Unbefriedigende Antwort

Die Redaktion habe Friedrich auch bereits gefragt, warum er nicht schon früher, bei der Übernahme des Verlags, von seiner Vergangenheit gesprochen hätte. Er habe der Redaktion zu verstehen gegeben, "dass er dieses Thema für sich abgeschlossen hatte." Das sei für viele in der Redaktion und im Land nicht befriedigend.

Im Rahmen der Aufarbeitung wolle man außerdem eine Debatte anstoßen. Eine mit dem Verleger über seine Verantwortung. Die andere mit den Lesern: "Über die Frage, wieso die Deutschen dreißig Jahre nach dem Mauerfall nicht weiter gekommen sind in der Pflicht, uns unserer Verantwortung zu stellen und unsere besondere Geschichte eines geteilten Landes in all ihrer Härte zu erkennen."

"Es gibt gewisse Spielregeln"

Auch die Centogene-Geschichte hat noch ein Nachspiel. Laut der Berliner Zeitung hatte Friedrich dem Herausgeber und der Chefredaktion den Hinweis gegeben, dass Centogene Weltmarktführer in der gentechnischen Analyse sei und dessen Börsengang ein Anlass zur Berichterstattung sein könnte. Nur: „Weder der Chefredaktion noch den beiden Wissenschaftsredakteuren war zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass Holger Friedrich an dem Unternehmen beteiligt ist. Wäre das anders gewesen, hätte die Redaktion diese Information in den Artikel mit aufgenommen", so die Zeitung. Künftig werde die Redaktion "für Transparenz sorgen" und in der Berichterstattung prüfen, "ob geschäftliche Interessen des Unternehmerehepaares Friedrich oder des Medienhauses berührt seien."

Michael Maier, der neue Herausgeber der Berliner Zeitung, hat sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ebenfalls zu dem Fall geäußert. Er übt Kritik – plädiert aber auch für etwas Nachsicht: "Falsch war, nicht zu erwähnen, dass der Verleger im Aufsichtsrat sitzt. Das war mir und der Redaktion nicht bekannt. Die Jung-Verleger haben mittlerweile sicher verstanden, dass es gewisse Spielregeln gibt, die man am besten übergenau einhält."

Fest steht: Den Nimbus der innovativen und unkonventionellen Blattmacher, die die Zeitung mit frischen Ideen in eine neue, digitale Zukunft führen wollten, sind die Friedrichs nun erst einmal los. Ihre Antritts-Ankündigung, mit ihrem Engagement der herrschenden "Politik- und Medienverdrossenheit" entgegenzuwirken, setzten sie auf diese Art jedenfalls nicht um.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde