3sat-Kabarett nimmt ZDF-Fall Brender auf die Schippe
Georg Schramm nennt die Causa Nikolaus Brender "organisierte Verfassungskriminalität". Auch Medienstaatsminister Bernd Neumann bekommt sein Fett weg.
Kritik an der mehrheitlichen Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrats, den Vertrag von Cheredakteur Nikolaus Brender nicht zu verlängern, kommt jetzt auch aus den eigenen kabarettistischen Reihen. Der aufmüpfige Kabarettist Georg Schramm, einem breiten Publikum durch die ZDF-Reihe "Neues aus der Anstalt" bekannt, hat am Dienstagabend auf 3sat in der Live-Kabarettgala "Dreiländerspitzen" aus dem TIPI am Kanzleramt die politischen Ränkespiele ins Visier genommen. Während seines Auftritts anlässlich des 25. Geburtstags des Kultursenders 3sat hat Schramm unter anderem Medienstaatsminister Bernd Neumann als wahrscheinlichen "Strippenzieher" hinter dem Komplott gegen Brender bezeichnet. Hintergrund: Im Vorfeld der Causa Brender im ZDF-Verwaltungsrat ist vermutet worden, dass Neumann mit der Gruppe um seine Parteifreund Roland Koch gegen eine Vertragsverlängerung des ZDF-Chefredakteurs votieren werde.
Aber Schramm lässt auch die Opposition im Fall Brender nicht außen vor. Er fragt, wo die SPD-Vertreter Klaus Wowereit und Kurt Beck abgeblieben seien: "Warum haben Sie den Fall nicht vor das Bundesverfassungsgericht gebracht?", zetert Schramm dem im TIPI anwesenden Regierenden Bürgermeister Berlins entgegen. Fest steht unterdessen: Die SPD will wegen der von der Union erzwungenen Ablösung von Brender nicht vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Zu einer Normenkontrollklage gebe es in der SPD-Fraktion keine Neigung, heißt es.
Georg Schramm zitiert zudem den Brender-Vorgänger Klaus Bresser mit dessen Kritik an der Abwahl des ZDF-Chefredakteurs; in dieser "Dreistigkeit" habe noch keine Partei den Vorschlag eines Intendanten abgelehnt, so Bresser kürzlich beim Journalistentag des DJV-NRW in Recklinghausen. Schramm spitzt den Fall zu und spricht über "organisierte Verfassungskriminalität". Bei dem satirischen Rückblick auf 25 Jahre 3sat sind insgesamt vier Kabarettisten für die 3sat-Partner angetreten. Neben Georg Schramm für das ZDF sind Mathias Richling (ARD), Alfred Dorfer (ORF) und Andreas Thiel (SF) aufgetreten.
Die Stimmung bei 3sat gegenüber dem Partner ZDF dürfte indes nicht die beste sein. Ende November hat das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, dass der Mainzer Sender für seine Digitalableger wie ZDFneo in den kommenden Jahren Mehrausgaben einplant und im Gegenzug weniger Geld in den Kultursender 3sat investieren könnte. "Focus" beruft sich dabei auf einen Entwurf zum 17. KEF-Bericht, der im Januar offiziell vorgestellt wird. Demnach steht 3sat mit 74,4 Millionen Euro bis zum Jahr 2012 ein Viertel weniger an Geldern für das Programm zur Verfügung.