Drei junge Forscher wollen den Schwarm für Perspective Daily begeistern, um im geplanten Online-Medium mit lösungsorientiertem Journalismus ein anderes Weltbild zu zeichnen.
Drei junge Forscher wollen den Schwarm für Perspective Daily begeistern, um im geplanten Online-Medium mit lösungsorientiertem Journalismus ein anderes Weltbild zu zeichnen. © Foto:Screenshot Perspective Daily

Finanziert per Crowdfunding | | von Petra Schwegler

Kampf dem Clickbaiting: Wissenschaftler planen "Perspective Daily"

Mit Perspective Daily soll ein Online-Medium starten, das gegen die klassische Berichterstattung in Medien mit ihrem Fokus auf negativen Nachrichten und Einzelschicksalen anschreibt. Das Credo "Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten" und die Dominanz von Kriegen, Katastrophen und Skandalen in der Berichterstattung auf allen Kanälen würde ein "zu negatives Weltbild, Stress, Hilflosigkeit und Zynismus und oft sogar eine vollständige Abwendung vom News-Konsum und von gesellschaftlichen Problemen und Herausforderungen" zur Folge haben, meinen Maren Urner, Bernhard Eickenberg und Han Langeslag, die drei jungen Gründer von Perspective Daily. Ihr neues "konstruktives Online-Medium", wie sie Perspective Daily bezeichnen, soll mit "lösungsorientiertem Journalismus" dagegenhalten und somit letztendlich die Handlungsbereitschaft der Bürger erhöhen.

Tiefgang statt Clickbaiting ist dem Trio ein Anliegen, weg vom Kampf um Online-Leser mithilfe reißerischer Texte. "Uns geht es um hintergründige Beiträge statt Meldungen über Einzelereignisse", so Maren Urner. Nicht nur die Zielsetzung soll anders sein, sondern auch die Zusammensetzung der Redaktion: Die Autoren sind ausgebildete Wissenschaftler mit journalistischer Erfahrung. Das Team stehe im ständigen Austausch mit weiteren Wissenschaftlern, Organisationen und Fachmenschen, heißt es von Perspective Daily. Die solide gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Basis aller Beiträge sei fundamental für das Konzept.

Die Inhalte sollen interaktiv aufgearbeitet werden, zumal aus Sicht der Macher das Lesevergnügen wichtig sei. "Wir wollen anders sein – auch in der Art, wie unsere Beiträge aussehen", so die Neurowissenschaftlerin Urner. Ihr Team verweist auf Studien, die zeigen würden: Texte, die auch Lösungen thematisieren, führen beim Leser zu mehr Verständnis, positiven Emotionen und einer erhöhten Handlungsbereitschaft. "Wir brauchen einen Journalismus, der uns mehr vom Puzzle zeigt, der Zusammenhänge aufzeigt", so Bernhard Eickenberg.

Per Crowdfunding soll das ehrgeizige Projekt finanziert werden. In einer für Januar geplanten Spendenrunde sollen die ersten 12.000 zahlenden Mitglieder überzeugt werden. 42 Euro Jahresbeitrag soll ihnen Perspective Daily wert sein. Dafür garantieren die Macher "Werbefreiheit und Unabhängigkeit von wirtschaftlichen, politischen und religiösen Interessen". Die Vorbereitung der Kampagne wird nach Angaben von Perspective Daily durch ein Exist-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Europäischen Sozialfonds gesichert. Über eine bereits eingerichtete Website und via Facebook informieren die jungen Wissenschaftler über das Vorhaben und die Finanzierung.

Perspective Daily dürfte auf interessierte Leser treffen: Erst vergangene Woche hat "WiWo"-Chefredakteurin Miriam Meckel in ihrer Keynote auf den Medientagen München auf die sich verändernden Nutzungsgewohnheiten der User im Netz hingewiesen. Die Leser dort würden sich emanzipieren, mehr Sinnstiftendes und längere, gut recherchierte Stücke suchen. Ihr Appell an die Medienbranche: Nutzt die Chance und macht bessere Inhalte! Ähnlich äußerte sich FAZ.net-Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron, der den Auftritt der Frankfurter für den erwarteten "Wettbewerb der Exzellenz im Digitalen" fit macht.

Kampf dem Clickbaiting: Wissenschaftler planen "Perspective Daily"

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