RTL-Dschungelshow | | von Sebastian Feuß

Helmut Berger: Er ist kein Star, holt den da raus!

Er schwankt, er lallt, er pöbelt: Anfang der Woche ließ sich auf der Website der "Bild" in einem Video verfolgen, wie der augenscheinlich stark alkoholisierte Ex-Schauspiel-Star Helmut Berger an Bord eines Flugzeugs randaliert. In der Zeitungsausgabe war das entsprechende "Suff-Protokoll" nachzulesen. Berger ist gerade auf dem Weg in den australischen Dschungel. Ab Freitag wird er sich dort neben zehn weiteren verglühten Promi-Sternchen für die RTL-Show "Ich bin ein Star – holt mich hier raus" exhibitionieren.

 

Wie in den Vorjahren gehen "Bild" und RTL in Sachen Dschungel eine perfekte mediale Symbiose ein: RTL liefert das Freiwild und "Bild" schießt es ab. Bislang hat das hervorragend funktioniert. So soll es auch dieses Mal sein: Aus Mangel an Opfer-Alternativen steht Helmut Berger dabei im Fokus. Die "Bild"-Pamphlete machen die Zuschauer heiß, der Kölner Sender hofft wieder auf hohe Marktanteile. Bis zu 40 Prozent in der Zielgruppe konnte man in den vergangenen Jahren verbuchen. Auch, weil die Show in die tiefsten Niederungen menschlicher Abgründe vorstößt: Voyeurismus, Schadenfreude, soziale Abwärtsvergleiche. All das bedient die Show, die – auch wer sie nicht mag, muss es ihr lassen – perfekt inszeniert und produziert wird.

Der Vorwurf, dass es nur darum geht, gefallene Casting-Stars oder halbseidene Transvestiten vorzuführen, ist so alt wie banal. Fernsehen funktioniert nun mal auch wie einst der Wanderzirkus mit seinem Kuriositätenkabinett. Doch der Fall Helmut Berger liegt anders. Er wirft die Frage auf, ob RTL und die Produktionsfirma ITV dieses Mal den Bogen überspannt haben. Sollte Berger tatsächlich ein gravierendes Alkoholproblem haben, wie es die Berichterstattung vermuten lässt: Darf man so jemanden tagelang, rund um die Uhr, hemmungslos abfilmen und seine geistigen und körperlichen Gebrechen in Millionen Wohnzimmer transportieren?

 

"Es ist aus meiner Sicht ethisch nicht vertretbar, alkoholisierte Prominente in Talkshows oder Spielshows auftreten zu lassen", sagt Christian Schicha, Professor für Medienethik an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Die Prominenten sorgten zwar für eine hohe Medienaufmerksamkeit, die gute Quoten generieren wird. Das Image des Prominenten ist jedoch nachhaltig negativ tangiert. Insofern sollte Herr Berger möglichst schnell die Medienöffentlichkeit verlassen, um Ruhe und Hilfe zu bekommen." Schicha bezweifelt, dass Berger die Folgen seines Handelns "noch angemessen einschätzen kann".

Bei RTL sieht man das anders und Werbekunden wirken nicht abgeschreckt. Sendersprecher Konstantin von Stechow sagt: "Helmut Berger geht freiwillig ins Dschungelcamp und kennt die dortigen Herausforderungen und Bedingungen genau. Er hat ausdrücklich erklärt, sich dieser Aufgabe stellen zu wollen." Zudem würden alle Dschungel-Kandidaten "permanent psychologisch und ärztlich überwacht." Man nehme die Verantwortung für die Gesundheit der Prominenten sehr ernst. "Wir sind uns unserer Fürsorgepflicht bewusst", so von Stechow weiter.

Medienethiker Schicha bezweifelt das. RTL sollte Berger vielmehr unterstützen, abseits der Medienöffentlichkeit ärztliche Hilfe zu suchen – sofern dieser dazu bereit sei. Dass das jedoch passiert, erscheint äußerst unwahrscheinlich. Ob alkoholkrank oder nicht, ob noch bei Verstand oder nicht – die große Helmut-Berger-Show wird wohl gezeigt werden. Vielleicht gewollt oder ungewollt von Berger selbst. Vielleicht aber auch einfach durch das bekannt hämische Kommentieren von Null-Ereignissen im Camp durch die Moderatoren. Dafür wird Berger nichts weiter tun müssen, als mit aufgeschwemmtem Faltengesicht in der Hängematte zu liegen. Und vielleicht ein paar Känguru-Hoden vertilgen. Er kann ja nachspülen.

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