Essay zu Pay-TV:
Was läuft im Fernsehen? Das kann doch nicht so schwer sein!
Mehr als 60 Prozent der Pay-TV-Abonnenten verbringen viel Zeit mit der Suche nach Sendungen. Search-Spezialist Charles Dawes vom Dienstleister Rovi erklärt in seinem Essay für W&V Online, was Apples Siri für Sky und Konsorten tun kann.
Immer mehr bewegte Inhalte buhlen um den Zuschauer beziehungsweise Nutzer. Im Inhalte-Dschungel wird Navigation immer wichtiger – gerade für Pay-TV-Anbieter wie Sky. Hierbei können sie viel vom Internet, von mobilen und sozialen Medien lernen - meint der Search-Spezialist Charles Dawes. Der W&V-Gastautor ist Global Strategic Account Director bei Rovi, seit 20 Jahren Anbieter von White-Lable-Lösungen für Geräte von Samsung, Toshiba, Panasonic, aber auch Dienstleister hinter Sky, MediaMarkt oder Apple iTunes. Darüber hinaus zählen Hollywood-Majors wie 20thCentury Fox, Warner Brothers oder die Disney Studios zum Kundenstamm für Content-Services von Rovi.
Wer hat nicht schon mal entnervt ausgeschaltet und gesagt: "Es gibt einfach nichts im Fernsehen!"
Aber was heißt das denn eigentlich? Früher, als wir nur eine Handvoll Programme hatten, bedeutete dieser Satz tatsächlich, dass gerade einfach nichts Gutes lief.
Heute aber stehen uns hunderte von Kanälen zur Verfügung. Über OTT-Services wie Netflix und Amazon kommen weitere Content-Optionen hinzu. Damit bedeutet dieser einfache Satz heute im Grunde, dass es für die Zuschauer immer schwieriger wird, das Gewünschte zu finden.
Rovi hat in einer multiregionalen Studie zur Benutzerfreundlichkeit von Content Discovery in der Unterhaltungsbranche herausgefunden, dass mehr als 60 Prozent der Abonnenten von Bezahlfernsehen viel Zeit mit der Suche nach Sendungen verbringen. Zuschauer in den USA und Europa suchen täglich mehr als zehn Minuten lang nach einer Sendung, die sie ansehen möchten.
Die mit Suchen und Durchschalten verbrachte Zeit geht von der Gesamtfernsehzeit ab und beeinträchtigt auch die Zufriedenheit mit dem Service. Wird die Suche nach dem gewünschten Programm zu schwierig, kann das durchaus zur Kundenabwanderung führen. In der Untersuchung gaben 84 Prozent der Pay-TV-Abonnenten an, dass sie schon einmal den Fernseher ausgeschaltet hatten, ohne eine geeignete Sendung gefunden zu haben. Und überraschenderweise schaltet mehr als die Hälfte der Zuschauer jedes fünfte Mal den Fernseher wieder aus, ohne etwas gefunden zu haben, das sie interessiert.
Diese Zahlen zeigen: Den Zuschauern müssen relevante TV-Inhalte besser präsentiert und angeboten werden. Nur drei von zehn Pay-TV-Kunden nutzen regelmäßig die aktuell verfügbaren Suchfunktionen. Mehr als 70 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie bereit wären, ihr Pay-TV-Abonnement zu verlängern, wenn ihnen bessere Suchmöglichkeiten oder Empfehlungen zur Verfügung stünden. Das ist auch nicht weiter verwunderlich – schließlich ist die Suche bereits ein zentrales Element in anderen Medien: im Internet, auf Mobilgeräten und in sozialen Netzwerken.
Die Pay-TV-Dienste müssen die Zuschauer gezielt zu den Programmen und Filmen leiten, die für sie zum aktuellen Zeitpunkt und auf dem jeweiligen Gerät relevant sind. Die Vorschläge sollten sich danach richten, wann und wo man gerade fernsieht. Sehen Sie sich die Nachrichten lieber abends an statt am Morgen? Dann sollte sich das Programmverzeichnis darauf einstellen. Laufen im Kinderzimmer in der Regel andere Sendungen als im Wohnzimmer? Dann sollte der Fernseher im Kinderzimmer auch entsprechende Vorschläge anzeigen.
In vielen anderen Lebensbereichen sind die modernen vernetzten Zuschauer mit zahlreichen Such- und Navigationsfunktionen bereits bestens vertraut. Siri auf den Apple-Geräten war zum Beispiel ein Vorreiter für die sprachgesteuerte Suche. Die Benutzer konnten einfach Fragen stellen und erhielten eine mündliche Antwort. Inzwischen haben Sprachbefehle längst unseren Alltag erobert.
Such- und Sprachsteuerungsfunktionen in natürlicher Sprache sind für das Medium Fernsehen ideal geeignet. Denken wir nur einmal an die U.S. Open, die gerade läuft. Die Zuschauer sollten in der Lage sein, einfach zu sagen, was sie sehen möchten. "Das nächste Federer-Match", zum Beispiel. Und auch wenn die Wörter U.S. Open oder Tennis dabei gar nicht genannt werden, sollte das System intuitiv wissen, dass die U.S. Open das wichtigste aktuelle Sportereignis und damit auch das optimale Suchergebnis sind.
In einer Video-Suchanwendung mit natürlicher Sprachsteuerung können die Benutzer Fragen stellen und auch weiter nachfragen. Sie sprechen dabei so wie mit einem Menschen und werden von der Technik verstanden. So entsteht ein natürlicher, fließender Dialog und das Sprachsteuerungssystem reagiert intelligent wie eine Person in einer Unterhaltung. Rovi hat ermittelt, dass 61 Prozent der Pay-TV-Kunden die sprachgesteuerte Suche verwenden würden, wenn der Serviceprovider diese anbieten würde. Nach einer Videodemonstration der Suche mittels natürlicher Sprache gaben 35 Prozent der Abonnenten an, dass sie bereit wären, eine zusätzliche Gebühr für diese Funktion zu bezahlen.
Bei dem heutigen Überangebot an Inhalten für mehrere vernetzte Geräte wie Smart TV, Smartphones und Tablets gestaltet sich die Suche nach dem geeigneten Inhalt immer schwieriger. Wenn die Zuschauer in natürlicher Sprache suchen können, wird die Suche nicht nur einfacher, sondern auch schneller, so dass mehr Zeit für die eigentlichen Inhalte bleibt.
Die logische Konsequenz: Anbieter von Bezahlfernsehen müssen ihren Kunden die gleichen benutzerfreundlichen Funktionen bieten, die diese bereits aus dem Internet, von ihrem Mobiltelefon oder aus sozialen Medien gewohnt sind. Nur so lassen sich Umsätze steigern und zufriedene Kunden gewinnen und halten – durch bessere Suchfunktionen, Empfehlungen und sprachgesteuerte Programmauswahl.