-jährige Reitz von Andreas Tyrock, 50, abgelöst werden. Darüber soll die Gesellschafterversammlung der Funke Medien Gruppe am gestrigen Dienstag entschieden haben. Tyrock kommt vom "Bonner Generalanzeiger", wo er seit 2008 Chefredakteur ist. Über den Zeitpunkt des Wechsels ist derzeit nichts bekannt - außer, dass er zügig erfolgen solle, wie es im Verlag heißt.

Reitz ist Architekt der zentralen Mantelredaktion für die NRW-Titel. Die Zeitungsgruppe hatte sich vor Jahren eine radikale Sparkur verpasst und die Mantelproduktion der vier Titel "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Westfalenpost", "Westfälische Rundschau" und "Neue Ruhr-Zeitung" in einem zentralen Content-Desk in Essen zusammengelegt. 330 Redakteure wurden in einem ersten Schritt entlassen. Anfang 2013 musste dann die komplette Redaktion der "Westfälischen Rundschau" gehen, die seither als totalentbeinte Zombie-Zeitung komplett mit Inhalten von Schwester-Blättern gefüllt wird.

Reitz hat exekuiert, was der Verlag wollte und doch war er es, der wegen der dramatischen Auflagenverluste im Konzern zuletzt immer weiter unter Druck geriet. Zuletzt hat er offenbar auch seine starke Unterstützung bei den Gesellschaftern eingebüßt. Der Einzelverkauf der vom Content Desk belieferten NRW-Zeitungen hat sich in der Reitz-Ära halbiert, die Abos schmolzen um nahezu ein Viertel - auf eine harte Auflage von insgesamt 634.547 Exemplare (2005: 961.106 Exemplare) 

Reitz war Ressortleiter Innenpolitik bei der "Welt", bevor er im Sommer 1992 als Leiter des Bonner Büros zum "Focus" wechselte. Im Herbst '97 wurde der politisch konservativ gefärbte Journalist Chefredakteur der "Rheinischen Post" in Düsseldorf, 2005 holte ihn die damalige WAZ-Gruppe als Chefredakteur. Sein Nachfolger Tyrock war erst Politikchef und später Mitglied der Chefredaktion bei der "Braunschweiger Zeitung", ehe er 2008 zum General-Anzeiger wechselte.

Mehr dazu lesen Sie im aktuellen "Kontakter". Abo?

Ausgereitzt: WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz soll gehen

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(7) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

Funke baut im großen Stil um und bestätigt den Weggang von Reitz

von Petra Schwegler

Nun also doch: Ulrich Reitz muss die "WAZ" verlassen, wie Kontakter und W&V Online zur Wochenmitte bereits vorab berichtet haben. Am Freitagnachmittag macht die Funke Mediengruppe die Personalie rund um den 53-Jährigen offiziell und bestätigt nun auch, dass Andreas Tyrock Reitz‘ Nachfolger als Chefredakteur der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" in Essen wird. Stichtag ist der 1. Juli. Der 50-Jährige ist seit 2008 Chefredakteur des "General-Anzeigers Bonn". Fest steht jetzt auch: Thomas Kloß, 49, seit 2010 Chefredakteur Online und Mitglied der "WAZ"-Chefredaktion, übernimmt die Leitung des Content Desks, dessen Architekt der jetzt verabschiedete Reitz gewesen ist.

 

Aber die Essener verkünden unter der Headline "Funke Mediengruppe setzt Erneuerung fort" einen ganzen Reigen an Personalien – "wenige Tage nach dem Erwerb von Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften der Axel Springer SE", die nach dem Go des Kartellamts zum 1. Mai in den Besitz des Konzerns übergegangen sind. Es geht um zentrale Funktionen in Aufsichtsrat, Holding und im Geschäftsgebiet NRW. So leitet Michael Wüller fortan den Aufsichtsrat der Mediengruppe. Der 47-Jährige kenne die Gruppe seit vielen Jahren und gehöre dem Aufsichtsrat seit dessen Gründung an, heißt es. Wüller folgt auf Martin Kall, 53, der als ordentliches Mitglied im Aufsichtsrat bleibt.

Rolf Bollmann wird zum 1. August Verlagsgeschäftsführer in NRW. Der 66-Jährige arbeitet zurzeit als Vorsitzender der Basler Zeitung Medien AG. Von 2005 bis 2012 gehörte er zur Unternehmensleitung der Tamedia AG in Zürich. Karin Hilbert, 47, Geschäftsführerin der WVW-ORA-Anzeigenblätter seit 2009 und Leiterin der Vermarktung der NRW-Tageszeitungen seit 2012, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Die Nachfolge für die Leitung der Vermarktung sei bereits geregelt und werde zeitnah bekannt gegeben, heißt es. Haldun Tuncay, 44, bisher mit Hilbert gemeinsam in der Verantwortung für die Anzeigenblätter, übernimmt die alleinige Geschäftsführung der WVW-Anzeigenblätter.

 

Des Weiteren wird Jost Lübben neuer Chefredakteur der "Westfalenpost" in Hagen. Der 49-Jährige, der zuletzt Chefredakteur der "Nordsee-Zeitung" war, tritt die Nachfolge von Stefan Hans Kläsener, 49 an, der die Chefredaktion der Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages SHZ übernimmt, wie die Kieler separat mitteilen. Joachim Kopatzki, der seit 2006 das Personalmanagement bei Funke leitet, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Die Aufgaben des 57-Jährigen übernimmt kommissarisch sein bisheriger Stellvertreter Thomas Birkner, 49.

Funke-Lenker Manfred Braun sagt über den journalistischen Umbau: "Mit Ulrich Reitz und Stefan Hans Kläsener verlassen zwei prägende Köpfe das Haus. Ulrich Reitz hat unsere Regionalzeitungen konsequent modernisiert und neu ausgerichtet. Stefan Kläseners Ansatz einer weltoffenen Heimatzeitung hat der WP ein neues Gesicht gegeben."

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben