Cannes-Gewinner: Wenig Ruhm bei den Direct Lions
In den nicht-klassischen Disziplinen wollten die Deutschen punkten. Die Direct gelten wie die Promo Lions als originär deutsche Kategorien, seit sie das International Advertising Festival in London 2002 und 2006 ins Leben gerufen hat. Mit den 14 Direct-Löwen aus dem letzten Jahr konnten die Kreativen aber noch zufrieden sein. Jetzt der Schock: Nur vier Löwen gehen über den Rhein.
Für den Misserfolg seiner eigenen Agentur im Fall Absolut Vodka hat Dieckert eine Erklärung. "Wir haben das Resultat der Kampagne nicht deutlich genug gemacht." Aber der Case finde sich sowohl auf der Promo- als auch auf der Media-Shortlist. "Wir haben also noch Hoffnung." Die Juroren können auf die Bewertung von Einreichungen aus dem eigenen Land keinen Einfluss nehmen. Bei einer Abstimmung müssen sie den Raum verlassen, sie können die Arbeit ihren Jurykollegen aber erklären, sollten Verständnisprobleme auftreten. So hat sich Liebig wohl auch dezidiert für das 3D-Cover von Ikea eingesetzt; am Ende hat es immerhin für Silber gereicht.
Ein gutes Beispiel für das Große, von dem Dieckert und Liebig gesprochen haben, ist der Grand Prix, der in diesem Jahr nach Indien geht an JWT in Mumbai. Die größte englischsprachige Zeitung der Welt, The Times of India, hat aus Anlass des 60. Geburtstages des Landes acht Titelseiten dem Wandel im eigenen Land gewidmet. Tenor: "Wollen wir ein Schwellenland bleiben und weiter alles schlecht reden? Oder wollen wir uns zum modernen Industrieland entwickeln, das seinen Platz in der Welt einnimmt?" Mit über 100 Printanzeigen warb die Zeitung für die Kampagne "Lead India", im Fernsehen liefen über 18 Stunden Reality TV, zahlreiche Websites machten auf die Aktion aufmerksam. Jedem Werbemedium hatte die Agentur Response-Elemente verpasst. "Die Reaktionen darauf waren phänomenal", sagt Jury-Präsident Marcio Salem aus Brasilien. Es gab Demos, Versammlungen, öffentliche Debatten. 34.000 Menschen haben sich dafür beworben, einer Jury anzugehören, die das Land wie eine Art Ersatz- oder Parallelregierung inspirieren soll. Die Gruppe arbeitet bereits an der Zukunft des Landes. Salem: "Aus der Anzeige ist eine Bewegung entstanden, die das ganze Land erfasst hat. Das ist völlig neu, ein Paradigmenwechsel."
Dass anders als die Inder die Deutschen in diesem Jahr in der Kategorie so schlecht abgeschnitten haben, ärgert Jana Liebig und Kurt Georg Dieckert nicht. "Das ist wie mit der EM", sagt Dieckert. Vor vier Jahren habe Griechenland den Titel geholt, jetzt seien sie schon in der Vorrunde ausgeschieden. "Das ändert sich von Jahr zu Jahr." Lernen müssten die Deutschen aus der Pleite gleichwohl, betont Jana Liebig: "Deutschland, go for it!"
Große Ideen kamen in diesem Jahr neben Indien vor allem aus Australien, Neuseeland und Costa Rica. Insgesamt hat die Jury sieben Gold, 13 Silber und 17 Bronze Lions vergeben, insgesamt also 37 Löwen. 2007 waren es noch 62. "Wir wollten vor allem große Ideen küren", sagt Jury-Chef Salem. Die Jury tagte von Mittwoch bis Sonntag und hat ingesamt 1697 Arbeitsbeispiele aus 62 Ländern gesichtet.