Was heißt eigentlich 'junge Kreative'? Wer macht mit?

Wenn man 'Young Lions' hört, so denkt man natürlich spontan an wirklich junge Menschen, an Rookies und Berufsanfänger. Aber die Teilnahmebedingungen sehen vor, dass kreativ ambitionierte Mitarbeiter in Agenturen bis einschließlich 30 Jahren mitmachen können. Darum finden sich unter den Teilnehmern auch seniorige ADs. Die haben teils schon einen Löwen daheim stehen - nutzen die Young Lions ganz bewusst, um die eigene Karriere zu befeuern.

Betrifft das wachsende Interesse nur Deutschland oder auch die anderen Teilnehmer-Länder?

Das ist eine generelle Entwicklung. Allerdings muss nicht jeder Cannes-Repräsentant einen Nachwuchswettbewerb ausrichten. Das bleibt jedem selbst überlassen. Aber all diejenigen, die bei den Young Lions mitmachen, erzählen von mehr Teilnehmern und Einreichungen.

In der Schweiz, die auch von Weischer vertreten wird, offenbar nicht: Dort soll es die Young Lions nurmehr in der Kategorie Media geben. Aber nicht mehr in den Kategorien Digital, Print und Film.

Wir haben die Repräsentanz in der Schweiz 2017 übernommen und damit das gesamte Prozedere und die Strukturen unseres Vorgängers. Zwei Jahre lang haben wir uns das jetzt angeschaut. Nun möchten wir aber natürlich auch an einigen Stellen unsere eigenen Vorstellungen und Visionen einbringen. Ich denke, das ist völlig legitim. Darüber hinaus hat das Cannes Lions Festival für 2020 sehr viele Änderungen, was die Young-Lions-Wettbewerbe angeht, umgesetzt, um einen weltweiten Standard zu garantieren. Für Deutschland arbeiten wir bereits seit längerem nach diesen Vorgaben, in der Schweiz war dies jedoch nicht der Fall - bis auf die Kategorie Media. Wir haben uns dann kurzfristig entschieden, ein Jahr mit dem Young-Lions-Vorentscheid in der Schweiz auszusetzen, das Projekt neu zu strukturieren und dann 2021 zu relaunchen.

Nicht nur der Hauptwettbewerb, sondern auch die Young Lions haben sich immer wieder verändert. Stehen für 2020 Änderungen an?

Ja. Das Festival als Veranstalter passt alle Vorentscheide an. Bislang hatten die Repräsentanten einen gewissen Spielraum bei der Durchführung. Jetzt wurde alles vereinheitlicht und in der Agenda 2020 fixiert. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass in jedem Land identische Bedingungen herrschen. Analog zum großen Wettbewerb. Deshalb müssen einige Repräsentanten ihre Wettbewerbe anpassen. Das müssen wir in Deutschland nicht, da wir schon seit Jahren nach den Cannes-Richtlinien vorgehen und für fast jede Kategorie eine eigene Jury haben, die die Arbeiten bewertet. Darunter sind ehemalige Cannes-Juroren und Leute aus der Branche, die den Nachwuchs fördern wollen.

Also keine Änderung bei den deutschen Young Lions?

Nicht ganz. Wir hatten bislang vier Jurys, jeweils eine für Film, Print und Design, dann für Digital, PR und Media. Wir werden jetzt die erstgenannte aufsplitten, weil sie zuletzt sehr groß war und diese gezielt auch mit Spezialisten besetzen. Das ist eine deutliche Wertschätzung gegenüber den Teilnehmern.

Interview: Peter Hammer