Ein vertrauter Anblick rund um die quotenträchtige Uefa Euro 2012 im ZDF: Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn kommentieren die Fußball-EM von Usedom aus.
Ein vertrauter Anblick rund um die quotenträchtige Uefa Euro 2012 im ZDF: Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn kommentieren die Fußball-EM von Usedom aus. © Foto:ZDF/Sascha Baumann

| | von Petra Schwegler

TV-Marktanteile im Juni: EM verhilft ARD und ZDF zum Ausnahmemonat

Die erwartet starke Zuschauerbeteiligung bei den Spielen der gerade zu Ende gegangenen Fußball-EM Uefa Euro 2012 in Polen und der Ukraine sorgt dafür, dass ARD und ZDF im Juni ein Zwischenhoch erleben. Mit einem Marktanteil von 15,9 Prozent beim Gesamtpublikum setzt sich das Erste nach 14 EM-Übertragungen vor das Zweite, das sich bei elf Fußball-EM-Events mit 15,5 Prozent zufrieden geben muss. Die privaten Mitbewerber haben – ebenfalls erwartet – kräftig verloren. Nur ein Beispiel: Beim Gesamtpublikum landet das starke RTL bei denkwürdigen 10,6 Prozent Marktanteil.

Doch der starke Fußball-Monat kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Öffentlich-Rechtlichen seit Jahren nach Quoten im Sinkflug sind. Bei der letzten EM im Juni 2008 haben ARD und ZDF noch 18,0 beziehungsweise 17,6 Prozent der Zuschauer ab drei Jahren begeistern können. Von diesem Wert sind beide Sender nach der aktuellen Fußball-Europameisterschaft weit entfernt. Zum Finale am 1. Juli sind beim ZDF nochmals 20,31 Millionen Zuschauer zusammengekommen. Der grandiose 4:0-Sieg der Spanier gegen ihre italienischen Gegner kann aber wohl auf die kommenden Monatsquoten des Zweiten einzahlen.

Bei den werberelevanten Zuschauern kann RTL im Juni der starken Fußball-Konkurrenz trotzen, muss aber dennoch äußerst magere 13,6 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen melden - vor der ARD mit 11,9 Prozent und dem ZDF mit 11,3 Prozent. Gegenüber Mai hat der Marktführer damit noch einmal 1,7 Prozentpunkte verloren, während das Erste und das Zweite 5,3 und 5,2 Prozentpunkte bei den Jungen dazugewonnen haben. Mit Fußball gelingt es den beiden Öffentlich-Rechtlichen ausnahmsweise, die Jungen an sich zu binden.

Die Bilanz der anderen Privatsender fällt teils sehr bitter aus: ProSieben hält sich im Juni recht tapfer bei 9,9 Prozent, Schwester Sat.1 geht mit vielen Wiederholungen gegen König Fußball mit 8,5 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe unter. Recht stabil zeigt sich der Kölner RTL-Zögling Vox mit 6,8 Prozent Marktanteil, der ProSiebenSat.1-Sender Kabel eins kann mit 5,1 Prozent bei den Jungen nicht mithalten. RTL II hat es wohl unter anderem seinem neuerdings starken Vorabend mit der Facebook-affinen Reihe "Berlin - Tag & Nacht" zu verdanken, dass er den EM-Monat Juni mit 5,9 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen abgeschlossen hat.

Noch ein Blick auf das erste Halbjahr: Beim Gesamtpublikum liegt das ZDF nach den ersten sechs Monaten in der Publikumsgunst gleichauf mit RTL, dem Quotengewinner von 2010 und 2011: Das Zweite aus Mainz hat aber erst in den letzten Juni-Tagen - auch dank der Fußball-EM - zum Privatsender aus Köln aufgeschlossen. ZDF und RTL kommen beide im ersten Halbjahr auf durchschnittlich 12,7 Prozent Marktanteil. Die ARD liegt mit 12,5 Prozent auf Rang drei. Zur Info: Im vergangenen Jahrzehnt haben alle drei Sender noch im Schnitt eine 14 oder eine 13  vor dem Komma gezählt; diese Zeiten sind vorbei. RTL punktet dieses Jahr mit Formaten wie "Dschungelcamp" und "DSDS", die allerdings 2011 noch viel besser beim Publikum abgeschnitten hatten. Beim ZDF sind neben dem Fußball die TV-Filme am Hauptabend ein Quotenbringer gewesen. Freude auf niedrigem Niveau: Der Münchner Sender Tele 5 freut sich mit 1,3 Prozent Marktanteil sowohl in der Zielgruppe 14 bis 49 Jahre als auch in der neuen Referenz-Gruppe 20 bis 59 Jahre über das "beste Halbjahr" seit Bestehen.

RTL rechnet indes mit magereren Zeiten: Die großen deutschen Fernsehsender haben nach Ansicht von Senderchefin Anke Schäferkordt ihren Zenit erreicht oder gar überschritten. Im Zuge der Digitalisierung werde der Markt durch eine Flut neuer Angebote immer kleinteiliger, sagt sie der "Welt am Sonntag". "Wenn TV-Zuschauer je nach Empfangsart die Wahl haben zwischen weit über 100 Kanälen, ist es schlicht unrealistisch, dass mehrere Sender dauerhaft deutlich zweistellige Marktanteile haben", sagt sie. Auch für ihren Sender schraubt Schäferkordt die Erwartungen herunter.

Kompensation könnte bald (in Teilen) aus dem Internet kommen – hier werden zumindest schon einmal IPTV-Quoten demnächst von der AGF gemessen. Wie der W&V-Schwestertitel "Kontakter“ in seiner aktuellen Printausgabe berichtet, bringt beispielsweise die Fußball-EM der ARD Rekordzahlen bei den Abrufen von Live-Stream-Angeboten. Drei Mal ist dabei die Zahl der Online-Abrufe von 400.000 während der Spiele geknackt worden. So sind beim Spiel Deutschland gegen Dänemark beim ARD-Livestream im Internet 402.439 Unique Viewer registriert. Diese Größe gibt die Zahl der Geräte wieder, über die der Livestream empfangen wird. Auch verlagert sich die Nutzung - so hat die Halbfinalbegegnung zwischen Deutschland und Italien am Donnerstag beim Public Viewing einen neuen Rekord erbracht: Rund sieben Millionen verfolgten das im Ersten übertragene Spiel etwa in einer Kneipe oder auf einem öffentlichen Platz. Das hat das Meinungsforschungsinstitut  Infratest dimap im Auftrag der ARD in einer repräsentativen Befragung ermittelt.

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