Lifestyle für die Zielgruppe der Entscheider kommt in dem Beitrag "Wie man ein Sammler wird" rund ums Kunstkaufen oder in einem Porträt über den Edelschuhhersteller Santoni ("Was kostet bis zu 20.000 Euro und hat untenrum die Farbe reifer Apfelsinen?") nicht zu kurz. Für eine Beilage ist "Bilanz" sehr wertig aufgemacht, mit der Titelstory über den "Machtkampf bei Aldi Süd" greift das neue Springer-Magazin ein aktuelles und brisantes Thema auf. Dass eine Wirtschaftsgröße wie Wolfgang Reitzle beim Neuling gleich zum Interview antritt, verdankt "Bilanz" wohl seinen Vätern Boldt und Balzer. Letzterer hat das Gespräch mit dem Topmanager geführt, sein Name ist der Branche seit Jahren ein Begriff - und offensichtlich jetzt ein Türöffner.

Ein bisschen Kritik muss aber auch sein: Das Layout hinkt dem Anspruch, "klaren Prinzipien" folgen zu wollen, an manchen Stellen noch etwas hinterher. Gerade die Titel-Story zu Aldi braucht im Innenteil den zweiten Blick. Grau hinterlegter Text ersetzt Bilder. Das verwirrt sehr und wirkt eher wie eine Anzeige. Von denen gibt es übrigens reichlich: Rund ein Viertel der 92 Seiten zieren Werbeauftritte von Bankhäusern, Nobelmarken oder auch Designfirmen. Ob sie alle voll bezahlt sind? Unklar. Wenn ja, dann könnte Springer zum "Bilanz"-Auftakt vielleicht sogar von einem wirtschaftlichen Erfolg sprechen in einem Segment, das andere aufgrund unklarer Perspektiven aufgegeben haben.

Zurück zum Layout: Andere Strecken, wie etwa das Reitzle-Interview, wirken aufgeräumt und durch das farbliche Hinterlegen wichtiger Textstellen trotz ihrer Länge lesenswert. Nüchtern, sachlich - aber nicht langweilig. Schriftart (mit Serifen) und Größe (na, ja ...) kommen der Zielgruppe unterdessen nicht entgegen: Welcher Vorstand mit grau melierten Schläfen kann denn schon auf seine Lesebrille verzichten? Sollte "Bilanz" im Leser- und Werbermarkt gut ankommen, sollte Chefredakteur Klaus Boldt eventuell auch über ein neues Bild von sich nachdenken: Mit dem zauseligen Lockenkopf und dem Nasenfahrrad könnte sein Konterfei in Schwarz-Weiß auch über einem Alternativblatt prangen. Dabei haben Sie Ihren neuen Job und dieses Wirtschaftsheft wirklich gut gemacht!


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.