Mehr als drei Viertel des Geldes, 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd. Euro), kamen dabei aus dem Ausland, allen voran von Netflix und Amazon. Allein Netflix ließ vergangenes Jahr 50 Filme und Serien in Großbritannien produzieren und gab dafür 400 Millionen Pfund (476 Mio. Euro) aus.

Die Investitionen der britischen TV-Sender wie der unter Sparzwang stehenden BBC, des Privatsenders ITV und der Pay-TV-Plattform Sky in neuen Content gingen dagegen um 14 Prozent auf 371 Millionen Pfund (441 Mio. Euro) zurück.

Ein Ende des Produktions-Booms ist nicht abzusehen. Ganz im Gegenteil: Um keine Abonnenten an die immer mächtiger werdende Streaming-Konkurrenz zu verlieren, rüstet jetzt auch Sky mächtig auf. Wie berichtet, hat der Pay-TV-Sender im Dezember den Bau eines neuen europäischen Produktionszentrums knapp 25 Kilometer nördlich von London in Elstree & Borehamwood angekündigt.

Auf einem 13 Hektar großen Gelände sollen hier künftig Filme und Serien für Sky sowie für NBC Universal entstehen – beides Töchter des US-Kabelnetz- und Telko-Giganten Comcast. Für die Content-Produktion in den ersten fünf Jahren sind laut Sky drei Milliarden Pfund (3,5 Mrd. Euro) vorgesehen.

Mangel an Studiokapazitäten

Gerade Elstree & Borehamwood steht für die Umbrüche auf dem Film- und TV-Produktionsmarkt in Großbritannien. Elstree war schon seit den 1920er-Jahren Sitz diverser Filmstudios und galt lange als "britisches Hollywood". Hier wurden Filme wie "Doktor Schiwago", "2001: Odyssee im Weltraum" oder "Shining" gedreht. Doch Anfang der 90er-Jahre fiel der Ort in einen Dornröschenschlaf, mehrere Studios wurden geschlossen.

Jetzt besteht plötzlich ein akuter Mangel an Produktionsstätten. Der künftige Sky-Studiokomplex entsteht nun ganz in der Nähe der Elstree Studios, wo derzeit die BBC einige Shows sowie Netflix seine Erfolgsserie "The Crown" produziert.

Im Oktober hat der Streaming-Gigant zusätzlich einen zehnjährigen Leasing-Vertrag mit den südlich von London gelegenen Shepperton Studios geschlossen, wo früher Filme wie "Alien", "Gandhi" und "The Crying Game" entstanden. Einen ähnlichen Deal vereinbarte Disney mit der Shepperton-Mutter Pinewood Studios, berühmt für die dort produzierten "James Bond"-Filme.

Produktions-Boom löst Bau-Boom aus

Doch dies reicht bei Weitem nicht aus. So entstehen gegenwärtig auf nicht mehr genutzten Flugplätzen und ehemaligen Industriegeländen neue Film- und TV-Studiokomplexe. Die unabhängige Produktionsfirma Rebellion investiert beispielsweise 78 Millionen Pfund in eine ehemalige Druckerei in der Grafschaft Oxfordshire, um ein rund zwei Hektar großes Gelände für künftige TV-Produktionen umzuwandeln.

Ebenfalls in Oxfordshire wird auf dem ehemaligen Militärflughafen Bicester Airfield ein 4,2 Hektar großer Studiokomplex aufgebaut. Und in Ashford im Südosten Englands entstehen auf dem Gelände einer stillgelegten Bahnstation gleich sieben neue Studios. Sie alle spekulieren dabei auf die riesigen Produktions-Budgets von Netflix, Disney und Amazon.


Autor:

Franz Scheele
Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.