Medienanstalten ermitteln | | von Petra Schwegler

Schleichwerbung bei Youtube-Stars von Y-Titty?

Betreiben die Youtube-Stars von Y-Titty Schleichwerbung mit Produkten von Samsung, McDonalds oder Coca-Cola? Die Verbreitung illegaler Schleichwerbung werfen die Landesmedienanstalten der Comedy-Gruppe und dem Youtube-Star Nilam M. Farooq alias Daaruum vor. Das berichtet das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" sowie Medien aus dem Haus des produzierenden SWR. Die Künstlerformation Y-Titty habe in Videos auf ihrem Kanal unter anderem Produkte von Samsung, McDonalds und Coca-Cola präsentiert, ohne dies ausreichend als kommerzielle Zusammenarbeit mit den Firmen zu kennzeichnen, heißt es. Die Berlinerin mit Künstlernamen Daaruum werbe in ihrem Video "Morgen Routine und Haar Routine mit kürzeren Haaren" für ein Haarmousse der Marke Schwarzkopf, ohne dies ausreichend transparent zu machen.

Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten, erklärt nach Sichtung und Bewertung dieser Videos gegenüber "Report Mainz": "Wenn da Absicht dahinter steht und auch Geld fließt und ein Auftrag erteilt wird dieses Produkt zu zeigen, das ist Schleichwerbung. So ist es auch bei den Youtube-Videos, die wir uns angesehen haben." Daaruum ließ nach Angaben von "Report Mainz" eine Anfrage unbeantwortet. Der Rechtsanwalt der Künstlerformation Y-Titty weist gegenüber der ARD-Sendung die Vorwürfe zurück und erklärt: "Videos unserer Mandanten erhalten weder Kaufaufforderungen noch rücken sie Produkte werbend in den Mittelpunkt." Wenn Videos unterstützt würden, dann würde dies in gebotenem Umfang deutlich gemacht. Auch Y-Titty verneint Unrechtmäßiges in der ARD-Sendung selbst. Hier ein Y-Titty-Clip:

Für die Vermarktung der Werbeplätze in den Youtube-Kanälen von Y-Titty und Daaruum ist die Münchner Firma Mediakraft verantwortlich. Dieses Netzwerk bündelt nach eigenen Angaben mehr als 1000 Kanäle und erreicht so pro Monat 14 Millionen Nutzer. "Report Mainz" liegen indes nach eigenen Angaben interne Unterlagen aus dem Unternehmen vor. Demnach bietet Mediakraft Werbekunden neben klassischen Spots auch Spezialwerbeformen wie "Product Placement" und integrierte Werbung (Branded Entertainment) an. Für die "redaktionelle Integration" in Youtube-Videos von Y-Titty oder Daaruum verlangt das Unternehmen 80 Euro für tausend Klicks. In einem schriftlichen Werbeangebot heißt es: "Bei Y-Titty garantieren wir auf 1 Video 650.000 Views, also 52.000 Euro brutto."

"Report Mainz" liegen außerdem Aussagen und Protokolle vor, wonach Jan Schlüter, Mitglied der Geschäftsführung von Mediakraft, Youtuber auffordert, für alle in den Videos thematisierten Produkte eine finanzielle Gegenleistung von den Herstellern zu beanspruchen: "Mediakraft möchte eine Geschlossenheit erreichen, keine kostenlosen Product Placements zu bewerben." Positives Beispiel für gelungene Produktplatzierung sei Daaruum mit ihrem Video "Pickel S.O.S.". In diesem Video wirbt Daaruum für das Produkt "Normaderm Hyaluspot" der Marke Vichy.

Aufgrund der Recherchen von "Report Mainz" hat die für die Überwachung von Mediakraft zuständige Bezirksregierung Mittelfranken ein Prüfungsverfahren eingeleitet. "Die Behörde sieht die Art und Weise der Produktdarstellung kritisch", teilt die ARD mit. Ein Gesetzesverstoß scheine gegeben. Konfrontiert mit diesen Vorwürfen, erklärt Mediakraft in einer zusammenfassenden Stellungnahme gegenüber "Report Mainz": "Der gesetzliche Grundsatz der Trennung von Werbung von redaktionellen Inhalten wird von uns und unseren Partnern beachtet. Die Kennzeichnung erfolgt auf klare Weise." Also ein klares Dementi.

Würden die Vorwürfe zutreffen, hätten die seit einigen Jahren auch für Netzvideos zuständigen Medienanstalten ihren ersten großen Schleichwerbefall bei Youtube. Ansonsten häufen sich derzeit eher unrechtmäßige Verbindungen zwischen Inhalt und Werbung bei Zeitschriften.

Schleichwerbung bei Youtube-Stars von Y-Titty?

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Schleichwerbe-Zoff um Y-Titty: Mediakraft teilt gegen SWR aus

von Petra Schwegler

Die Vorwürfe stehen im Raum: Betreiben die Youtube-Stars von Y-Titty Schleichwerbung mit Produkten von Samsung, McDonalds oder Coca-Cola? Die Verbreitung illegaler Schleichwerbung werfen die Medienanstalten der Comedy-Gruppe und dem Youtube-Star Nilam M. Farooq alias Daaruum vor – mit möglichen Bußgeldern bis zu 50.000 Euro. Erhoben hat die Vorwürfe das ARD-Politikmagazin "Report Mainz" aus dem Hause SWR. Just auf die südwestdeutsche ARD-Anstalt hat es nun Mediakraft abgesehen. Das Unternehmen ist im Fernsehbeitrag als Vermarkter und Anbieter der angeblich unrechtmäßigen Placements angeführt worden, hat aber dort betont: "Der gesetzliche Grundsatz der Trennung von Werbung von redaktionellen Inhalten wird von uns und unseren Partnern beachtet. Die Kennzeichnung erfolgt auf klare Weise."

 

Nur scheint Mediakraft das Dementi nicht auszureichen, zumal die Vorwürfe der ARD-Sendung massiv und breit gestreut sind. In einer eigenen Mitteilung betont das Team nun mit Blick auf bisher fehlende Regelungen für Product Placements in Online-Bewegtbildern, Mediakraft sei im Kontakt mit den zuständigen Stellen und bereit, "an der Entwicklung entsprechender Standards mitzuwirken". Behördliche Beanstandungen von Inhalten von Mediakraft oder seinen Partnern gebe es bislang nicht. "Demgegenüber gab es immer wieder gravierende Regelverstöße öffentlich-rechtlicher Sender gegen das Gebot zur Trennung von Werbung und Programm (u.a. Schleichwerbung bei Marienhof und Wetten, dass...?, zuletzt die Audi-Ringe in der Wintersportberichterstattung), und das, obwohl es im herkömmlichen Fernsehen seit Jahren klare Vorgaben für die Kennzeichnung von Placements gibt", teilt Mediakraft mit Blick auf die Vergehen der ARD aus.

Auch Neidgefühle sieht Mediakraft als Intention hinter dem Beitrag von "Report Mainz": Die Art und Weise, wie der SWR in seinem Report-Beitrag ein junges Medium attackiere, "muss daher auch vor dem Hintergrund verstanden werden, dass die öffentlich-rechtlichen Sender die junge Zielgruppe nicht mehr erreichen und hier wiederholt publizistisch gegen einen Wettbewerber vorgehen", so Mediakraft, das nach eigenen Angaben als größte Online-TV-Sendergruppe in Mitteleuropa mehr als 14 Millionen Unique User und 50 Prozent der 13. bis 34-jährigen Zuschauer erreicht. Nur durch die Werbefinanzierung könne die aufstrebende Online-Video-Branche sich weiter professionalisieren. Derlei Vorwürfe gegen ARD und ZDF, die Öffentlich-Rechtlichen würden Mitbewerber mit einer vorwiegend jungen Fan-Schar unfair attackieren, sind nicht neu und zuweilen im Nachgang zu kritischen Beiträgen über private Fernsehsender aufgetaucht.

Unterdessen sehen die Medienanstalten durchaus einen Verstoß gegen Werberichtlinien: Ein Sprecher der zuständigen NRW-Anstalt LfM erklärt gegenüber "dpa", die Aufsichtsbehörde sehe beispielsweise bei Y-Titty Verstöße gegen den Paragraf sechs des Telemediengesetzes. Dieser Paragraf regele, dass Werbung in Online-Medien klar gekennzeichnet seine müsse. Dies sei etwa bei Y-Titty-Videos nicht der Fall.

 

Wie auch immer: Die Branche kann eine Lehre aus dem aktuellen Zoff um Schleichwerbung ziehen: Klare Werbestandards für die neuen Plattformen müssen her! Jahrelang hat die Branche etwa für das Go von Product Placement im TV gerungen, das dann vor drei Jahren mit dem Zwang zur klaren Kennzeichnung kam. Fürs Erste plädieren Branchenvertreter für mehr Transparenz, wie etwa Daniel Rehn, Junior Account Manager und Digital Trend Scout bei der Hamburger Agentur Achtung!. Rehn, der selbst bloggt, bewertet die Situation so: "Mit der Weiterentwicklung der vergleichsweise neueren Medienformate wie etwa YouTube oder auch Blogs wird es immer schwieriger, die rechtlichen Grenzen des Telemediengesetzes konkret zu benennen. Aus diesem Grund verstehen wir Transparenz als immanenten Bestandteil der Zusammenarbeit zwischen uns als vermittelnder Agentur und den Onlinern in ihrer Kommunikation an sich."

Die Grenzen zwischen Product Placement und Schleichwerbung sind im TV klar geregelt. W&V Online hat bereits aufgelistet, wie sich dort Sauberes von Illegalem trennen lässt.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben