Imagebuilding | | von Franziska Mozart

Axel Springer erfindet sich in einer Garage im Silicon Valley neu

Axel Springer will zum führenden digitalen Medienunternehmen werden. Schon 2012 verdiente der Konzern mit dem Digitalgeschäft erstmals mehr als mit dem rückläufigen Zeitungsgeschäft. Der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner schickt inzwischen regelmäßig Mitarbeiter ins Silicon Valley und in Berlin soll ein neues Gebäude als Medienzentrum für das Digitalgeschäft gebaut werden.

Doch auch wenn sich "Bild"-Chef Kai Diekmann im "Spiegel" mit MacBook und Kapuzenpulli als Insider der Digital-Branche inszeniertAxel Springer begann nun mal mit der "Hörzu" in Hamburg und nicht mit einer Garage in Kalifornien. Zeit also für eine Neuinterpretation der Firmengeschichte. Medium der Wahl ist dabei das Youtube-Video. Drei Filme sollen auf das Image des Unternehmens bei Bewerbern einzahlen. Axel Springer ist auf der Suche nach Talenten aus dem digitalen Bereich und verweist in den Videos auf die Karriere-Seiten des Konzerns. Dort sind die Filme auch eingebunden. Unterstützung bekam das Medienhaus von Scholz & Friends

"The Story of Axel Springer's Famous Garage" inszeniert den typischen amerikanischen Gründungsmythos von Branchenriesen wie Microsoft oder Apple – übertragen auf Axel Springer. Wie besessen haben demnach Springer-Manager wie Kai Diekmann, Mathias Döpfner und Jan Bayer in ihrer Garage vor sich hin getüftelt, bis der große Durchbruch kam. Wie es sich für einen Film über die Gründungszeit eines Welt-Konzerns gehört, kommen Restaurantbesitzer, Uni-Professoren und ehemalige Sekretärinnen zu Wort, die von der spannenden Anfangszeit berichten. Schauplatz des Videos ist natürlich die Einfahrt vor der berühmten Garage.

Sollte jemand die Geschichte mit der Garage geglaubt haben, liefert das nächste Video die Auflösung: "Um das führende digitale Medienunternehmen zu werden, muss man nicht in einer Garage in Kalifornien begonnen haben. Aber hinfahren kann man ja mal", heißt es in dem nächten Clip. Darin sieht man Manager des Konzerns auf einer Art Klassenfahrt ins Silicon Valley, inklusive Mehrbett-Zimmer und Reisebus.

Zuletzt erklären Jens Müffelmann und Ulrich Schmitz die Veränderungen des Unternehmens hin zu einem digitalen Medienhaus. Sie verwenden dazu Fußball-Metaphern und Tipp-Kick-Figuren. Dazwischengeschnitten versucht sich Mathias Döpfner, der nach eigenen Angaben von Fußball nichts versteht, an der gleichen Aufgabe. Allerdings nutzt er das Bild einer Jazz-Band.

Ein weiterer Schritt bei der Transformation hin zu einem digitalen Medienunternehmen soll auch der neue Medien Campus im Zentrum von Berlins ein. Dafür lobt Axel Springer einen Planungswettbewerb aus. Mathias Döpfner hat am Montag, 27. Mai 2013, Vertretern von rund zwanzig Architektenbüros im Axel-Springer-Haus in Berlin seine Vision des Bauprojekts vorgestellt und sie über die weiteren Ausschreibungsschritte des Wettbewerbs informiert. Der Axel Springer Campus soll auf dem Grundstück "Lindenpark" in direkter Nähe zur Konzernzentrale entstehen und Platz vor allem für die digitalen Angebote des Unternehmens bieten.

Das Gebäude soll der Frage nachgehen, was ein Büro in einer mobilen Arbeitswelt bedeute, erklärt Döpfner. Das Projekt rücke die bisher in der Peripherie angesiedelten digitalen Tochterunternehmen ins Zentrum des Unternehmen, so der Vorstandsvorsitzende.

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Nerd-Paradies? Diekmann sucht "Bild"-Revoluzzer per Twitter

von Anja Janotta

"Visionäre, Macher und Medien-Revolutionäre" - "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann sucht sich für den digitalen Aufbruch seines Blattes neue Köpfe und digitale Nerds zusammen. Und nutzt dafür das Social Web. An diesem Dienstagmorgen twitterte Diekmann:

Formalien sind offenbar nicht wichtig, denn die eher unkonventionelle Anzeige im internen Stellenportal betont: "Deshalb ist es uns egal, wo Du herkommst, wie Du aussiehst und wie Du tickst. Sei Du und schreib mit uns Mediengeschichte!" Einzig Adressdaten, Alter und ein Lebenslauf werden verbindlich bei der Online-Bewerbung abgefragt - Foto, Referenzen, Bewerbungsreportage sind optional. Auch umgekehrt lässt "Bild"-Chef Diekmann viel Platz für Interpretationen, denn die Stellenanzeige selbst verrät wenig über das gewünschte Profil der Revolutionäre in spe. Wer eine detaillierte Job-Beschreibung innerhalb des Online-Bewerbungsverfahrens  sucht, wird ebenso enttäuscht.

Öffentlichkeitswirksam ist die informationsarme Joboffensive aber dennoch, passt sie doch hervorragend in den nerdigen Garagenfirma-Mythos, den "Bild"-Chef Kai Diekmann nach seiner Rückkehr von der Bildungsreise ins Silicon Valley nach außen trägt:

In einem zeitgleich veröffentlichten Video hatte Springer-Chef Mathias Döpfner die Führungsmannschaft des Verlages mit einer gut harmonierenden Jazz-Band verglichen:

von Anja Janotta - Kommentare Kommentar schreiben