Die Wertung: Nutzer nehmen vor allem das Nachrichtenangebot der TV-Sender als echten Mehrwert gegenüber der unkontrollierten Informationsflut des Internets wahr. Auch der Boom bei den Mediatheken ist vor allem auf den Bedarf an Informationen rund um Corona zurückzuführen. Klaus Böhm: "Das bedeutet aber, dass die Zahlen bei einer ruhigeren Nachrichtenlage auch wieder zurückgehen werden."

Radio und Podcasts: Raus aus der Nische

Ähnlich wie bei VoD nutzen die Menschen Radio derzeit intensiver, aber nicht unbedingt mehr Leute schalten ein. 30 Prozent der Befragten gaben an, in der Corona-Krise mehr Radio zu hören als vorher. Bei den 19- bis 24-Jährigen sind es sogar 44 Prozent. Anders als das lineare Fernsehen kann das Radio verlorene Hörer momentan nicht in nennenswerter Anzahl zurückgewinnen. 

Podcasts haben in der aktuellen Situation einen zusätzlichen Schub bekommen. Altersübergreifend gaben 37 Prozent der Hörer an, dass Podcasts für sie ein wichtiges Informationsmedium zum Thema Corona sind. Die Formate gehen häufig tiefer als die Nachrichten aus Fernsehen und Radio. 

Auch Radio wird intensiver genutzt.

Auch Radio wird intensiver genutzt.

Online und Print: Nutzer zahlen für gute Inhalte

Nachrichten sind das Format der Stunde und in allen Darstellungsformen gefragt; vor allem Online-Angebote profitieren. Der Anteil täglicher Leser werbefinanzierter Online-News ist um 35 Prozent gestiegen. Zudem sind immer mehr Nutzer bereit, für Inhalte zu zahlen: Die regelmäßige Nutzung kostenpflichtigen Premium-Contents hat um 25 Prozent zugelegt. Der Anstieg bei digitalen Zeitungsausgaben als pdf oder App liegt sogar bei 31 Prozent. 

Gedruckte Zeitungen lesen täglich noch 30 Prozent der Befragten, ein Prozent weniger als vor Corona. Klar, wer geht schon noch in den Kiosk derzeit?! Viele haben geschlossen. 

In Zukunft punkten: seriöse Berichterstattung und gute Unterhaltung

Die zu erwartende Rezession bekommen Medienhäuser zu spüren. Schon jetzt brechen die Werbeerlösen ein. Effizienzsteigerungen, so Deloitte, seien für viele Medienunternehmen deshalb unumgänglich. Nur der gestiegene Medienkonsum gibt Hoffnung.

"Natürlich besteht gerade die Chance, Nutzer mit überzeugenden und glaubwürdigen Inhalten langfristig von Paid-Content zu überzeugen", sagt Böhm. Deloitte rechnet mit einer Verschiebung des Erlössplits in Richtung Bezahlinhalte. "Medienhäuser sind gut beraten, ihre Strategien hier entsprechend nachzujustieren", sagt Böhm. "Vertrauenswürdige Medienmarken, eine seriöse Berichterstattung und gute Unterhaltung sind die Bereiche, auf die Medien in Zukunft setzen sollten."

Hier geht's zur Studie.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.