Crowdsourcing | | von Petra Schwegler

Vertrag mit Scoopshot: WAZ nutzt jetzt Smartphone-Schnappschüsse

Mehr Wert auf Lokales legt die Funke Gruppe rund um die Tageszeitung "WAZ". Wie Konzernlenker Manfred Braun gerade zu Protokoll gegeben hat, dürfte qualitativ hochwertiger Journalismus dagegen in den Hintergrund rücken, wenn Regionalzeitungen dafür "ihre Stärke des Vor-Ort-Seins" voll ausspielen könnten. Nun baut die WAZ-Mediengruppe auch den Fotobereich entsprechend um: Möglich macht es ein Vertrag mit Scoopshot, einem Crowdsourcing-Service für Fotos und Videos. "Das Abkommen bietet Deutschlands größter regionaler Tageszeitung, der WAZ, die Möglichkeit, auf Abruf auf exklusives redaktionelles Foto- und Videomaterial von Fotografen in Deutschland und weltweit zurückgreifen zu können", teilen die neuen Partner am Mittwoch mit. Wie viel die "WAZ" für den neuen Service bezahlt – unklar.

 

Das Konzept: Die "WAZ" bezieht künftig Fotos und Videos, die sowohl von Laien als auch von Profis mit ihren Smartphones aufgenommen und in das Scoopshot-Netzwerk eingespeist werden. Seit zwei Jahren biete Scoopshot Journalisten über seine Apps für iOS, Android und Symbian-Smartphones Zugang zu einem Live-Stream "mit authentifizierten Augenzeugen-Fotos und Videos, die von den über 250.000 Fotografen seines globalen Netzwerks - davon über 50.000 aus Deutschland - aufgenommen wurden", heißt es. Dadurch hätten Journalisten Zugang zu Fotos vom Schauplatz einer Eilmeldung und müssten sich nicht auf Fotos verlassen, deren Rechte oder Authentizität sie nicht kennen würden. Gleichzeitig könnten Laienfotografen ihr Recht auf geistiges Eigentum schützen und Geld verdienen, wenn sie ihre Fotos an Medien und andere Unternehmen verkaufen würden, erklärt das weltweit tätige Unternehmen. Einen Vorteil für Medienunternehmen hebt Eric Siereveld, Scoopshots europäischer Vizepräsident, hervor: "Mit Scoopshot können moderne Mediengesellschaften wie WAZ in Minutenschnelle auf authentifizierte Augenzeugen-Fotos zurückgreifen und beteiligen ihre Leser auf ganz neue Weise, auch wenn diese keine Nachrichten konsumieren."

Sollte ein Foto nicht zur Verfügung stehen oder ist ein bestimmtes Motiv gefragt, können Journalisten eine ortsgebundene Anfrage an Fotografen stellen und die Bilder innerhalb von wenigen Minuten erhalten. Die "WAZ" hat auch schon Testballons steigen lassen: Die Zeitung bezog Fotos von Kaffeetassen. In wenig mehr als zwei Stunden erhielt die "WAZ" nach eigenen Angaben über 2000 Fotos von Scoopshot-Nutzern. Insgesamt wurden auf diese Anfrage über 26.000 Fotos angeliefert. Auch die Erfassung der Straßenschäden, die das unfreundliche Winterwetter in den letzten Monaten hinterlassen hat, liegt im Scoopshot-Bestellordner. Nutzer werden von der "WAZ" dazu aufgefordert, Bilder von den Schlaglöchern in ihrer Gegend zu machen und damit den Nachrichtenredakteuren Informationen über den Ernst der Lage zu verschaffen. Die Motive würden zusammen mit einem Artikel in Druckversion und online veröffentlicht, heißt es. "Wir wollten näher an der Realität unserer Leser sein und wir freuen uns, dass uns die Fotos unserer Leser einen Einblick in ihr Leben ermöglichen", erklärt Oliver Multhaup, geschäftsführender Direktor der WAZ NewMedia.

Übrigens: Die Kontaktdaten der Fotografen stehen den Journalisten zur Verfügung - wenn nötig könnten sie so auch einen Augenzeugenbericht erhalten, versichert Scoopshot. Ein eigenes Korrespondentennetz wird damit immer weniger gebraucht ...

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