Datenschutz | | von Annette Mattgey

Googles neuer Datenschutz: Gut für Nutzer, schlecht für Werber

Der Internetkonzern Google hat die Datenschutz-Einstellungen für seine Dienste übersichtlicher und einfacher gemacht. Nutzer können ab sofort von einem zentralen Anlaufpunkt aus einschränken, welche Informationen Google über sie sammelt und auswertet. Sie können unter anderem verhindern, dass das Unternehmen speichert, welche Begriffe sie in die Google-Suche eintippen oder welche Videos sie auf Youtube ansehen. Google wertet diese Informationen aus, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Auch die Auffindbarkeit mithilfe  demografischer Daten lässt sich erschweren - schlechte Nachrichten für Googles Werbekunden.

Die neuen Möglichkeiten gelten für alle, unabhängig davon, ob sie ein Nutzerkonto bei Google haben oder nicht. Für Nutzer ohne Google-Konto sind die Einstellungen auf der Webseite MyAccount.Google.com unter dem Link "Jetzt verfügbare Tools" gesammelt.

Wer ein Google-Konto etwa bei dem E-Mail-Dienst Gmail oder der Videoplattform Youtube hat, gelangt über die Kontoeinstellungen zu der Übersichts-Seite. Dort lassen sich die Informationen, die Google über Surf- und Suchaktivitäten speichert, einschränken. Datenschützer hatten immer wieder kritisiert, dass Google Informationen über seine Nutzer aus Vermarktungszwecken zu Profilen bündelt.

Für die Werbekunden gibt es noch eine bittere Pille: Auch Werbung via Google auf anderen Webseiten kann eingeschränkt werden. Denn die Nutzer können festlegen, dass dafür keine Informationen zu ihren Interessen oder ihrem Alter verwendet werden. Außerdem können sie die Auswertung ihrer Aufenthaltsorte ausschalten, was besonders für Besitzer von Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android interessant sein könnte. Allerdings nimmt Google diese Datensammelei auch bisher nicht ungefragt vor: Android-Nutzer müssen ihr beim Einrichten des Smartphones zustimmen und können sie jederzeit nach Bedarf de- oder aktivieren.

am/dpa

Googles neuer Datenschutz: Gut für Nutzer, schlecht für Werber

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

Nach jüngster Google-Änderung: "Die verbleibenden Nutzer sind umso wertvoller"

von Annette Mattgey

Google hat mit seiner jüngsten Datenschutz-Änderung den Nutzern mehr Macht gegeben, das Ausspielen individualisierter Werbung zu blockieren. Was bedeutet das für die Online-Werber? Markus Schindler, Geschäftsführer der Performance-Marketing-Agentur Hurra.com, kann den Neuerungen durchaus positive Seiten abgewinnen. 

Googles Strategie scheint so, als ob das Unternehmen mal mehr für die Nutzer, mal mehr für seine Werbekunden tut. Wie schätzen Sie die aktuellen Änderungen hier ein?

Wenn Google Nutzer verärgert und dadurch womöglich verliert, leiden auch die Werbekunden darunter: Weniger Nutzer bedeutet weniger Reichweite, damit einhergehend begrenztere und weniger effiziente Werbemöglichkeiten für Advertiser und somit geringere Einnahmen für Google. Kurz: Nur wenn viele User Google treu bleiben, bleibt Google auch für Werbekunden interessant. Daher halte ich es grundsätzlich für richtig und wichtig, den Nutzer ins Zentrum jeglicher Entwicklung zu stellen.

Welche Nutzerreaktionen erwarten Sie?

Wir Deutschen sind sehr restriktiv im Umgang mit unseren Daten und Werbung gegenüber kritischer eingestellt als viele andere Nationen. Leider hat die Branche es hierzulande versäumt, die Vorteile von datenbasierter und somit relevanterer Werbung an den Ads selbst vorzuführen: Langweilige, irrelevante Ads will keiner sehen. Wäre die Werbung durchweg kreativ und interessant, wären User sicherlich auch milder gestimmt, was Datensammelei zu Werbezwecken betrifft.

So hingegen müssen wir in Deutschland damit leben, dass schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Onliner bereits Adblocker auf dem Desktop installiert haben. Möglicherweise werden ähnlich viele Nutzer auch von Googles Angebot Gebrauch machen, die Daten zu löschen - wenngleich ich persönlich mit einer geringeren Prozentzahl rechne.

Welche Art von Online-Werbung wird dadurch schwieriger?

Im Prinzip betrifft es sämtliche Online-Werbung, die auf dem Suchverhalten, den dadurch angenommenen Interessen und Geo-Daten der User basiert.

Jedoch bietet Google den Nutzern auch die Möglichkeit, stärker selbstverwaltet zu bestimmen, welche Werbung sie sehen wollen. Unter "Werbung nach Ihrem Geschmack" können persönliche Einstellungen vorgenommen werden – großartig für die Nutzer und dadurch auch für die Advertiser. Denn diese müssen nicht länger auf Basis von Suchverläufen Interessen vermuten, sondern bekommen vom User selbst gesagt, was er sehen will.

Für das klassische keywordbasierte Marketing hingegen bleibt alles beim Alten.

Wo sehen Sie Vorteile?

Wie eben beschrieben, bietet die Möglichkeit "Werbung nach Ihrem Geschmack" für alle Beteiligten einen Vorteil. Im Endeffekt bereinigt Google so automatisch Streuverluste. Nun bleiben hauptsächlich User übrig, die offen gegenüber Werbung sind. Online-Werbung wird dadurch noch effizienter. Sicherlich wird die Userbasis der Beworbenen vorerst schrumpfen - die verbleibenden Nutzer sind dafür umso wertvoller.

Gleichzeitig müssen sich die Kreativen noch stärker ins Zeug legen, was die Gestaltung der Display- und Video-Ads angeht. Eine Herausforderung, die hoffentlich schöne Blüten treibt. Je besser die Werbekunst, desto mehr steigt mittelfristig die Akzeptanz der User für Online-Ads. Jetzt muss die Branche erneut beweisen, dass Werbung auch unterhalten und Datensammelei einen Mehrwert bieten kann.

Wie sollten sich Agenturen und Werbungtreibende jetzt rüsten?

Abwarten und nicht in Panik verfallen. Was Textanzeigen angeht, bleibt ja ohnehin alles wie gehabt.

Display- und Video-Ads stehen auf dem Prüfstand und müssen mehr denn je derart gestaltet werden, dass die Grenze zwischen unterhaltsamer Werbung, Entertainment und Content zerfließt. Alles in allem gilt also wie immer: Krise als Chance.

Seit über 15 Jahren ist Hurra.com als inhabergeführte Performance-Marketing-Agentur auf dem Markt. Zu ihren Geschäftsfeldern zählen unter anderen SEA, SMA, SEO, Website- und Conversion-Optimierung, Produktdaten-Marketing oder Online Display Advertising. Die Geschäftsführung von Hurra Communications liegt in den Händen der Gründer René Schweier (CEO) und Gerd Schweier (CTO) sowie von Markus Schindler, der als Head of Sales & Marketing seit 2000 dem Management angehört.

von Annette Mattgey - Kommentare Kommentar schreiben

Jüngste Google-Änderungen "nicht viel mehr als eine PR-Aktion"

von Annette Mattgey

Google hat mit seiner jüngsten Datenschutz-Änderung den Nutzern mehr Macht gegeben, das Ausspielen individualisierter Werbung zu blockieren. Schlechte Zeiten also für die Onlinewerbung? LEAD digital-Blogger und SEO-Experte Eric Kubitz sieht dahinter nicht viel mehr als eine PR-Aktion. Denn wer sich damit nicht ausführlich beschäftigt, verliert schnell die Lust.

Googles Strategie scheint so, als ob das Unternehmen mal mehr für die Nutzer, mal mehr für seine Werbekunden tut. Wie schätzen Sie die aktuellen Änderungen hier ein?

Ich glaube nicht, dass sich Google entscheiden muss. Vielmehr muss der Konzern beide Gruppen gleichermaßen gut behandeln. Denn ohne Nutzer gibt es niemanden, dem die Werbung gezeigt werden kann. Und ohne Werbekunden geht Google schlicht pleite. Deshalb bewegt sich Google mal mehr und mal weniger elegant auf diesem schmalen Grat. 

Die aktuellen Änderungen sind meiner Meinung nach nicht viel mehr als eine PR-Aktion. Vieles davon ging eh schon, nur eben sehr verstreut. Dass dies nun „auf einen Blick“ ist, wie Google selbst schreibt, ist ein Euphemismus. Nicht nur, weil Google das Ausschalten von Informationen für die Werbung nicht unbedingt einfach machen will - sondern auch, weil das ein extrem komplexes Thema ist. Machen wir uns nichts vor: Wer sich damit nicht ausführlich beschäftigt, klickt doch eh nur ein bisschen hin und her und verliert dann die Lust. 

Das weiß auch Google. Man kann dem Konzern immerhin zugute halten, dass sie diese so öffentlichkeitswirksam machen und somit den Umgang damit fördern.  

Wie stark werden die Nutzer die Datensammelei blockieren?

Obacht: Wenn ich den Button "Interessenbezogene Werbung bei Google / im Web deaktivieren" klicke, blockiere ich nicht die Datensammelei sondern deren Verwertung für die Werbung. Das ist ein großer Unterschied; Google weiß trotzdem noch Bescheid. Nur passt die Werbung nicht mehr zum Nutzerverhalten. Und wenn etwa eine staatliche Stelle bei Google nachguckt, findet sie auch weiterhin alle Daten. Du kannst zwar auch diese Daten löschen, aber an einer anderen Stelle. Das wäre mal eine schöne Aufgabe für einen Internet-Führerschein: Wo löschst du den Verlauf in Google Maps? Das schafft sicher nicht jeder...

Dementsprechend schätze ich die Nutzerreaktionen ein: Eine harte Gruppe von Usern wird sich durch klicken und alles ausschalten. Die meisten werden sich das aber sparen - und das werden mehr sein, als die User die KEINEN AdBlocker installiert haben, denn dieser ist ja manchmal voreingestellt. Und eine sicherlich signifikante Gruppe von Usern wird die userbezogene Werbung nach einer Weile wieder einschalten. Denn ich denke, dass wir von der Menge der Werbung genervt sind - und nicht davon, dass sie zu uns passt. Und eigentlich ist es doch besser, ich bekomme Anzeigen die zu mir passen als ungezielte Werbebanner. 

Ich behaupte also - wie schon beim so genannten „Mobilegeddon", dass die Auswirkungen sehr gering sein werden.  

Welche Art von Online-Werbung wird jetzt schwieriger?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Denn sehr viel Retargeting läuft ja nicht über Google-Server sondern über Cookies und andere Vermarkter. Dagegen ist das Google-Retargeting manchmal ja richtig gut - weil es eher unauffällig und tatsächlich passend ist. Was macht es für einen Sinn, wenn ich nach einem Kauf eines Kamera-Objektives noch wochenlang Werbung für eben dieses Kamera-Objektiv bekomme? Und das ist halt heute noch oft die Realität. 

Ich bleibe dabei: Die Auswirkungen werden nicht sonderlich groß sein und schwerer wird es für die Branche dadurch kaum. Also keep cool! Ich wünsche mir aber, dass es sich viele Werbetreibende von selbst schwerer machen und intensiver darüber nachdenken, wie Retargeting eigentlich aussehen kann, wann und wo es Sinn macht. Denn wenn es clever und gut gemacht ist, wird sich ja auch keiner darüber beschweren.    

Aus Ihrer Sicht hat Google also alles richtig gemacht? 

Wie schon beim "Mobilegeddon" kann man Google auch für diese PR-Aktion danken. Denn mit so etwas schärft der Konzern den Blick von Werbungtreibenden, Webseitenbetreiber und Usern. Es war höchste Zeit, dass sich die Webagenturen um bessere Seiten fürs iPhone kümmern. Und es ist sicher kein Fehler, wenn nicht allzu unüberlegt und plump mit dem Retargeting herum gespielt wird. 

Nun, man könnte fast denken, Google möchte das Internet tatsächlich besser machen...

Noch ein Tipp für Agenturen und Werbungtreibende?

Wie schon gesagt: Überlegt Euch, wofür ihr Benutzerdaten so verwenden könnt, dass es für die User wirklich passt und nützlich ist. Nicht einfach machen, sondern sensibel und vor allem clever damit umgehen. Dann muss man darüber auch nicht mehr gesellschaftlich diskutieren, sondern Ihr spürt das lediglich durch gut gefüllte Warenkörbe. 

Eric Kubitz ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

von Annette Mattgey - Kommentare Kommentar schreiben