Print-Vermarkter-Kongress Best4:
ADC-Chef Vogel fordert "kreative Revolution"

Mut machen wollen Zeitschriftenverlage mit ihrem Branchenevent Best4. ADC-Präsident Stephan Vogel fordert in seiner Keynote mehr Mut zu Kreativität und Gründergeist.

Text: Thomas Nötting

ADC-Präsident Stephan Vogel fordert in seiner Keynote bei Best4 mehr Mut zu Kreativität und Gründergeist.
ADC-Präsident Stephan Vogel fordert in seiner Keynote bei Best4 mehr Mut zu Kreativität und Gründergeist.

"Deutschland braucht eine kreative Revolution", fordert Stephan Vogel, Europa-Kreativchef der Agentur Ogilvy & Mather. Der Präsident des Art Directors Club (ADC) ruft in einer Keynote des Print-Vermarkter-Kongresses Best4 in Frankfurt zum Mentalitätswechsel in der deutschen Wirtschaft auf. Hierzulande würden Erfindergeist, Gründermut, Handwerk und auch Kreativität zu wenig wertgeschätzt, sagt der Agentur-Manager.

"Wir sind das Land der Hidden Champions", sagt Vogel. Kein anderes Land habe so viele Patente und Erfinder. 82 Prozent aller Patente für autonomes Fahren stammten aus Deutschland.

Die Agenda aber werde von "Tesla, Google und Apple bestimmt", kritisiert Vogel. Die deutsche Wirtschaft kranke an seiner Technik-Mentalität. "Ein Produkt wie das iPhone wäre in Deutschland nie entwickelt worden", meint Vogel. "Wir machen stattdessen Gebrauchsanweisungen, die genauso dick wie das Gerät sind". Deutschland habe die Patente, aber nicht die Personen mit dem unternehmerischen Mut, mit diesen "Ideen Geld zu verdienen".

Die Lehre: "Produkte aus der Kommunikation heraus entwickeln"

Beim iPhone hätten Techniker, Kommunikatoren und Designer von Anfang an Hand in Hand gearbeitet. "Es ist ein Produkt, das von der Kommunikation und nicht von der Technik her gedacht ist". Ein Vorbild, findet Vogel.

Firmen sollten deshalb die Kreativen schon während der Produkt-Entwicklung einbeziehen, empfiehlt der ADC-Präsident und "Produkte aus der Kommunikation heraus entwickeln". „Aus Insights, wie Menschen mit Technik interagieren." Meist würden aber Kreative erst geholt, "um Fehler eines Produkts mit einer netten Kampagne zu übertünchen".

"German Angst" ist im Zeitalter der Digitalisierung hinderlich

Mut ist das zentrale Thema der zweiten Gemeinschaftsveranstaltung der fünf Großverlage Axel Springer, Gruner + Jahr, Funke, Burda und Bauer im Frankfurter Palais. Ein Thema, zu dem auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner Ähnliches zu sagen hat. Die "German Angst" sei im hoch beschleunigten Zeitalter der Digitalisierung hinderlich, findet Lindner.

Er habe "Angst, dass wir die Chancen der Digitalisierung vor lauter Ängstlichkeit nicht nutzen". Lindner kritisierte den schleppenden Ausbau mit Glasfaserkabeln. "Unsere Kupferkabel werden spätestens beim Internet der Dinge nicht mehr ausreichen". Auch Lindner sieht ein "Mentalitätsproblem". Dies zeige sich, dass hierzulande die meisten Wissenschaftler eine Universitätskarriere anstrebten. "In den USA wollen die Spitzenwissenschaftler Unternehmer werden, bei uns Beamte."


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.


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