"Flair" soll 100.000 Leserinnen binden.
"Flair" soll 100.000 Leserinnen binden. © Foto:Klambt

| | von Petra Schwegler

Blattkritik "Flair": Klambt verpackt Mode und Möbel für die Shopping-Elite

"Seit Langem glauben wir, dass es höchste Zeit ist, in einem einzigen opulenten Magazin zwei Leidenschaften erwachsener Hedonistinnen miteinander zu verbinden. Ob Fashion-Design oder Interior-Design: Die Begeisterung für die Inszenierung der eigenen Persönlichkeit mittels Mode und Interieur eint uns alle." Dieser Satz aus Chefredakteur Klaus Dahms Editorial zum neuen Klambt-Magazin "Flair" ist Programm. Der Neuzugang, der ab dem heutigen Mittwoch am Kiosk liegt, wirkt auf den ersten Blick wie die perfekte Mischung aus dem Edel-Wohnmagazin "AD" und aus Frauen-Bibeln wie "Elle" oder "Vogue". Mit "AD" hat "Flair" vor allem die großformatigen Fotografien ausgefallener und edler Behausungen sowie Möbel gemeinsam, mit der "Elle" das hochkarätige Anzeigen-Entrée vor dem redaktionellen Teil, die aufwändigen Modestrecken und ungewöhnliche Porträts wie jenes über den Stiletto-Gott Christian Louboutin. Für ein bisschen Erotik und sogar "Cosmopolitan"-Flair sorgt in "Flair" die "Standpunkt"-Strecke, die dem hedonistischen Luxusweib vermittelt, dass coole und kluge Frauen auch sexy sein dürfen.

Mit Haptik (tolles griffiges Papier) und Optik (Fashion und Interieur als Kunst) dürfte Dahm die Zielgruppe der "Genuss-Frauen" im Alter zwischen 30 und 55 Jahren auf 230 Seiten sehr genau treffen. Witzig ist die Idee, die "zwei Leidenschaften erwachsener Hedonistinnen" mit dem Cover nachzuahmen: Das obere Titelblatt steht für das Mode-Magazin, dahinter wartet das Wohn-Motiv. Inhaltlich ist "Flair" in die Bereiche "360°", "Zeitgeist", "Fashion", "Home", "Beauty", "Culture Club" und "Next" gegliedert. Themen wie Psychologisches und Partnerschaft sucht die Leserin vergebens. Dahm hat im Vorfeld schon erklärt, derlei gebe es bereits reichlich in anderen Frauenzeitschriften.

Klaus Dahm steht hinter "Flair" (Foto: Klambt).

Produziert wird die edle Schwester der "Grazia" von Klambt teilweise zusammen mit den italienischen Lizenzgebern Mondadori, die "Flair" in Italien - allerdings als reine Modezeitschrift - herausbringen. Der italienische Einfluss lässt sich nicht verbergen: "Flair" wirkt wie ein Bummel durch die Mailander Nobelpassage Galleria Vittorio Emanuele II. Allerdings verkommt der Text bei so viel Bildhaftem regelmäßig zur Nebensache, Typo und Fotostrecken gleiten gelegentlich in einen unnötigen Retro-Look ab. Dabei sind die redaktionellen Einfälle lesenswert - wie etwa die Diskussion um Wohl und Wehe der Freundschaftspflege via Facebook oder die Homestory über den Mode-Producer Alexandre de Betak, dessen Mallorca-Domizil wahre Neidgefühle auslöst. Diese Geschichte – Interieur gemixt mit einem Mode-Aspekt – könnte auch den Weg in die Italien-Ausgabe der "Flair" finden. Wenn es thematisch passt, sollen die Wohngeschichten dort ein zweites Zuhause finden. Als Ausstieg aus dem Heft dient die Seite "Rue de Flair": Hier finden die Leserinnen Geheimtipps der Redaktion für die verschiedenen Metropolen der Welt. Zum Auftakt geht es in die Via del Governo Vecchio in Rom, gleich neben der weltberühmten Piazza Navona.

Cover II - "Flairs" Hommage ans Interieur (Cover: Klambt).

Fazit: Klaus Dahms Team hat die Zielsetzung nicht aus dem Auge verloren. Konzept, Aufmachung und Inhalt verleiten zum Schwelgen in Luxus für Haut und Heim. Um die gewünschten 100.000 Leserinnen langfristig zu binden, braucht es aber ein wenig mehr Unverwechselbarkeit als nur ein doppeltes Cover, einen dualen Ansatz und teure Bilder. Wie eingangs erwähnt: Viele Elemente erkennt die Hedonistin aus Magazinen wie "AD" oder "Vogue", die sie im Zweifelsfall schon auf dem Minotti-Beistelltisch liegen hat. Einzigartig ist der Preis des Monatsmagazins im Luxussegment: "Flair" kostet nur 3,50 Euro ("Vogue" und Konsorten sind bei sechs Euro aufwärts). Die Anzeigenpreise bewegen sich indes auf Zielgruppen-Niveau: 19.500 Euro sind für die 1/1-Seite fällig. Aber die Lieblingsmarken der Hedonistinnen wie Louis Vuitton, Escada, JAB Anstoetz oder auch Lancôme haben die Premiere von "Flair“ dennoch begleitet.

Wie Branchenprofis das Magazin aus dem neu gegründeten Klambt-Trend Verlag bewerten, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der W&V (EVT: 16.08.).

Blattkritik "Flair": Klambt verpackt Mode und Möbel für die Shopping-Elite

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht