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Ex-Postminister und Uplink-Network-Investor Christian Schwarz-Schilling.
Ex-Postminister und Uplink-Network-Investor Christian Schwarz-Schilling. © Foto:Uplink Network

Interview: Christian Schwarz-Schilling | | von Gregory Lipinski

UKW-Radiosender verdienen ab 2016 mehr

Die UKW-Landschaft steht vor Veränderungen. Ab 1. Januar nächsten Jahres wird der Betrieb von Sendenetzen liberalisiert. Damit fällt das einstige Telekommunikationsmonopol endgültig. Der auf dem Markt einsetzende Wettbewerb wird dazu führen, dass der Netzbetrieb für die Sender kostengünstiger wird, erwartet der frühere Postminister und Uplink-Network-Investor Christian Schwarz-Schilling.

Herr Schwarz-Schilling, Sie waren von 1982 bis 1992 Minister für Post-Fernmeldewesen. Jetzt sind Sie bei dem Düsseldorfer Sendenetzbetreiber Uplink Network beteiligt. Haben Sie sich hier aus Liebe zum Radio unternehmerisch und finanziell engagiert?

Das kann man sich heute kaum vorstellen: ich bin ohne Fernsehen aufgewachsen. In meiner Jugend gab es ja praktisch nur das Radio. Seit jeher bin ich begeisterter Radiohörer – zuhause und auch auf Reisen. Zum Radio habe ich eine sehr emotionale Beziehung, daher interessiere ich mich aber auch für die Entwicklung in diesem Markt. Ich denke unser Unternehmen Uplink hat das Potenzial, einen bislang abgeschotteten Markt aufzubrechen – dieses Ziel unterstütze ich persönlich mit voller Kraft.

Sie haben in ihrer Amtszeit als Minister die staatlichen Post- und Telefonmonopole in Marktstrukturen überführt. Jetzt erst fällt zum 1. Januar 2016 mit dem Sendenetzbetrieb das letzte Monopol. Haben Sie diesen Bereich vergessen?

Wir haben hier tatsächlich einen kleinen monopolistischen Rest eines sonst vollständig liberalisierten Marktes. In den 90-er Jahren haben wir den bis dahin ausschließlich durch staatliche Strukturen dominierten Telekommunikationssektor in Deutschland vollständig verändert. Die wichtigsten Ergebnisse sind: der freie Mobilfunkmarkt, Wettbewerb bei den Internetanbietern, das Privatfernsehen, aber natürlich auch das private Radioangebot. Dass dessen technischer Betrieb bis heute ein Monopol ist, liegt zum einen an Vermischung von Bundes- und Landesrecht, zum anderen aber auch, dass es sich um einen sehr speziellen Nischenmarkt handelt.

Warum hat die Liberalisierung in diesem für die Radiosender wichtigen Infrastrukturbereich so lange gedauert?

Im UKW-Sendernetzbetrieb greifen verschiedene Leistungen ineinander, wie der Standortbetrieb von Türmen und Masten, der Zuleitungsbetrieb und die Koordination der Radiofrequenzen. So lange alles in einer Hand war, war eine Auftrennung schwierig. Spätestens aber mit dem Verkauf des Sendegeschäfts durch die Telekom an Dritte im Jahr 2008 wäre eine Öffnung sinnvoll gewesen. Es hat dann noch 4 Jahre gedauert, bis 2012 das Telekommunikationsgesetz geändert wurde, wodurch indirekt das Liberalisierungsdatum 1.Januar 2016 definiert wurde. Danach war dann endlich die Zeit reif für die ersten echten Wettbewerber.

Welche Auswirkungen hat der künftige Wettbewerb im Netzbetrieb für die Radiolandschaft?

Im konkreten Fall schafft Wettbewerb Transparenz und eine Basis für kommende Innovationen. Die UKW-Landschaft in Deutschland besitzt ja eine hohe Qualität. Was in der Vergangenheit aber gefehlt hat, ist die Konzentration auf die Anforderungen der Radiosender als Kunden und ein nachhaltiges Kostenbewusstsein. Mit dem nun einsetzten Wettbewerb müssen sich alle Marktteilnehmer stärker hinterfragen – das schafft Effizienz und bereitet auf neue Herausforderungen vor. Das haben die Radioverbände natürlich bereits jahrelang gefordert – ihnen fehlte aber ein Anbieter als konkretes Vergleichsobjekt.

Wird sich die Ertragssituation der Radiosender durch mehr Wettbewerb entscheidend verbessern?

Eindeutig! Durch die Regulierung der Bundesnetzagentur wird der Marktpreis für UKW-Senderbetrieb ab dem 1. Januar flächendeckend sinken, interessanter Weise auch ohne einen Anbieterwechsel. Wettbewerber wie unser Unternehmen Uplink bringen dann natürlich noch einmal weitere Preisvorteile. Wichtiger ist aber die einsetzende Transparenz, die zu weiteren Kostensenkungen auch bei Vordienstleistern führen kann. Hier ist durchaus noch viel Potentzial vorhanden.
Im Übrigen wird der UKW-Betrieb in Deutschland, aber auch im Ausland, noch viel länger aufrechterhalten werden, als sich das so mancher Technik-Freak heute vorstellt. Der analoge Hörfunk hat sich bei den Verbrauchern einen festen Platz erobert – man denke nur an das Autoradio oder die festen, bzw. tragbaren Hörfunkanlagen im privaten Haushalt. Dieses, auch gerade in neuerer Zeit, sehr viel benutzte Netzwerk kann man nicht auf Knopfdruck abschalten. Hier müssen die technischen Entwicklungen und die Wege der sehr unruhigen Märkte genau beobachtet werden, sonst macht man Fehler.

Uplink Network will im nächsten Jahr in DAB plus investieren. Was haben Sie hier vor?

Nun, es ist doch nur schlüssig, dass ein Betreiber von analogen Radiodienstleistungen sich auch im digitalen Bereich engagiert. Wir haben ein technisches System entworfen, dass das Argument fehlender Wirtschaftlichkeit von DAB+ aus dem Weg räumen soll. Das wird 2016 mit den ersten Piloten präsentiert. Aber auch darüber hinaus beobachten wir die Entwicklungen im Rundfunkmarkt sehr genau – UKW wird für Uplink mittelfristig und langfristig nur eines unter mehreren Standbeinen sein.

Suchen Sie für das weitere Wachstum der Gesellschaft Finanzpartner?

Unser Unternehmen hat bereits einen großen Gesellschafterkreis, der sich eher aus Gesichtspunkten des Netzwerks als aus finanzieller Fokussierung zusammensetzt. Unsere ambitionierten Ziele beim Marktwachstum und dem gleichzeitigen Ausbau der Infrastruktur in den kommenden Jahren lassen aber Platz für neue, langfristig denkende Investoren.

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Markwort steigt bei Uplink ein und wird UKW-Dienstleister

von Petra Schwegler

Ex-"Focus"-Chef und Medienunternehmer Helmut Markwort steigt beim Düsseldorfer Technikdienstleiter Uplink Network ein. Die GmbH betreibt im Rahmen der Liberalisierung des Marktes für UKW-Sendernetzbetrieb die technische Aussendung von Radioprogrammen.

Markwort, aktiver Gesellschafter einer Reihe von Beteiligungen im Radiomarkt, engagiert sich als Gesellschafter des Unternehmens. Der Münchner Unternehmer wird gleichzeitig auch Mitglied des Unternehmensbeirats, der von Ex-Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling geleitet wird.

Das 2013 gegründete Unternehmen Uplink ist durch eine Regulierungsverfügung der Bundesnetzagentur seit dem Janhreswechsel in der Lage, den Sendern alternative Angebote zur UKW-Dienstleistung zu machen. Uplink will das Quasi-Monopol der Ex-Telekom-Tochter Media Broadcast erstmals aufbrechen und meldet inzwischen rund zehn Prozent Marktanteil bei den privaten Radioveranstaltern. Damit sei Uplink der größte alternative Anbieter, heißt es.

Markwort startet sein Engagement mit hohen Erwartungen und wird in der Uplink-Mitteilung so zitiert:

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"Über meine Beteiligungen im Radiomarkt kenne ich die Probleme und Defizite des bisherigen Monopols sehr genau. Uplink ist erfolgreicher Pionier bei der Einführung des Wettbewerbs im Markt für Sendedienstleistungen, und ich möchte nun gerne helfen, diesen Weg konsequent weiterzugehen."

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von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben

Freenet kauft Ex-Telekom-Geschäft rund um DAB und DVB-T

von Petra Schwegler

Freenet wagt den Einstieg ins Fernsehgeschäft. Der Mobilfunkanbieter will über die Tochter Mobilcom-Debitel den TV-Dienstleister Media Broadcast übernehmen und künftig bei der Fernseh- und Radioverbreitung über die digitale Antenne mitmischen. Mit dem neuen Geschäftsfeld will sich Freenet breiter aufstellen und neue Erlösquellen erschließen. Wenn die Kartellbehörden zustimmen, soll die Übernahme im April über die Bühne gehen.

Die Freenet-Führung um Vorstandschef Christoph Vilanek will sich den Kauf der ehemaligen Telekom-Firma Media Broadcast aus Köln rund 295 Millionen Euro kosten lassen. Der Vertrag umfasst den Angaben zufolge alle Geschäftsbereiche außer der Satellitensparte. Verkäufer sind vier Finanzinvestoren unter der Führung von Texas Pacific Group (TPG), die auch damit hadern dürften, dass Ende 2015 aufgrund einer Regulierungsverfügung der Bundesnetzagentur das Monopol der Media Broadcast bei UKW-Dienstleistungen endete. Diverse Mitbewerber haben sich hier neu aufgestellt.

Bei Media Broadcast hat die Freenet-Spitze vor allem den neuen Übertragungsstandard DVB-T2-HD im Blick, bei dem Kunden per Antenne Fernsehbilder in hoch auflösender Qualität (Full-HD) empfangen können. Für den Empfang der Privatsender in diesem Standard müssen Zuschauer dann zahlen. Mit der Einführung des entgeltpflichtigen Fernsehens in exzellenter Bildqualität werde Freenet das neue Privatkundengeschäft im TV-Bereich aufbauen, heißt es vom Unternehmen.

Media Broadcast überträgt Fernseh- und Radioinhalte über DVB-T, DVB-T2 und DAB+ sowie übers Internet zu den Konsumenten. Nach eigenen Angaben betreut das Unternehmen rund 750 Geschäftskunden, darunter private und öffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalter, Kabelnetzbetreiber sowie private Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Hinzu kommt: Freenet hat sich mit 25 Prozent am Münchner Unternehmen Exaring beteiligt, das eine Plattform für Unterhaltungsangebote und ein eigenes Glasfasernetz betreibt. Dieses erreiche technisch 23 Millionen Privathaushalte in Deutschland und ermögliche Übertragungen von Virtual Reality und 3-D-Bildern, heißt es. Vilanek bezeichnet die mit der Beteiligung verbundenen Vertriebsrechte für Freenet als einen "Quantensprung".

Künftig will Freenet seinen Kunden mit diesem zweiten Angebot normales Fernsehen in höchster Bildqualität, Video-Abrufdienste, Filmaufnahmen, Streaming, PC-Dienste und Online-Spiele anbieten. Alle Dienste sollen dabei über das Internet stattfinden und auf zentrale Datenspeicher (Cloud) setzen. Festplattenrekorder seien für die Kunden dann Geschichte. "Ein Internetanschluss mit 16 Megabit pro Sekunde reicht, dann brauchen Sie keine Festplatten und Settop-Boxen mehr", sagt Vilanek. Ab dem vierten Quartal wolle Freenet dafür "massiv um Kunden werben".

ps/dpa

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben