DLM-Symposium: Ebeling fordert "New Deal"
Während ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling lieber die Tagesthemen sieht, steht N24 vor dem Verkauf. Sollte der Konzern seinen Nachrichtensender behalten, dann nur in abgespeckter Form.
Wenn ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling 260 Millionen Euro mehr zur Verfügung hätte, dann würde er dennoch nur unterproportional in klassische Nachrichten investieren, sagt er. Kein Wunder: Schließlich informiert er selbst sich gerne auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Die "Tagesthemen" und das "Morgenmagazin" von ARD und ZDF stehen auf seinem täglichen Programm - allerdings ebenso wie die hauseigenen Info-Sendungen. "Schließlich zahle ich ja auch Gebühren“, so der ProSiebenSat.1-Chef auf dem DLM-Symposium am Mittwoch in Berlin.
Damit ist auch klar, was auf seiner Liste für die TV-Familie steht: mehr lokale Fictionproduktionen, mehr Infotainment á la "Galileo“ oder "Talk im Turm. Nachrichten wie das ARD-Flaggschiff "Tagesthemen" seien Domäne der Öffentlich-Rechtlichen. Für das Programmangebot der Senderfamilie nimmt Ebeling German-Free-TV-Vorstand Andreas Bartl in die Pflicht: "Die Gesellschafter mischen sich ins Programm nicht ein. Das Programm macht Andreas Bartl. Das ist keine Gesellschafterproblematik.“ Schlussendlich repräsentierten Medienunternehmen aber nur die Budgets der Marketingunternehmen, so der CEO. "Die geben den Kostendruck weiter.“ Ebeling legt damit dar, dass der Konzern nur dank seiner schlanken Stukturen dem immensen Preisdruck der Kunden widerstehen könne.
Künftig will Ebeling weiter sparen. Der Konzern brauche einen Puffer, um die Bewegungen im Werbegeschäft auffangen zu können. Dass damit auch die Nachrichten und konkret der hauseigene Nachrichtensender N24 gemeint sind, ist klar. Denn natürlich seien Fernsehen und Nachrichten "Kulturgut“, dahinter stünde aber auch immer ein Wirtschaftsunternehmen. "Wir sind auch ein Unternehmen. Nachrichten sind ein Zugeschäft. Sollen wir dafür 20 Millionen Verlust machen oder 40 Millionen? Wieviel Verlust mutet man uns zu?“ fragt der Konzernchef.
Für Ebeling steht fest: Sollte man N24 weiterführen, dann nur "mit neuer Ausrichtung in einer leicht veränderten Variante.“ Dann müssten die Programmkosten reduziert und neue Geschäftsmodelle generiert werden. Online müsse mehr geschehen und die Produktionen ausgebaut werden. Thomas Ebelings Ziel ist es, die Verluste um ein Drittel zu senken. Im Juni soll die Lösung präsentiert werden. Einen Eingriff in die Programmautonomie sollte sich indes jeder gut überlegen, betont der ProSiebenSat.1-Lenker. "Ich glaube, das System funktioniert noch. Man sollte nichts gefährden.“ Stattdessen bevorzugt er einen "New Deal“. Wie dieser auszusehen habe, sagt er nicht.
Die Länder halten indes an ihren strikten Plänen rund um Information bei Privatsendern fest. Die werbefinanzierten TV-Sender sollten nicht nur mehr, sondern vor allem auch bessere Nachrichtensendungen anbieten, erklärt der rheinland-pfälzische Staatssekretär Martin Stadelmaier. Das Land stellt den Vorsitz in der Rundfunkkommission der Länder und nimmt daher eine wichtige Rolle in Rundfunkfragen ein. Auch das Verhältnis zwischen selbst recherchierten Informationen und gekauften Nachrichten müsse stimmen, sagt Stadelmaier.