Probewohnen bei "Big Brother" oder: Hackfleisch in Ossendorf
Das RTL II-Voyeursformat "Big Brother" geht ab 2. Mai in die elfte Runde. Vorab hat der Sender elf Journalisten in den Container nach Köln-Ossendorf zum "Probewohnen" geladen. Probegefoltert wurde auch: mit Pfefferessen und Kakerlakenstreicheln. W&V-Autorin Irmela Schwab war dabei.
Mitten in die Stille dröhnt Big Brother: "Paul*, Martin* und Irmela - begebt euch jetzt in den Strafraum!" Durch einen Stimmverzerrer klingt das wie beim Halloween-Horrorfilm "Scream". Der Strafraum liegt im Garten und besteht aus einer dreiwändigen Hütte mit schmierigen Hängematten. An der Wand prangt eine Art Lehrtafel, auf der verschiedene Insekten und Krabbeltiere abgebildet sind. "Warum ausgerechnet ich!" denke ich. Mein Herz klopft, mein Magen ist flau. Ein wahrhaftiger Big Brother-Moment.
Um am eigenen Leib zu spüren, wie sich die 15 Kandidaten ab Montag, den 2. Mai von 21.15 Uhr an fühlen werden, hat RTL II elf Journalisten in den berüchtigten Container nach Köln-Ossendorf eingesperrt. Die Räumlichkeiten erstrecken sich über 471 Quadratmeter: Eine große Wohnküche, zwei Schlafräume mit jeweils sieben Betten, ein Liebesnest-Zimmer, zwei Sprechzimmer und ein geheimes Zimmer, in dem die BB-Kandidaten in den nächsten 100 Tagen die Geheimnisse ihrer Mitbewohner rausfinden und ausplaudern müssen. Denn, das Besondere an der 11. Runde des Voyeur-Formats ist es, dass jeder der freiwillig Eingeschlossenen diesmal ein Geheimnis mit sich herumträgt. So ist einer von ihnen zum Beispiel das Kind eines Prominenten. Ein Geheimnis, das RTL II vorab ausgeplaudert hat.
Die Spielregeln sind altgedient: Es gibt Matches, in denen Belohnungen erspielt werden können, eine Wochenaufgabe, die gemeinsam gemeistert werden muss. Kandidaten, die unterperformen oder ihren Mitmenschen nicht gefallen, werden rausgewählt. Ohne solche Schikanen wird´s schnell langweilig - auch das erfahren wir Journalisten hier am eigenen Leib. Es gibt keinen Fernseher, keine Zeitungen, kein Telefon, rein gar nichts. Nach der "Für wen schreibst Du?"-Fragerunde sitzen wir teils im Wohnzimmer, teils im Gartenbereich und nippen an Wasser und Cola aus der hauseigenen Bar. Sicher, es gibt Pool und Jacuzzi. Doch wo bitte sollte man den Bikini anziehen? 92 Kameras behalten einen ständig im Auge. Selbst duschen müsste man öffentlich. Schwimmen macht heute keinem Spaß.
Wir sind froh, als uns die Scream-Stimme auffordert, allesamt in den Matchraum zu gehen. Dort hat BB-Produzent Endemol ein kleines Wettessen vorbereitet, das zwei von uns Journalisten austragen müssen. Die Wahl fällt auf einen Zwei-Meter-Riesen und - Hilfe, holt mich hier raus - mich! Appetitlich auf kleinen Tellerchen angerichtet sind unter anderem eine ganze Gurke, vier Kekse, eine Banane, ein Lolli, ein Kaugummi und ein gehäufter Teelöffel Pfeffer, die völlig zerkaut bzw. runtergeschluckt werden müssen. Erst dann darf man die Antworten auf die vorausgehenden Quizfragen geben. So nuschelt es Big Brother in den Matchraum. Selbst wenn ich die 100.000 Euro Preisgeld, die dem BB-Gewinner als "Schmerzensgeld" zustehen, bekommen würde, die Bauchschmerzen sind es mir nicht wert. Mitstreiter Paul übernimmt gerne meinen Platz. Beißt beherzt in Tomate und Kuchen, zerbeißt den Lolli, dass es kracht, und versucht die fünf Hackfleischbällchen runterzuwürgen. Nachdem klar ist, dass sein Kontrahent das Ganze schon geschluckt hat, landen sie als Fleischbrei wieder auf dem Teller.
Und wir im Strafraum. Martin muss mit, weil Big Brother gerne noch einen Dritten im Bunde dabei hätte. Nach drei Stunden Eingesperrtsein und herrischen Befehlen via Off-Stimme hinterfragt man scheinbar selbst als kritischer Journalist nicht mehr viel. Gehorsam begibt sich Martin ebenfalls zu den ausgeschilderten Kakerlaken und Spinnen im Strafraum. Doch die kommen in natura dann gar nicht anmarschiert, um sich unsere Streicheleinheiten gefallen zu lassen. Denn eigentlich war Hundefutter aus der Dose zum Verzehr vorgesehen, wie uns später verraten wird. Doch diese letzte BB-Folter hat uns die Redaktion von Endemol erspart.
"Big Brother - The Secret" startet am 2. Mai, 21.15 auf RTL II, ab 3. Mai läuft die Sendung dann täglich um 19 Uhr. "Big Brother - die Entscheidung" läuft montags, live um 21.15 Uhr. Mit dem durchschnittlichen Marktanteil von 8,5 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen war RTL II-Vermarkter El Cartel Media bei der zehnten Staffel Jahr zufrieden. Ebenso mit der Vermarktung, die in diesem Jahr sehr gut laufe, wie Geschäftsführer Jan Kühl sagt. Nur ein paar Werbekunden weigerten sich standhaft mitzumachen - vielleicht könnte man die ja mit einem Probewohnen auf den Geschmack bringen.
*Namen von der Redaktion geändert.