| | von Petra Schwegler

ProSiebenSat.1 verlagert Sat.1-Lizenz nach Hamburg

Großer Lizenz-Wurf bei der TV-Familie ProSiebenSat.1: Die Free-TV-Holding ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH beantragt zum 1. Januar 2013 neue Sendelizenzen für alle vier frei empfangbaren Sender - für Sat.1, ProSieben, Kabel eins und Sixx.

 

Auffallend ist: Der Lizenzantrag für Sat.1 wird nun bei der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) gestellt; bisher ist die LMK in Ludwigshafen für den Privatsender zuständig. Auch die "Senderin" Sixx gibt ihren Lizenzsitz in Berlin auf – für sie beantragt die Familie eine neue Lizenz bei der Bremischen Landesmedienanstalt (brema). ProSieben will bei der Berliner MABB verbleiben, Kabel eins bei der Münchner BLM.

Damit schlägt ProSiebenSat.1 zwei Fliegen mit einer Klappe. Der zuständige Vorstand Conrad Albert, verantwortlich für Recht, Regulierung und Distribution der ProSiebenSat.1 Media AG, versichert zwar, dass die Neulizenzierung rechtlich die übergeordnete Dachorganisation ProSiebenSat.1 TV Deutschland abbilden soll, die seit 2009 besteht. Dadurch erhöhe der Konzern "konsequent die Vielfalt der Aufsichtsmeinungen". Motto: "Vier Sender, vier Landesmedienanstalten."

 

Doch klar ist auch: Sat.1 hat über viele Jahre mit ihrer Aufsichtsbehörde LMK um die Drittsendezeiten gerungen, die zur Sicherung der Meinungsvielfalt platziert werden müssen. Seit Jahren gelingt es dem Mainzer Medienunternehmer Josef Buchheit immer wieder, dass er mit News and Pictures zum Zuge kommt. Wiederholt hat Buchheit namhafte Bewerber aus dem Feld geschlagen, die dem Vernehmen nach zu besseren Konditionen die Drittsendezeiten bei Sat.1 hätten füllen wollen. Gegen die letzte Vergabe an News and Pictures laufen noch Verfahren. Sat.1 selbst ist deswegen vor den Kadi gezogen, aber auch die unterlegenen Bewerber, Ulrich Meyers Meta Productions und auch N24.

Freilich lässt die offizielle Konzern-Mitteilung zum geplanten Lizenzumzug kein Wort darüber fallen. Rechtsvorstand Albert hat aber schon einmal vorgefühlt, wie die Lage bei den Medienwächtern ist und gibt zu verstehen: "Die zuständigen Medienanstalten haben uns bereits signalisiert, unser Vorhaben zu unterstützen." Noch haben alle vier Sender lang laufende Sendelizenzen bei den jeweils bislang für sie zuständigen Medienanstalten. "Bis zu einer Neulizenzierung gelten diese uneingeschränkt weiter. Die Neuanträge haben keine Auswirkung auf Programm, Werbung oder Strukturen im Unternehmen", heißt es abschließend.

Inzwischen hat auch die LMK reagiert. Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz hat die Absicht des Senders zur Kenntnis genommen und prüft nun die Auswirkungen, wie ihr Sprecher Joachim Kind am Donnerstag der Nachrichtenagentur "dpa" sagt. Kind: "Wir bedauern diesen Schritt des Unternehmens sehr."

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