Twitter muss einen Nutzerschwund verkraften.
Twitter muss einen Nutzerschwund verkraften. © Foto:Twitter

Jack Dorsey | | von Deutsche Presse-Agentur

Twitter verliert Nutzer und gewinnt Werbekunden

Auch Twitter-Gründer Jack Dorsey findet bisher keine Lösung für sein Unternehmen: Der Kurznachrichten-Dienst hat im jüngsten Quartal erstmals aktive Nutzer verloren. Damit erreichten die Wachstums-Probleme von Twitter kurz vor dem zehnten Geburtstag einen Höhepunkt. Zum Ende des Vierteljahrs sei die Situation aber besser geworden, versicherte Dorsey, der im Sommer an die Firmenspitze zurückgekehrt war. Trotz eines Umsatzsprung schrieb Twitter abermals tiefrote Zahlen.

Das Unternehmen meldete für das vierte Quartal 305 Millionen aktive Nutzer, wenn man die Abonnenten eines SMS-Dienstes herausrechnet. Das war ein Rückgang von zwei Millionen binnen drei Monaten. Analysten hatten dagegen einen Zuwachs von zwei Millionen erwartet. Zusammen mit dem SMS-Dienst stagnierte die Nutzerzahl bei 320 Millionen, während an der Börse mit einem Anstieg auf etwa 323 Millionen gerechnet worden war. Dorsey argumentierte, eigentlich müsse man über 500 Millionen weitere Nutzer dazuzählen, die Tweets zu sehen bekämen, ohne bei Twitter angemeldet zu sein.

Das einst rasante Wachstum der Nutzerzahlen bei Twitter hatte sich bereits im vergangenen Jahr drastisch verlangsamt und alle Versuche, es wieder in Schwung zu bringen, blieben bisher erfolglos. Unter Dorsey Regie war im Oktober zunächst in den USA das Angebot "Moments" gestartet worden, das interessante Tweets zu Top-Ereignissen an einem Ort zusammenführen soll. Doch auch diese Idee konnte nicht genug neue Nutzer anlocken. Das bremst auch das künftige Geschäft, denn Twitter setzt zum Geldverdienen auf Werbung wie von Firmen bezahlte Tweets.

Im vergangenen Quartal gab es einen Verlust von 90,2 Millionen Dollar nach einem Minus von 125,3 Millionen ein Jahr zuvor. Im gesamten Jahr verlor Twitter wieder mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Der Quartalsumsatz wuchs um 48 Prozent auf 710 Millionen Dollar, wie Twitter nach US-Börsenschluss am Mittwoch mitteilte.

Bei stagnierenden Nutzerzahlen dürfte das bedeuten, dass Twitter immer mehr Werbung anzeigt. Die Zahl aktiver Werbekunden sei im vergangenen Quartal um 90 Prozent auf 130.000 gewachsen, hieß es. Der Konzern verdankt - laut eigenen Angaben - dieses Wachstum unter anderem Kunden aus dem Mittelstand. Das Unternehmen baut die Möglichkeiten für diese zahlende Kundschaft weiter aus aus. So gibt es inzwischen Pre-Roll-Werbung, der Kurznachrichten-Dienst probiert sich am Werbeformat "Conversational Ads" oder lässt nun für Marken spezielle Emojis zu. 

Für das laufende Vierteljahr stellte Twitter einen Umsatz von 595 bis 610 Millionen Dollar in Aussicht. An der Börse waren rund 627 Millionen Dollar erwartet worden.

Dorsey kündigte an, die Funktionsweise von Twitter solle weiter verändert werden. Unter anderem seien Änderungen an der Struktur von Antworten auf Tweets geplant, die aktuell "verwirrend" sei und das Wachstum bremse. Twitter will den Nutzern bereits die Möglichkeit bieten, die Nachrichten von Software gewichten zu lassen. Bei der Option werden die Tweets nicht mehr wie gewohnt in chronologischer Reihenfolge dargestellt, sondern nach einem Algorithmus, der die für einen Nutzer relevanten Nachrichten höher einsortiert. Dorsey stellte auch schon die von Anfang an gängige Einschränkung auf 140 Zeichen pro Tweet in Frage.

Außerdem wolle er das Führungsteam ausbauen, sagte Dorsey. Im Januar hatten mehrere Top-Manager Twitter verlassen, dafür war eine neue oberste Marketingchefin dazu gekommen. (dpa/app)

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