Im Jahr der Krise hatten sich die Kreativrichter unter Leitung von Matthew Bull vorgenommen, besonders streng zu sein; immer haben die Juroren aus allen Teilen der Welt nach dem Innovativen, dem Wow-Effekt gesucht. Eine solche Arbeit hat zum Beispiel DDB mit „Absurd geringer Kraftstoffverbrauch" für Volkswagen zwar geliefert; die Juroren aus dem Ausland haben ihn aber nicht verstanden. Der Beitrag hatte es nicht einmal in die Shortlist geschafft.

Offenbar hat sich Hennings zwar immer wieder erklärend für die deutschen Arbeiten eingesetzt; dafür abstimmen darf er als deutscher Juror ohnehin nicht. Die Jury aber wollte ehrgeizig sein. „So ist vieles Gute unten durchgefallen.“ Und nur das Allerbeste hat sich durchge-setzt, kein Land dominiert.

Der Grand Prix geht in diesem Jahr nach Südafrika. Für die Fluggesellschaft Virgin Atlantic hat BBDO aus Johannesburg einen Radio-Kampagne entwickelt, die in fast schon absurder Manier Geschichten über Geisteskranke erzählt. Die Kranken, die sich für völlig normal halten, erzählen darin die unglaublichsten Begebenheiten, von lesenden Hunden zum Beispiel. Ganz nebenbei treffen die Protagonisten auf Leute, die mit Virgin in der ersten Klasse so günstig wie in der Business Class geflogen sind. „Die spinnen“, heißt es dann. „Das ist neu, sehr merkwürdig, sehr populär, sehr mutig“, sagt Jury-Präsident Bull.

Gold geht an Devito/Verdi (National Thoroughbred) in New York, Silber an DDB nach Chicago (Bud) und Grey, Istanbul (Google). Zur Bewertung lagen den Juroren 1153 Arbeiten aus 56 Ländern vor, 8,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Darunter waren Unmengen an Kondomspots, Spots für die Automobilindustrie und Wohlfahrtsorganisationen. Ihnen begegnete die Jury mit Strenge: Die Spots sollten informieren, unterhalten, die Leute zu etwas bewegen und gut produziert sein. Das Ergebnis liegt nun vor. Die Radio-Lions wurden zusammen mit den Outdoor- und Media-Löwen am Dienstagabend im Palais des Festivals an der Croisette vergeben.


Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

Er kam über Umwege zur W&V. Als Allrounder sollte er nach seinem Volontoriat bei Media & Marketing einst beim Kontakter als Reporter einfach nur aushelfen, blieb dann aber und machte seinen Weg im Verlag. Conrad interessiert sich für alles, was Werber- und Marketer:innen unter den Nägeln brennt. Seine Schwerpunktthemen sind UX, Kreation, Agenturstrategie. Privat engagiert er sich für LGBTQI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.