Cannes-Juror Armin Jochum: "Great Stories start in Cannes"
Armin Jochum, Kreativ-Vorstand von Jung von Matt, ist in diesem Jahr Titanium-Juror. Mit Cannes verbindet den Top-Kreativen eine besonders tiefe Liebe. Für W&V Online blickt er zurück und erzählt, wie das Festival Karrieren beflügeln kann.
Armin Jochum verbindet mit Cannes eine besonders tiefe Liebe. In diesem Jahr sitzt der Kreativvorstand von Jung von Matt zum zweiten Mal in der Löwen-Jury - und zwar in der prestigeträchtigen Titanium-Kategorie. Für W&V Online erzählt der Top-Kreative, was Cannes für ihn bedeutet und wie das Festival seine Karriere beflügelt und verändert hat.
Für viele ist das Werbefestival in Cannes die größte Leistungsschau der Branche oder das bedeutendste Kreativfestival der Welt. Immer wieder ein willkommener Anlass, in der Martinez-Bar herumzustehen und teure Sachen zu trinken. Für mich ist Cannes etwas ganz besonderes. Mit diesem Ort verbinde ich sehr bewegende Augenblicke meiner Karriere.
Zunächst einmal war Cannes ganz weit weg. Ich traute mich nicht, dort etwas hinzuschicken, ich fand meine Arbeiten durchweg mittelmäßig. Dann fuhr ich trotzdem hin.
Ich wanderte tagelang durch die Ausstellung, um zu erfühlen, was die kreative Welt so bewegt. Klar gibt’s die Sachen auch alle online. Dort, auf dem graublauen Nadelfilz, hauen sie dich aber richtig um.
Du spürst, welche Kraft eine Idee haben muss, um eine wirklich internationale Jury zu begeistern. Du merkst, wie groß eine Idee sein muss und wie zwingend einfach die Präsentation. Ich schrieb die wichtigsten Eindrücke in mein Büchlein, stärkte mich am Fähnlein Fieselschweif-Kiosk vor dem Palais mit einem Cheeseburger und einem eiskalten Red Bull und machte mich stark beeindruckt auf den Heimweg.
2008 war ich Jury-Präsident der Promo-Lions. Ein Job, auf den ich mich intensiv vorbereitete. Allen Rosenshines „Funny Business“ verhalf mir zumindest zu einer passablen Vorahnung, was so alles passieren kann, wenn man an der Croisette den falschen Wein bestellt. Das würde mir zwar nie und nimmer passieren. Trotzdem hielt ich es für angebracht, Hausaufgaben zu machen: Ich lernte nicht nur die Namen der Jurymitglieder, sondern gleich noch alles über ihre Arbeiten. Es war eine super-intensive Woche, die ich ohne Ingeborg Trampe, die damalige BBDO-Pressesprecherin, nicht überstanden hätte. Das muss auf jeden Fall hier und jetzt noch mal in aller Deutlichkeit gesagt werden!
Dann haute mich ein Typ mit Lederjacke an und fragte, ob wir nicht mal zusammen Abendessen können. Der Typ war Jean-Remy, und aus dem Abendessen wurde ein Umzug von Stuttgart nach Hamburg. Im Januar 2009 fing ich bei Jung von Matt an. 2010 wurde Jung von Matt "Independent Agency of the Year" in Cannes.
Dieses Jahr freue ich mich, in der Titanium-Jury zu sein. Und bin natürlich schon granatenmäßig gespannt, was diesmal passiert. Begeisternde Arbeiten gibt’s jedenfalls reichlich zu bestaunen: Zum Beispiel „Decode Jay-Z with Bing“ von Droga 5, oder „the film room“ von Nike (R/GA). Ansonsten empfehle ich uneingeschränkt das hervorragende Buch meines Jurykollegen Paul Lavoie, dem Gründer von Taxi/Toronto. Es heisst „Doubt. The worlds greatest shit disturber“. Ein sehr schlaues Büchlein eines sehr geradlinigen Kreativen. Gleich aufs Nachttischle legen!