Zu trauern, zu reden, zuzuhören, zu verzeihen, zu kuscheln, nachzudenken, zu weinen, zu lachen, zu zweifeln, zu glauben, zu fluchen, zu beten, zu trösten, zu lieben, zu hoffen – zu all dem, was wir alle viel zu selten bewusst und intensiv machen. Obwohl uns allen genau diese Tiefe gut täte in unserem potemkinschen Supi-Dupi-Glitzi-Bussi-Multimedia-Dorf. Außerdem habe ich versucht, in dieser Zeit das Erlebte mit einem kleinen Buch zu verarbeiten und versöhnlich aufzubereiten.

Das Buch soll vor allem deinen beiden Kindern helfen, den Tod besser zu verstehen. Müssen in der modernen Gesellschaft nicht auch die Erwachsenen lernen, wieder mit dem Sterben umzugehen?

Gerade die! Wir sind es doch, die davon ausgehen, dass alles immer so weitergeht und dann total blöd aus der Designerwäsche gucken, wenn irgendwann irgendwo Kollege Sensenmann vor der Tür steht. Kinder sind da – wie so oft – viel offener für das Thema. Allerdings brauchen sie altersgerechte Hilfestellung, wie sie es einordnen können. Das Buch soll einen ganz unaufgeregten Ansatz bieten, wie man mit Verlust umgehen kann. Im Idealfall haben nach den Illustrationen vor allem die Eltern eine Träne verdrückt und die Kleinen nicht mehr ganz so viel Angst vor dem "weg sein" eines Menschen.

Du kommst in wenigen Tagen zurück in diese "Wie-geht’s?"-Gesellschaft. Was nimmst du dir vor?

Auf diese Frage immer öfter mit "Beschissen!" zu antworten, wenn mir gerade danach sein sollte. Ich habe in den vergangenen Wochen festgestellt, dass einen das oft viel näher an seinen Gesprächspartner bringt als das obligatorische, meist geheuchelte "Gut!". In so einer Situation zeigt sich, wer wirklich an dir interessiert ist. Und du stellst fest, wie viele Menschen gern mal ihre schlecht sitzende Happy-Maske abnehmen würden.

Solche Schicksalsschläge schärfen den Blick für Dinge, die man im hektischen Alltag verdrängt oder nicht wissen will – gerade in der schnelllebigen Medienbranche, in der du dich bewegst. Was siehst du jetzt anders?

Anders eigentlich nicht viel. Aber ich werde sicher mit noch mehr Freude und noch kompromissloser dafür werben, nicht den Blick für das einzig Wichtige im Leben zu verlieren: seine Mitmenschen. Es ist nicht hinzunehmen, mit welcher Maßlosigkeit, Dummheit und Arroganz manche Entscheider über das Wohl anderer verfügen. Und wofür? Um immer noch mehr Materielles anzuhäufen in einem Leben, das jederzeit vorbei sein kann und aus dem du ohnehin nichts mitnehmen kannst. Grotesk!

Es gibt durchaus Medienmacher, die nach solchen Tragödien ernüchtert aus ihrem Beruf aussteigen und wirklich "entschleunigen". Ist das für dich auch denkbar?

Ich glaube nicht, dass man aussteigen muss, um zu entschleunigen. Viel sinnvoller wäre es doch, die nötige Besonnenheit, Ruhe und Distanz zu sich selber in seinen Beruf zu tragen. Und sich dort nicht immer gleich über alles aufzuregen, was einem eigentlich auch scheißegal sein könnte. Einfach mal das Messer in der Hose und den anderen rumspinnen lassen. Denn letztlich gilt doch gerade heute: Es ist besser, Frieden zu haben als recht zu haben.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.