Rekordbeschwerden beim Deutschen Presserat
Beim Deutschen Presserat ist ein trauriger Rekord eingestellt worden: 1.661 Beschwerden zählte die Selbstkontrollstelle für Medien in Berlin im vergangenen Jahr.
Beim Deutschen Presserat ist ein trauriger Rekord eingestellt worden: 1.661 Beschwerden zählte die Selbstkontrollstelle für Medien in Berlin im vergangenen Jahr. Allein 240 Beschwerden gingen ein über die Berichterstattung zu den Opfern der Loveparade-Katastrophe. Der Presserat sprach in einigen Fällen Missbilligungen und Rügen aus, in anderen Fällen aber wurde die Kritik als unbegründet zurückgewiesen. Auch gegen das "Titanic"-Titelbild, das einen Kirchenmann auf Schosshöhe eines Jesus am Kreuz zeigt, wurde Beschwerde eingereicht. Allerdings beschied der Presserat hier, dass für dieses Bild die Pressefreiheit gelte.
Für dieses Jahr rechnet der Presserat mit etwa 1200 Beschwerden. Allerdings gäbe es bislang noch keinen Schwerpunkt, an dem sich die Beschwerden kristallisieren, so der Presserat. Allein zu der Darstellung in Bildergalerien der einzelnen Opfer des Massenmords von Oslo seien bisher 16 Beschwerden eingegangen. Der Opferschutz werde im Presserat stark diskutiert, so deren Sprecher Bernd Hilder, Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung". Aber man habe sich letztendlich gegen eine Lockerung des Opferschutzes entschieden.
Von den eingegangenen Beschwerden wurden 350 als unbegründet zurückgewiesen. In 34 Fällen wurden öffentliche Rügen ausgesprochen, die von den betroffenen Blättern auch veröffentlicht werden mussten. Auch nicht-öffentliche Rügen und Missbilligungen hat der Presserat ausgesprochen.
Die "Bild"-Zeitung ist eines der Adressaten der Rügen. Im August erst hatte die "Bild"-Zeitung dann eine Aktion gegen den Deutschen Presserat angestoßen. Die Zeitung hatte die Telefonnummer des Presserats veröffentlicht mit der Aufforderung, aufgebrachte Leser sollten sich dort melden. Denn das Medium sah sich zu unrecht gerügt, weil es einen mutmaßlichen Entführer im Vollbild gezeigt hatte. (dpa/aj)