Ein wütender junger Regisseur, ein 10-Stunden-Film und eine Filmbehörde unter Dauerlast: Charlie Lyne protestierte auf originelle Art gegen die britische BBFC.
Ein wütender junger Regisseur, ein 10-Stunden-Film und eine Filmbehörde unter Dauerlast: Charlie Lyne protestierte auf originelle Art gegen die britische BBFC. © Foto:Screenshot Twitter/Charlie Lyne

10-Stunden-Film trollt BBFC | | von Petra Schwegler

Trocknender Humor: So zeigt ein Brite der Zensur die Nase

Der britische Film "Paint Drying“ dauert mehr als zehn Stunden und kann mit gutem Gewissen schon Vierjährigen gezeigt werden. Er begleitet Farbe beim Trocknen. Das gesamte Werk besteht aus einer Einstellung, die eine frisch gestrichene Wand abfilmt. Das 4K-Video des Trocknungsvorgangs hat der junge Regisseur Charlie Lyne produziert – und damit die britische Filmbehörde BBFC (British Board of Film Classification) getrollt und der Zensur die Nase gezeigt.

Die Hintergründe begleitete "Mashable“: Wer in Großbritannien einen Film veröffentlichen möchte, braucht ein BBFC-Zertifikat, das der deutschen Altersfreigabe entspricht. Doch der Zensurvorgang ist teuer – zu teuer aus Lynes Sicht. Fürs Einreichen wird eine Grundgebühr von rund 133 Euro fällig. Und pro Minute Film werden zusätzlich weitere 9 Euro für die Arbeit von zwei Kontrolleuren berechnet. Diese müssen die eingereichten Werke vollständig ansehen und im Anschluss gemeinsam eine Alterseinstufung abgeben. Für einen Spielfilm werden damit schnell vierstellige Beträge erreicht.

Lyne wollte die Kosten und diesen Vorgang ad absurdum führen – und startete ein Crowdfunding-Projekt für den "Dokumentarfilm" namens "Paint Drying", der am Ende 607 Minuten trocknende Farbe zeigen sollte. Die Unterstützer spendeten über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter fast 6000 Pfund - und zwei BBFC-Kontrolleure hatten zwei Tage volles Programm, zumal die Prüfung des Zehn-Stunden-Epos geteilt werden musste. Hier der Tweet, mit dem Charlie Lyne das Versenden des Prüf-Objekts an die BBFC dokumentierte:

Mitte dieser Woche schließlich fiel das Jugendschutz-Urteil zu dieser Form von britischem "trocknenden" Humor: "Paint Drying" fällt laut BBFC unter die Kategorie "U" und ist fürs Publikum ab 4 Jahren freigegeben. Der in Weiß gehaltene Film soll allerdings Lyne zufolge gar nicht den Weg auf die Leinwand oder ins TV finden ...

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