Daniel HÀuser (l.) und Peter "Bulo" Böhling haben "Pardon" in den vergangenen Monaten gestemmt - mit prominenten Schreibern, mit spitzer Feder und dem einen oder anderen Bier.
Daniel HĂ€user (l.) und Peter "Bulo" Böhling haben "Pardon" in den vergangenen Monaten gestemmt - mit prominenten Schreibern, mit spitzer Feder und dem einen oder anderen Bier. © Foto:Alexander von Spreti

Interview | | von Petra Schwegler

"Pardon nimmt sich Typen vor, mit denen man nicht rechnet"

Das Satiremagazin "Pardon" kommt am Donnerstag wieder an den Kiosk – als JubilĂ€umsausgabe 50 Jahre nach GrĂŒndung in Frankfurt. Dahinter steht der frĂŒhere Chefredakteur von "Focus", "Cicero" und "Welt", Wolfram Weimer, als Verleger. Als Chefredakteure wirken Peter "Bulo" Böhling und Daniel HĂ€user, bekannt als Herausgeber des People-Magazins "Clap". Sie haben einst auch bei W&V gewirkt. Wer nun die spitze Feder fĂŒr "Pardon“ schwingt, wie sich Satire im Jahr 2012 liest und wann es Bier gibt – das erzĂ€hlen Bulo und HĂ€user im Interview mit W&V Online.

Satire sollte spitz und auch mal böse sein. Wem mĂŒsst Ihr mit der Geburtstags-Ausgabe ein "Pardon" zurufen?

Peter "Bulo" Böhling: Wenn man nicht mit dem Holzhammer draufhaut, sondern mit der spitzen Feder an Themen herangeht, kann man mitunter mehr Wirkung erzielen, ohne dass alles zu Matsch wird. Entschuldigen muss sich das "Pardon"-Team bei niemandem, obwohl der eine oder andere natĂŒrlich eine mitbekommt.

Daniel HĂ€user: Wir haben dafĂŒr gesorgt, dass sich "Pardon" ein paar Typen vornimmt, mit denen man nicht rechnet. Wir lassen Klaus Kinski als Karikatur zu Wort kommen; was wĂŒrde er wohl zu dem einen oder anderen Politiker von heute sagen? Oder "Zeit"-Kolumnist Harald Martenstein: Im Ressort "Moneten" lĂ€sst er sich ĂŒber die Geldgewohnheiten der SĂŒdeuropĂ€er aus. Martenstein gibt ganz persönliche EindrĂŒcke zum Besten, wie rĂ€tselhaft einige SĂŒdlĂ€nder mit Geld umgehen. Schön zu lesen, nachvollziehbar und zugespitzt.

"Clap" lebt vom kessen Zeichenstrich, "Pardon" tat es auch. Gibt es im JubilÀums-Heft Karikaturen aus der Feder von Bulo?

Bulo: Ja, ich habe es tatsĂ€chlich geschafft, ein paar lieblos hingehuschte Zeichnungen an der "Pardon"-internen QualitĂ€tskontrolle vorbeizumogeln (lacht)...Es stehen aber ganz andere im Vordergrund, die richtig gut karikieren können – darunter Jojo alias "Beetlebum", der die Ressort-Aufmacher gestaltet hat. Wichtig war uns, dass Text und Illustration immer genau aufeinander abgestimmt sind.

Wie habt Ihr Euch vorbereitet? Das alte "Pardon" gelesen?

HĂ€user: Wir haben hier stapelweise alte Ausgaben der "Pardon" liegen! Sind auch in Kontakt mit dem GrĂŒnder Hans A. Nikel, der heute ĂŒber 80 Jahre alt und schon ganz gespannt ist, wie wir seine Idee fortfĂŒhren. Aber keine Sorge: Wir haben ein zeitgemĂ€ĂŸes Heft gemacht, das heute an den Kiosk passt.

Habt Ihr auch Autoren des Ur-"Pardon" gewinnen können?

Bulo: Zu ihnen gehört unter anderem Gerhard Zwerenz. Klassiker wie Woody Allen sind ebenfalls dabei. Insgesamt haben wir aber mehr Augenmerk auf aktuelle Autoren gelegt – dazu gehören die "Spiegel"-Bestseller-Autorin Katja Berlin ebenso wie Top- Blogger Christian Sickendieck oder "SZ"-Streiflicht-Mann Hilmar Klute.

HĂ€user: Die Mischung ist wichtig – nicht nur große Namen kommen vor, sondern auch die Menschen aus dem Netz, die Beachtung in gedruckter Form verdienen. DarĂŒber hinaus beantwortet der Kommunarde Rainer Langhans, der aktuell fĂŒr die Piraten unterwegs ist, auf erstaunlich konventionelle Weise wichtige Fragen des Lebens. Okay, er ist kein typischer Spaßvogel – dafĂŒr die Überraschung aber grĂ¶ĂŸer, dass ausgerechnet er in einem Satire-Magazin auftaucht.

Wie viel Satire steuert Satire-Liebhaber und "Pardon"-Herausgeber Wolfram Weimer bei?

HĂ€user: Er hat einen Einseiter gestaltet – konnten wir gerade so durchgehen lassen. Aber mal im Ernst: Viele Kontakte und manche Anregungen kamen in der Tat von ihm.

Bulo: Weimer geht zum Lachen ĂŒbrigens auch nicht in den Keller.

Ihr wolltet Euch im Karikaturen-Museum Olaf Gulbransson am Tegernsee inspirieren lassen, wo Redaktionssitzungen des einstigen "Simplicissismus"-Magazins stattgefunden haben. Und Satiriker, Comedians oder Schriftsteller wie Dieter Nuhr, Eckart von Hirschhausen und Harald Schmidt sollten Euch zusĂ€tzlich beflĂŒgeln... Hat‘s funktioniert?

Bulo: Das Gulbransson-Museums hatte tatsĂ€chlich einen symbolischen Wert. Es kamen einige spannende Anregungen durch die Situation dort – also die ganzen Polts, Buschs oder Ducks, die da rumgeistern. Überwiegend haben wir aber in der Redaktion in MĂŒnchen gearbeitet. Eckart von Hirschhausen kann auch ja nicht mal eben fĂŒr ’ne Stunde an den See reisen. Die Arbeit hier zu zentralisieren war auch fĂŒr uns gut: Wir mussten viel Zeit investieren und alles aufbauen – Layout, Typographie, Konzept. DafĂŒr ist eine Struktur mit einem fixen Team wichtig. Ob es auch Bier gab? Immer erst ab zwölf!

Das Signet der neuen "Pardon" (Unternehmen).

Das Signet der neuen "Pardon" (Unternehmen).

Womit rechtfertigt Ihr den Anspruch auf den Titel "Pardon"?

HĂ€user: Es kann schon sein, dass der eine oder andere der frĂŒheren und mittlerweile ergrauten Leser von damals sagt: Oh, die "Pardon" erkenne ich auf den ersten Blick gar nicht wieder! Aber wir wollten ja auch ein Magazin an den Kiosk bringen, das zeitgemĂ€ĂŸ ist.

Bulo: In einer Zeit, in der CDU und GrĂŒne mitunter das Gleiche im Parteiprogramm stehen haben, mĂŒssen Sie anders an die Dinge herangehen. Der Untertitel lautet: "Feinsinn. Unsinn. Hintersinn". Das spielt auf die spitze Feder an, die auch das Ur-"Pardon" schwang.

Satire in Deutschland ist so eine Sache, die "Titanic" hat den Vatikan und den Presserat gegen sich. Hat das Team einen guten Anwalt zur Seite?

Bulo: Ist ein Thema immer nur dann gut, wenn ein Rechtsanwalt eingeschaltet wird? Provozieren ist leicht. Aber die Frage ist, ob so der gewĂŒnschte Effekt erzielt wird. Die Gratwanderung wird woanders oft nicht eingehalten. Bei "Pardon" bringen wir einen eigenen Stil ins Spiel. Einen Anwalt braucht es da nicht.

Was muss passieren, damit "Pardon" wieder regelmĂ€ĂŸig auf den Markt kommt?

HĂ€user: Klar – es mĂŒssen viele Leser am Kiosk fĂŒnf Euro fĂŒr das Heft auf den Tisch legen (lacht). Wir sind aber positiv gestimmt, dass viele der 70.000 Exemplare verkauft werden können. Wir wissen aber, dass das heute nicht mehr selbstverstĂ€ndlich ist.

Bulo: Wir freuen uns ĂŒber jeden Leser, der Spaß am Heft hat. Was uns aber viel wichtiger ist: Wir durften bei "Pardon" ohne wirtschaftlichen Druck unsere journalistische Arbeit machen. In Zeiten, in denen so viele Printprodukte eingestellt werden, ist es schon geil, ein Magazin auf den Markt bringen zu können, weil man dazu einfach Lust hat!

"Pardon nimmt sich Typen vor, mit denen man nicht rechnet"

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