Springer: Gute Renditen trotz Gewinneinbruch
Der Axel-Springer-Konzern muss im Krisenjahr 2009 einen Gewinneinbruch von 100 Millionen Euro im operativen Geschäft verkraften. Vorstandschef Mathias Döpfner freut sich dennoch über die immer noch guten Renditen.
Wie erwartet hat der Axel Springer Konzern im schwierigen Krisenjahr 2009 nicht an die Ergebnisse des Rekordjahres 2008 anknüpfen können. Der Jahresüberschuss sank um 45 Prozent auf 314 Millionen Euro (Vorjahr: 571 Millionen Euro), bei einem Konzernumsatz von 2,6 Milliarden Euro (minus 4,3 Prozent). Dies entspricht einer Umsatzrendite des Konzerns von 12,8 Prozent.
Zieht man die Gewinne aus den Verkäufen der Regionalzeitungsbeteiligungen an Madsack und den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag ab, beläuft sich der Gewinn aus dem operativen Geschäft auf 153 Millionen Euro und liegt damit um 102 Millionen Euro unter dem Gewinn des Vorjahres (255 Millionen Euro).
Die Werbeerlöse im Zeitungssegment gingen um 12 Prozent auf 548 Millionen Euro zurück. Dass dieses Ergebnis im Krisenjahr nicht dramatischer ausfiel, lag vor allem an "Bild". Krisengewinner "Bild" spielte legte bei den Bruttoeinnahmen um 6,5 Prozent zu und spielte so im angespannten Werbemarkt immerhin fast die Netto-Werbeerlöse des Vorjahres ein. Die Vertriebserlöse im Zeitungssegment lagen mit 632 Millionen um sechs Millionen über dem Vorjahr. Hier schlugen die gestiegenen Copypreise bei "Bild" und die Abopreiserhöhungen bei der "Welt" und Regionalzeitungen zu Buche.
Vor allem wegen der geringeren Werbeerlöse schrumpfte allerdings das Gesamtergebnis vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) im Zeitungssegement um satte 30 Prozent auf 244 Millionen Euro. Allerdings fehlten auch einige Millionen aus den Ergebnisbeiträgen der verkauften Regionalzeitungen. Die Marketinginvestitionen in "Bild" und "Welt" in Höhe von 10 bis 20 Millionen Euro im vergangenen Herbst drücken das Ergebnis ebenfalls. Mit 20 Prozent EBITDA-Rendite (Vorjahr: 27 Prozent) sind die Zeitungen aber immer noch Springers profitabelstes Segment. Am stärksten litt das internationale Printgeschäft (Umsatz 312 Millionen Euro): Hier halbierten halbierten sich die Renditen von 6,8 auf 3,9 Prozent. Das nationale Zeitschriftengeschäft (Umsatz : 518 Millionen Euro) bringt mit 11 Prozent noch zweistellige Renditen (Vorjahr: 16 Prozent).
Die Umsätze mit digitalen Medien legten dagegen um 24 Prozent auf 470 Millionen Euro. Damit macht Springer mittlerweile 21 Prozent seiner Umsätze im Onlinegeschäft und kann damit die Rückgänge im Printgeschäft abmildern. Das Ergebnis im Digitalgeschäft verdoppelte sich auf 43 Millionen Euro. Die entspricht einer Rendite von 9 Prozent (Vorjahr: 6 Prozent).
Noch keine Entscheidung hat der Springer Vorstand über die Zukunft des AS Finanzen Verlags in München getroffen. Ein Käufer hat sich bisher offenbar noch nicht gefunden, so dass Vorstand Andreas Wiele selbst eine Einstellung des Verlages nicht mehr ausschließt. "Eine Einstellung würde uns am wenigsten gefallen", sagte Wiele aber auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin.
Strategie von Konzernchef Döpfner bleibt es, die erwartbaren rückläufigen Einnahmen im Printgeschäft durch gesteigerte Onlineerlöse aufzufangen. So wird Springer im April mit einer Bezahl-Applikation auf Apples I-Pad vertreten sein. Interessant wird in diesem Zusammenhang zu sehen, wieviele zahlende Kunden der derzeit 130 000 I-Phone-App-Abonnenten von "Bild" und "Welt" übrigbleiben, wenn die Einführungspreise auf eine akzeptables Preisniveau umgestellt wurden.
Online-Portale (Stellen, Immobilien, Auto, Partnerschaft) und Performancevermarketer bleiben weiter im Blick Döpfners. Die Scout-Gruppe würde sich Springer gerne einverleiben, Döpfner hält dies derzeit jedoch für "wenig realistisch".