Digitalisierung:
Digitalchefs in Unternehmen: "Das CDO-Modell ist nicht nachhaltig"

Unternehmen sollten auf einen Digitalchefs verzichten - das findet zumindest Vijayanta Gupta, Industry-Marketingchef bei Adobe. Seiner Meinung nach ist der CDO keine langfristige Antwort auf die Probleme der Digitalisierung. Im W&V-Interview plädiert er für eine andere Lösung. 

Text: Ralph-Bernhard Pfister

Der Adobe Industry-Marketingchef: Wenn ein CEO Digital nicht versteht, stellt er einen CDO ein.
Der Adobe Industry-Marketingchef: Wenn ein CEO Digital nicht versteht, stellt er einen CDO ein.

Der digitale Wandel und die damit einhergehende Flut an Daten machen vielen Unternehmen zu schaffen. Doch es braucht nicht gleich 100 Datenprofis mit Doktortitel, findet Vijayanta Gupta, Head of Product and Industry Marketing bei Adobe. Seiner Meinung nach ist auch die Ernennung eines Digitalchefs nur eine kurzfristige Lösung.  

Ist es für die digitalen Herausforderungen hilfreich, einen Chief Digital Officer zu ernennen? Einige Analysten sagen, dass das nur am Beginn des Prozesses hilft und Dinge beschleunigt, aber mit zunehmendem Reifegrad schafft er sich selbst ab, wenn er seinen Job richtig macht.

Wissen Sie, im klassischen Geschäftsdenken ist die einfachste Art, in einem Unternehmen ein Problem zu lösen, Geld oder Leute darauf zu werfen.

Richtig.

Aus meiner Perspektive ist der CDO ein Ergebnis dieser Denkschule. Wenn ein CEO selbst Digital nicht gut genug versteht, sein Aufsichtsrat und sein direktes Managementumfeld auch nicht, was tut er dann? Eine Funktion schaffen und sich jemanden beispielsweise von Google holen. Oder das Senior Management Board auf Tour nach Silicon Valley schicken. Aber das CDO-Modell ist nicht nachhaltig. Es ist eine kurz- bis mittelfristige Lösung.

Was ist nachhaltiger? 

Einige Unternehmen haben angefangen, die neuesten Mitarbeiter in die Management-Meetings und zu Board-Meetings einzuladen. An den Diskussionen dort teilzunehmen – auch als Vertreter ihrer Generation in der Zielgruppe. Das ist ein viel nachhaltigeres Modell. Sie schaffen nicht neue Rollen oder Prozesse, sondern setzen Mitarbeiter ein. Das ist ein deutlicher Kulturwandel und eine viel elegantere Lösung. Sie können immer noch jemanden brauchen, der die Agenda festlegt und vorantreibt. Aber die eigenen Mitarbeiter, die gerade Teil der Organisation werden, aber auch Vertreter ihrer Generation sind, einzusetzen – das ist brillant.

Adobe ist der Hauptsponsor der Dmexco 2016, für die ironischerweise zuletzt Müller Milchs Digitalchef Christian Meyer harte Worte fand. Guptas Einschätzung des CDO-Modells ist indes keine direkte Reaktion darauf. Das Interview mit dem Industry-Marketingchef von Adobe wurde bereits vor der Veröffentlichung von Meyers Kommentar geführt.    


Autor:

Ralph Pfister
Ralph-Bernhard Pfister

Ralph Pfister ist Koordinator am Desk der W&V. Wenn er nicht gerade koordiniert, schreibt er hauptsächlich über digitales Marketing, digitale Themen und Branchen wie Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Sein Kaffeekonsum lässt sich nur in industriellen Mengen fassen. Für seine Bücher- und Comicbestände gilt das noch nicht ganz – aber er arbeitet dran.


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