Nicht selbstverständlich: Der endlich geehrte Leonardo DiCaprio gab sich bescheiden.
Nicht selbstverständlich: Der endlich geehrte Leonardo DiCaprio gab sich bescheiden. © Foto: The Academy

Filmpreis | | von Susanne Herrmann

Schwarz-weiß-Malerei beim Oscar

Den Gesprächsstoff der 88. Oscar-Verleihung lieferte der schwarze Moderator Chris Rock - und zwar mit reichlich schwarzem Humor. Die Awards seien auch als die Preise der Weißen bekannt, sagte der 51-Jährige - gekleidet in einen weißen Anzug. Eine Anspielung auf die Kontroverse um die diesjährigen Nominierungen - in den wichtigsten Kategorien waren keine Afroamerikaner unter den Oscar-Kandidaten. Im Internet lief die lebhafte Debatte unter dem Hashtag #OscarsSoWhite.

Rock wurde deutlich: Diese ganze Keine-Schwarzen-Sache habe es schon mehr als 70-mal gegeben. Da gab es aber keine Proteste, sagte Rock mit Verweis auf die 50er- und 60er-Jahre. "Wir waren damit beschäftigt, vergewaltigt und gelyncht zu werden." Das Thema zog sich durch die gesamte Gala und wurde immer wieder offensiv aufgegriffen, vor allem von Chris Rock, aber auch von einigen anderen Filmgrößen und in Einspielern, die die Academy of Motion Picture Arts and Sciences selbstironisch anlegte: So wurden etwa die Filme, die für den Oscar als bester Film nominiert waren, in Einspielern mit schwarzen Schauspielern persifliert.

Und Chris Rock teilte in alle Richtungen aus: "Klar ist das unfair, dass Will Smith nicht nominiert ist - aber es ist auch ungerecht, dass er 20 Millionen Dollar für 'Wild Wild West' bekommen hat." Oder: "Nicht alles ist immer gleich sexistisch, nicht alles ist immer gleich rassistisch. Wir fragen die Männer nicht nach ihren Outfits, weil sie eh alle das Gleiche anhaben!"

Im Vergleich zum Vorjahr fiel die Preisverleihung unter anderem deshalb wieder deutlich kurzweiliger aus. Zu den Attraktionen auf der Bühne gehörten auch die Roboter aus "Star Wars". Sender ABC verlangte zwischen 2 und 2,2 Millionen Dollar pro 30-Sekünder (2015: 1,9 Mio.). Um die 40 Millionen Amerikaner schalten jedes Jahr ein. In Deutschland verfolgten 560.000 Zuschauer in der Nacht zum Montag ab 2.30 Uhr den Auftakt der Oscar-Verleihung auf ProSieben. Der Marktanteil betrug 15,2 Prozent. Als Sponsoren und Werbekunden dabei waren unter anderem AT&T, General Motors, Samsung, IBM, Linkedin und Coca-Cola. Gut 100 Millionen Dollar sollen so für ABC herausspringen. Und trotz der #OscarsSoWhite-Aktion seien keine Werbekunden abgesprungen, selbst wenn es für sie ein Vabanquespiel sein hätte können: Wie mag es sich auswirken, wenn eine Marke einen weißdominierten Filmpreis offen unterstützt? Nun, offenbar erschien das Risiko tragbar. Wiederholen sollte sich ein Widerstand wie in diesem Jahr aber besser nicht. 

Auf Twitter waren rund um die Oscars AT&T, IBM und Airbnb besonders aktiv, außerdem Einzelhändler Kohl's, Accessoiremarke Toms und Schmuckhersteller Tiffany. IBM postete in regelmäßigen Abständen einen seiner Spots. Hier der IBM-Oscar-Clip, in dem "Star Wars"-Heldin Carrie Fisher zwischen Robotern, Menschen und KI vermittelt, ein weiterer Spot zeigt Starregisseur Ridley Scott.

Im Samsung-Spot für das Galaxy S7 spielte William Macy eine Hauptrolle als Nicht-Testimonial.

Bemerkenswert außerdem: Leonardo DiCaprio holt nach sechs erfolglosen Nominierungen endlich seine erste Trophäe, sein Regisseur Alejandro González Iñárritu gewann seinen zweite Oscar mit "The Revenant". Und @LeoDiCaprio stellte außerdem einen neuen Oscar-Twitter-Rekord auf. 

Bester Film wurde "Spotlight". Schade für Exponential Interactive: Der Anbieter für digitale Werbetechnik hatte vorausgesagt, dass der Oscar in dieser Kategorie an "The Big Short" gehen würde. Das Unternehmen lag 2015, 2014 und 2013 mit seiner Prognose richtig. 2016 nun nicht. "The Big Short" musste sich mit dem Drehbuch-Oscar begnügen (siehe unten). Die Prognose von Exponential Interacitve basiert auf der Analyse seiner firmeneigenen Internetnutzerprofile. Die Internet-Verhaltensmuster von 32.000 Menschen, die in Los Angeles in der Filmindustrie tätig sind, werden dabei mit ähnlichen Verhaltensmustern der Oscar-Wähler verglichen. 

Die meisten Oscars gewann "Mad Max: Fury Road" (sechs) - allerdings keinen in den Königskategorien, sondern in den Spezialdisziplinen. Brie Larson wurde für die Hauptrolle in "Room" geehrt. In den Nebenrollen bekamen die Schwedin Alicia Vikander ("The Danish Girl") und der britisch-amerikanische Schauspieler Mark Rylance ("Bidge of Spies", Studio Babelsberg hat den Steven-Spielberg-Film koproduziert) ihre ersten Oscars. Die Pixar-Produktion "Alles steht Kopf" wurde als bester Animationsfilm ausgezeichnet. Der 87-jährige Ennio Morricone erhielt für seine Kompositionen zum Quentin-Tarantino-Western "Hateful 8" seinen ersten Musik-Oscar.

Und warum? Kein Getue, nichts Politisches, sondern weil sie schlicht die besten waren, resümiert Jürgen Schmieder in der "Süddeutschen Zeitung".

Die Gewinnerfilme nach Preisen:

6 Oscars: Mad Max: Fury Road (Kostümdesign, Produktionsdesign, Make-up/Hairstyling, Filmschnitt, Tonschnitt, Tonmischung)

3 Oscars: The Revenant - Der Rückkehrer (Regie, Hauptdarsteller, Kamera)

2 Oscars: Spotlight (bester Film, Originaldrehbuch)

1 Oscar:

Room (Raum) (Hauptdarstellerin)

Bridge of Spies - Der Unterhändler (Nebendarsteller)

The Danish Girl (Nebendarstellerin)

Hateful 8 (Filmmusik)

James Bond 007: Spectre (Filmsong)

The Big Short (Adaptiertes Drehbuch)

Ex Machina (Spezialeffekte)

Alles steht Kopf (Animationsfilm)

Bear Story (Animierter Kurzfilm)

Son of Saul (nicht-englischsprachiger Film)

Stutterer (Live-Action-Kurzfilm)

Amy (Dokumentarfilm)

A Girl In The River: The Price Of Forgiveness (Dokumentar-Kurzfilm)

(sh/dpa)

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