Cannes 2009: Kofi Annan, Spike Lee und Biz Stone werten Cannes auf
Partys, Strand und am Abend die Galas, in denen die begehrten Löwen verliehen werden – wer wirklich glaubt, Cannes besteht nur aus Festen und Feiern, der war noch nie hier. Rund um das Bangen, Hoffen und Zittern, wer einen der wertvollen Preise ergattern kann, bietet die einwöchige Veranstaltung ein hochkarätiges Programm aus Seminaren und Vorträgen an. W&V stellt die wichtigsten in diesem Jahr vor.
Partys, Strand und am Abend die Galas, in denen die begehrten Löwen verliehen werden – wer wirklich glaubt, Cannes besteht nur aus Festen und Feiern, der war noch nie hier. Rund um das Bangen, Hoffen und Zittern, wer einen der wertvollen Preise ergattern kann, bietet die einwöchige Veranstaltung ein hochkarätiges Programm aus Seminaren und Vorträgen an. W&V stellt die wichtigsten in diesem Jahr vor.
Bereits Sonntagvormittag hat das Seminarprogramm begonnen und fand Montagnachmittag seinen ersten Höhepunkt. Hill & Knowlton hatte den Twitter-Gründer Biz Stone auf die Bühne des Debussy Theatre gebeten. Und so erzählte der charismatische und bescheidene Aufsteiger, wie er zum twittern gekommen war und wie erstaunt er selber ist, dass das Tool mittlerweile seinen Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat. Passenderweise durften Zuschauerfragen nur per Twitter gestellt werden und wurden von ihm live beantwortet. „Warum sollten wir Twitter verkaufen, wir haben Twitter ja selber noch gar nicht verstanden und wollen damit noch ein bisschen weiterspielen“, seine Antwort auf die Frage nach den Gerüchten um Verkaufspläne.
Ein bisschen weniger witzig dann am Mittwochabend Steve Ballmer. Zwar hatte der Microsoft-Pate, der laut der ortsansässigen Tagespresse wie ein Popstar gefeiert wurde, mehr Zuhörer, weil Mitte der Woche immer mehr Delegierte nach Cannes reisen. Aber er enttäuschte die Erwartungen, weil er nichts anderes tat als mit zu lauter Stimme immer und immer zu wiederholen, wie erfolgreich, gut und unverzichtbar Microsoft sei. Überraschendstes Moment war, als Ballmer am Ende der Veranstaltung seine E-Mail-Adresse herausposaunte und die Zuhörer aufforderte, Fragen und Anregungen direkt an ihn zu senden. „Ich werde alles beantworten, was nicht wie Spam aussieht“, so Ballmers vielleicht etwas unüberlegtes Versprechen.
David Plouffe, der Wahlkampfmanager von Barack Obama, war sich Donnerstag dann der Zuneigung des überwiegend jungen Publikums gewiss. Entspannt, wie nur Sieger es sein können, sprach er vor vollbesetztem Saal über die Mechanismen, die die Massen mobilisieren, schwankende Wähler überzeugen und seiner Meinung nach zu Obamas Sieg geführt hatten. Im Anschluss daran das „News Director’s Showcase“ von Saatchi & Saatchi. Leider mit einem Fehlstart. Denn die am Anfang zu Promotionzwecken gezeigten Ausschnitte aus einem blutigen und gewalttätigen Zombie-Film erregten soviel Abscheu und Ekel, dass es Pfiffe gab. Eine Wohltat, als endlich die Reihe der teilweise aufsehenerregend guten Arbeiten der Nachwuchsregisseure anfing.
Außerdem noch auf dem Timetable für die verbleibenden zwei Tage sind hochkarätig besetzt Seminare wie das von Y&R, bei dem der Global CEO Hamish McLennan den Frontman von The Who, Robert Daltrey auf die Bühne holt. Am Freitag spricht Regisseur Spike Lee über user-generated content. Und Maurice Lévy, CEO der Publicis Group diskutiert mit Google-CEO Eric Schmidt über die Zukunft der Kommunikationsbranche. Höhepunkt das Seminar auf dem Kofi Annan und Bob Geldorf, ehemaliger UN-Präsident und Friedensbotschafter über „Climate Change“ und „Climate Justice“ sprechen und ihre neue Kampagne der Öffentlichkeit vorstellen. Schon aufgrund der charismatischen Referenten ein löwenverdächtiges Seminar. (Lena Herrmann)