Vorwurf der Lügenpresse wird schwächer

Der Aussage, die Bevölkerung werde von den Medien systematisch belogen widerspricht die Mehrheit mit  58 Prozent. Das sind sieben Punkte mehr als im Vorjahr und damit der bisher höchst gemessene Wert der Langzeitstudie. 18 Prozent stimmen der These aber zu, immerhin jeder fünfte Bürger. Das seien vor allem Teile der Bevölkerung die ein Interesse an Populismus haben und eine höhere Präferenz für politische Extreme.

Menschen, die gegenüber den etablierten Medien zynisch eingestellt sind, finden sich überdurchschnittlich häufig am rechten Rand des politischen Spektrums. Sie sind formal niedriger gebildet, deutlich politikverdrossener und sie haben Angst, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in der Zukunft verschlechtern wird. Darüber hinaus zeige sich, dass die etablierten Medien vor allem von denjenigen Bürgern pauschal verurteilt werden, die häufig alternative Nachrichtenquellen im Social Web konsumieren und regelmäßig Nutzerkommentare auf den Seiten der etablierten Medien schreiben.

Ein Blick auf die Mediengattungen zeigt: 67 Prozent der Bevölkerung vertrauen dem TV, ähnliche Werte waren es in den Vorjahren. Regionalzeitungen liegen mit 65 Prozent direkt dahinter. Überregionale Zeitungen werden von 55 Prozent der Befragten als vertrauenswürdig eingeschätzt.

Studie der Johannes-Gutenberg-Universität

Vertrauen in Social Media steigt

Das Vertrauen in Social-Media-Angebote als Quelle von Nachrichten ist gestiegen. Ein Faktor könnten Auswirkungen von Imagekampagnen der Digitalkonzerne sowie politische Regulierungen sein, so die Studie. In den Vorjahren hatte  das Image des Internets  unter  Datenskandalen und Fake News gelitten. 2018 äußerten nur vier Prozent Vertrauen zu den Nachrichten in sozialen Netzwerken, in der neuen Umfrage sind es 10 Prozent. Der Anteil derjenigen, die Nachrichten in sozialen Netzwerken nicht für vertrauenswürdig halten, liegt nun bei 45 Prozent (2018: 51).

Die Langzeitstudie basiert auf einer repräsentativen Telefon-Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut IFAK im Auftrag der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt hat. Befragt wurden im November und Dezember 2019 1.200 Personen ab 18 Jahren.

Studie der Johannes-Gutenberg-Universität


Katrin Otto
Autor: Katrin Otto

ist Redakteurin im Medienressort. Sie schreibt über Radio, Außenwerbung, Kino und Film und freut sich über Empfehlungen für die Bücherseite. Wenn sie nicht in der Redaktion ist, ist sie auf Konzerten, im Kino oder im Wasser.