"Berliner Zeitung" rebelliert gegen DuMont
Kein Austausch mehr: Die Redakteure der "Berliner Zeitung" wollen vorerst keine Texte, Bilder und Grafiken anderer DuMont-Titel übernehmen. "Die Pläne zur Zerschlagung und Auslagerung von Ressorts müssen vom Tisch", heißt es in einem offenen Brief.
In Reaktion auf die vom Konzern M.DuMont Schauberg beschlossenen Umstrukturierungen bei "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" haben die Redakteure der "Berliner Zeitung" in einer Vollversammlung beschlossen, den bereits praktizierten Austausch von Texten auszusetzen - so lange, bis die Erfahrungen ausgewertet sind und Schlüsse für weitere Kooperationen gezogen sind. "Die Pläne zur Zerschlagung und Auslagerung von Ressorts müssen vom Tisch,“ schreibt die Redaktion in einem offenen Brief an den publizistischen Beirat und den Konzernvorstand des Verlags M.Du Mont Schauberg.
Noch im Juni habe Chefredakteur Uwe Vorkötter im Juni formuliert, der Vorbesitzer Mecom habe den Verlag "ausgequetscht wie eine Zitrone" und auf "drei verlorene Jahre“ verwiesen. Nun werde ein als gescheitert erkanntes Konzept wieder zur Grundlage von Entscheidungen gemacht. "Wir haben uns nicht drei Jahre lang den Zumutungen David Montgomery wiedersetzt, um nun ähnliche Pläne wieder vorgelegt zu bekommen“, schreiben die Redakteure.
Man könne nicht zusehen, wie "ohne Not bewährte Strukturen preisgegeben und Arbeitsplätze bei der Berliner Zeitung und in anderen Verlagstitelngezielt überflüssig gemacht werden", heißt es in dem Brief weiter. Eine Zersplitterung der zusammengehöriger Redaktionsteile an verschiedenen Standorten sei nicht ohne erhebliche Kommunikationsprobleme und Reibungsverluste machbar . Die Folge wäre keine Qualitätsverbesserung, wie argumentiert werde, sondern eine Verschlechterung zu Lasten der Titel und der Leser.
Am Freitag hatte Chefredakteur Uwe Vorkötter die Redaktion darüber informiert, dass Wirtschafts- und Wissenschaftsseiten von der "Frankfurter Rundschau" geliefert werden sollen und die Medienberichterstattung für beide Titel aus Berlin kommen soll. Über einen Redaktionspool für die politische Berichterstattung gibt es noch keinen Beschluss. Sollten die Bundesbüros gepoolt werden, würde man sie vermutlich in einer neuen Rechtsform auslagern, befürchtet die Redaktion.
Auch die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisieren das Vorhaben des Konzerns. „Aus unserer Sicht sind die MDS-Pläne nicht mit dem Statut der Berliner Zeitung vereinbar, das vor einer solchen Entkernung schützen soll", sagt Verdi-Vize Frank Werneke. Der DJV-"Bundesvorsitzende Michael Konken warnte, die mögliche Zusammenlegung von Ressorts gehe "zwangsläufig zu Lasten redaktioneller Arbeitsplätze, auch wenn die Geschäftsleitung noch keine Angaben über einen bevorstehenden Personalabbau in den Redaktionen gemacht hat".