Paid Content | | von Petra Schwegler

Ja zur Bezahlschranke: Umfrage ermittelt Zahlungsbereitschaft

Bessere Chancen für Paid Content der Verlage? "Gut jeder dritte Bundesbürger ist der Meinung, dass redaktionelle Online-Inhalte künftig wie bei einer klassischen Print-Ausgabe bezahlt werden sollten", ermittelt das Beratungsunternehmen Lischke Consulting (München, Hamburg) durch eine bevölkerungsrepräsentativen Umfrage unter 1000 Bundesbürgern. Allerdings fordere die Mehrheit der Deutschen - 57 Prozent - bei bezahltem Online-Content "einen erkennbaren Mehrwert im Vergleich zu anderen journalistischen Publikationen".

Befragt nach neuen Bezahl-Modellen für Online-Inhalte, wünschen sich demnach 48 Prozent der Leser den Erwerb einzelner Tagesausgaben wie beim Zeitungskauf am Kiosk, beispielsweise als Download per Tablet oder als Smartphone-App. Ebenfalls rund jeder Zweite ist dafür, ausgewählte Online-Artikel oder sonstige redaktionelle Inhalte einzeln zu bezahlen. Nach dem Vorbild des klassischen Print-Abos im Monatsbezug wollen dagegen nur 28 Prozent der Befragten redaktionelle Online-Inhalte abgreifen. Kurzum: Das aus Print gelernte Abo-Modell ist nicht eins zu eins umsetzbar; die neue Offerte von welt.de berücksichtigt das.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigten "überraschend deutlich, dass viele Leser in Deutschland bereits heute für neue Bezahl-Modelle im Online-Journalismus zugänglich sind", betont Christoph Hüning, Medienexperte bei Lischke Consulting – und schränkt sofort ein: "Dreh- und Angelpunkt in diesem Strukturwandel ist allerdings ein Geschäftsmodell, das mit überzeugenden Argumenten an die Stelle der von den Lesern gewohnten ‚Kostenlos-Kultur‘ von Online-Angeboten tritt." Sein Tipp: "Die Redaktionen sollten sich mit dieser Zielrichtung darauf konzentrieren, unverwechselbare Inhalte zu schaffen, die sich auch bei Auswahl und Aufbereitung der Themen eng an den neuen Lesegewohnheiten der Zielgruppen orientieren. Nur so ist es möglich, dass Medienhäuser online neue Umsatzpotenziale heben können."

Lischke fragt auch gleich nach neuen Geschäftsfmodellen. Und siehe da: Neuen kreativeren Vergütungsmodellen steht die Mehrheit der Befragten laut Befragung positiv gegenüber. So können sich 69 Prozent vorstellen, journalistische Inhalte im Internet durch freiwillige Spenden zu finanzieren. Bekannt ist das Modell als "Crowd Funding". 60 Prozent könnten sich zudem vorstellen, aus dem TV bekannte Webespots freien Inhalten im Internet voranzustellen und auf diesem Weg Inhalte zu finanzieren, so genannte Pre-Roll Spots. Das würde den Verlagen zudem mehr Erlöse aus der florierenden Bewegtbildvermarktung einbringen.

Ja zur Bezahlschranke: Umfrage ermittelt Zahlungsbereitschaft

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Paid Content stützt bröckelnde Onlinewerbung

von Manuela Pauker

Die Kritiker an Paid Content unter den Lesern werden weniger. Und sie sehen sich inzwischen einer Phalanx von zahlenden Lesern gegenüber, die den Schritt zur Bezahlschranke gegenüber denen verteidigen, die die Inhalte lieber weiterhin kostenlos konsumieren würden. Das wird aber nicht passieren.

Der Verlegerverband BDZV führt unter den 351 Tageszeitungen in Deutschland aktuell 119 mit Bezahlangeboten. Und es werden schnell mehr: Derzeit sind unter anderem "Die Zeit", "Stuttgarter Zeitung/ Stuttgarter Nachrichten", das Bielefelder "Westfalenblatt", die "Westfälischen Nachrichten" in Münster und die Zeitungsgruppe Ostfriesland dabei, sich unter die Paid-Content-Anbieter einzureihen. Andere, darunter die "FAZ", bauen ihr Portfolio in diesem Bereich weiter aus.

Die Frage, ob das Senken der Bezahlschranke sein muss, ist also längst beantwortet: ja, es muss. Jetzt geht es darum, das richtige Modell zu finden, daran zu feilen, die Angebote zu optimieren. Denn Paid Content, das hat die Branche inzwischen registriert, ist tatsächlich ein ernst zu nehmender Umsatzbringer. Mit digitaler Presse haben die deutschen Verlage im vergangenen Jahr geschätzt 242 Millionen Euro umgesetzt, wie erst im Januar bekannt wurde.

Anders der Onlinewerbemarkt. Er ist unter Druck, die Preise bröckeln. "Die digitale Werbung eignet sich immer weniger als alleinige Erlösquelle", sagt Holger Kansky, Multimediareferent des BDZV. Dafür gibt es mehrere Gründe: So wächst zwar das mobile Werbesegment kräftig, weil sich die Nutzung der Angebote massiv auf Smartphones und Tablets verlagert – den beeindruckenden prozentualen Wachstumsraten stehen aber in absoluten Zahlen eher magere Ergebnisse gegenüber. "In Relation zur Nutzung ist der Kanal Mobile weiterhin massiv unterkapitalisiert", so Kansky.

Obendrein sorgt das Überangebot an Werbeträgern im Netz für einen starken Preiswettbewerb, und die wachsende Adblocker-Nutzung macht es nicht besser. Gegen Werbefilter haben Publisher diverse Strategien entwickelt. Jüngstes Beispiel: Die "New York Times" geht nun gegen Adblocker vor. Wenn sich ein Nutzer der entsprechenden Software anmeldet, wird er gebeten, den Blocker für die wichtige US-Zeitung auszuschalten oder sie zu abonnieren.

Welche Wege Verlage in Sachen Paid Content beschreiten - diesen Überblick finden Sie in der aktuellen Printausgabe der W&V (EVT: 7.3.). Abo?

von Manuela Pauker - Kommentare Kommentar schreiben