Plädoyer bei der OWM-Tagung:
G+J-Chefin Jäkel: Print bedient "Sehnsucht nach Offline"

Qualitätsmedien sorgen in der digitalen Welt fürs nötige Gegengewicht - so der Tenor von Julia Jäkels Appell an Werbungtreibende bei der OWM-Tagung. 

Text: Thomas Nötting

Julia Jäkel mit Moderator Wolfram Kons bei der OWM-Tagung.
Julia Jäkel mit Moderator Wolfram Kons bei der OWM-Tagung.

Die Geschäftsführerin des Hamburger Verlagshauses Gruner + Jahr, Julia Jäkel, hat die gesellschaftliche Verantwortung von Qualitätsmedien betont. Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten habe "sehr viel mit Medien zu tun", sagte die Managerin auf dem Kongress des Werbekundenverbands OWM.

In großen Teilen der USA gebe es keine regionale Tageszeitung mehr, so Jäkel. "Die 'Washington Post' und die 'New York Times' bespielen nur noch eine kleine Elite." Gleichzeitig habe die von Trump offensiv genutzten Sozialen Medien dazu beigetragen, das Land zu spalten. "Durch den Facebook-Algorithmus wird das Land immer mehr in zwei Welten gedrängt" – und was Facebook heute in den USA spaltet, eint Print nicht mehr.

"Wenn man sich "aber nicht mehr darauf verständigen kann, was die Realität ist, wird man auch keine Lösungen finden", so Jäkels Analyse. Deshalb "brauchen wir auch den 'Stern', den 'Spiegel' und die 'Zeit'". Vielleicht nicht ganz zufällig nannte die G+J-Chefin an dieser Stelle Titel der Hamburger Verlagshäuser, die am Vortag ihren Teilrückzug aus dem Verlegerverband VDZ erklärt hatten. Zum Thema selbst äußerte sich Jäkel dagegen nicht.

Qualitätsmedien sorgen in der digitalen Welt fürs nötige Gegengewicht

Die Verlagschefin hatte für die versammelten Vertreter von Werbekunden und Mediaagenturen vor allem eine Botschaft: Auch klassische Printprodukte haben in der Digitalisierung weiterhin ihren Wert. Das Hamburger Unternehmen investiere stark in digitale Geschäfte und "will digital wachsen". Aber auch "gedruckte Magazine sind Produkte für die digitale Gesellschaft", betonte Julia Jäkel. In der schnellen und bisweilen oberflächlichen Online-Gesellschaft gebe es auch den "Gegentrend" einer "Sehnsucht nach Offline".

Dieses Bedürfnis bediene man mit neuen Magazinen wie "Barbara", "Stern Crime" oder dem Männer-Kochmagazin "Beef". Man erfülle damit den Wunsch nach "greifbaren Erlebnissen". Leser seien in der Digital-Gesellschaft "Communities" und "Fans", sagte Julia Jäkel. "Das sind Menschen, die sich Gedanken machen, was richtige Grillkohle und was die richtige Diät ist".

Zur "modernen Auffassung eines Verlags" gehöre auch die Expansion in neue Geschäftsfelder. Unter dem Label der Wohnzeitschrift "Schöner Wohnen" werde man künftig "auch Möbel produzieren". Die neue Unternehmenskultur beim Hamburger Printhaus beschreibt Jäkel so: "Wir brauchen Gedankenschnelligkeit und müssen auf Entwicklungen schnell reagieren können".

Mit Ad Alliance ein Gegengewicht zu Google aufgebaut

Das Vermarktungs-Bündnis mit der Bertelsmann-Schwesterfirma RTL - Ad Alliance - gehöre ebenfalls zur neuen Philosophie bei Gruner + Jahr. "Wir nutzen endlich die Kraft des gesamten Bertelsmann-Hauses und sind nun annähernd in der Lage, den Googles und Facebooks mit Größe entgegenzutreten."


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.


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