Update:  Ähnliche Punkte hatte W&V-Chefredakteur Jochen Kalka angesprochen, als ausgerechnet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in der Berichterstattung zum Amoklauf in München dem Ethikanspruch nicht gerecht wurde. Der "Spiegel" hat inzwischen ein Essay von Cordula Meyer zum Thema Ethik nachgelegt.

Doch das wird nun dank Medienkritiker Stefan Niggemeier zum Bumerang. Der Betreiber von Übermedien wirft dem "Spiegel" vor, seine Teilnahme an der Amok-Debatte nur zu simulieren: "Das selbsternannte 'Essay' wägt keine verschiedenen Positionen und Argumente ab. Es geht über sie hinweg. Es ist ein Stück der Selbstvergewisserung, dass alles richtig ist, wie man es macht, notdürftig verkleidet mit einem dünnen Mäntelchen der Nachdenklichkeit", schreibt Niggemeier.

Fotos und Namen von Tätern zu veröffentlichen, finden Mayer und der "Spiegel" zum Beispiel in Ordnung. Darauf zu verzichten drücke eine Bevormundung aus: "Wer so entscheidet, traut der Öffentlichkeit einen angemessenen Umgang mit diesen Informationen nicht zu", schreibt Mayer. 

Darum aber gehe es nicht, kontert Niggemeier. Sondern um die Wirkung dieser Informationen auf potenzielle Nachahmer. Darum, ob es "ethisch richtig ist, vor allem: ob es nötig ist, den Namen zu nennen, wen es Hinweise gibt, dass eine solche nennung negative Wirkung haben kann", schreibt der Blogger.

Der ganzen Ethikdebatte habe sich der "Spiegel", so Stefan Niggemeier, verweigert. Trotz Anfragen von nicht nur W&V, sondern unter anderem auch von "Zapp" (NDR), die entweder nicht beantwortet oder abgetan wurden. Wenige Tage darauf schreibt das Blatt: "Die Debatte um den Umgang mit Terror und Amok zeigt das Bemühen der Branche um Transparenz und um Nähe zum Leser und Zuschauer. Beides ist gut."

Statt diese Debatte aber zu führen, so Niggemeier, weicht das Magazin auf Themen wie Lügenpresse und Donald Trump aus, die durch Verkürzung und Verzerrung aus der Debatte führen.

Niggemeiers Resümee: "Okay, verstanden: Der 'Spiegel' will sich an dieser Debatte nicht beteiligen."

* Georg Mascolo ist Journalist, war 2008 bis 2013 Chefredakteur des "Spiegel". Seit  2014 leitet er den Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Peter Neumann  ist Experte für islamistischen Terror und Professor am Londoner King's College. 


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Autor: W&V Redaktion

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