W&V-Interview:
Funke-Chef Braun fordert den Super-Vermarkter

Funke-Geschäftsführer Manfred Braun will die ganz große Lösung in der Vermarktung. Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser sollten "die Kleinstaaterei" überwinden und sich auf breiter Front zusammenschließen.

Text: Thomas Nötting

Funke-Geschäftsführer Manfred Braun will die ganz große Lösung in der Vermarktung.
Funke-Geschäftsführer Manfred Braun will die ganz große Lösung in der Vermarktung.

Manfred Braun, Geschäftsführer der Essener Verlagsgruppe Funke, wirbt für einen breiten Schulterschluss der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in der Anzeigenvermarktung. "Wir brauchen in der Vermarktung eine Vision, die noch viel weiter geht", sagt der 64-Jährige im Interview mit Werben & Verkaufen. Die Branche müsse "eine Zusammenarbeit zwischen Vermarktern über alle Mediengattungen hinweg anstreben".

Zunächst denkt Braun "an einen Zusammenschluss innerhalb der Print-Gattungen", mittelfristig aber "auch an elektronische Medien". Nur so könnten Medienhäuser im Wettkampf mit den großen TV-Konzerne, Google aber auch gegenüber den Media-Agenturen bestehen, argumentiert der Funke-Manager. Die Haltung der Verlage erinnere ihn an die deutschen Kleinstaaten vor 1871. "Wir müssen uns aus der Engstirnigkeit der Kleinstaaterei befreien", so Brauns Appell.

Mit seinem Vorstoß für einen Super-Vermarkter lehnt sich der Funke-Manager weit aus dem Fenster. Seine Idee geht weit über alle bestehenden und geplanten Allianz-Projekte hinaus. Die Funke-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Hamburger Abendblatt, Bild der Frau, Hörzu) ist selbst Haupt-Protagonist der beiden bislang wichtigsten Vermarktungs-Allianzen im Print-Lager: Mit dem Berliner Axel Springer-Verlag hat Funke vor rund einem Jahr die Gemeinschaftsfirma Media Impact gegründet. Außerdem hat sich der Verlag am neuen Gemeinschafts-Vermarkter Score Media beteiligt – dem Hauptkonkurrenten von Media Impact im Zeitungsgeschäft.

Funkes Doppelrolle hat mit Auflagen des Bundeskartellamts zu tun. Die Wettbewerbshüter hatten die Anzeigenehe mit Springer nur unter der Bedingung genehmigt, dass die Zeitungen der ehemaligen WAZ-Gruppe auch von einem zweiten Anbieter vermarktet werden müssen. Beide Allianzen gehen Braun aber noch nicht weit genug. Er hätte "es sehr begrüßt, wenn es zu einer Zusammenarbeit zwischen Score Media und Media Impact gekommen wäre".

Wie Funke im Print-Geschäft weiter wachsen will und welche Strategie man im Digital-Geschäft verfolgt, lesen Sie im ausführlichen Interview in der aktuellen Ausgabe von W&V.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.


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