Ralf Scharnhorst antwortet auf Christian Meyer:
Dmexco: "Hören wir auf, Werbung zu treiben wie eine Viehherde"

Der offene Brief von Müller-Milch-Digitalchef Christian Meyer sorgt in der Marketing-Branche für Wirbel und bringt Dmexco-Fans auf die Barrikaden. Ein Einwurf von Online-Pionier Ralf Scharnhorst.

Text: W&V Leserautor

Ralf Scharnhorst von Scharnhorst Media antwortet auf den Dmexco-Rant von Müller Milch.
Ralf Scharnhorst von Scharnhorst Media antwortet auf den Dmexco-Rant von Müller Milch.

Der offene Brief von Müller-Milch-Digitalchef Christian Meyer sorgt in der Marketing-Branche für Wirbel und bringt Dmexco-Fans auf die Barrikaden. Ein Einwurf von Online-Pionier Ralf Scharnhorst.

Liebe FMCG-Werbungtreibenden,

ich weiß, es fällt Euch nicht leicht mit diesem Internet. Ihr habt es Euch ja nicht ausgesucht. Es war so schön mit TV, Radio und Papier im Briefkasten, am Kiosk und an Plakatwänden. Ihr habt gesendet, es kam kein Widerspruch vom Konsumvolk. Nur Eure Zielgruppen fanden es nicht mehr so prickelnd, eine nach der anderen schwenkte ihre Blicke und Ohren auf digitale Medien.

Mir fiel es leichter. Zu leicht. Ich habe als Junior-Mediaplaner gesagt: "Ich bin jung, ich kann warten, bis alles digital ist."

Wollen wir einfach beide zugeben, dass wir uns geirrt haben? Bei TV-Werbung konnte man sagen "haben wir getestet, funktioniert für uns nicht, sehen wir uns erst in fünf Jahren wieder an". Aber die Tatsache, dass Eure Test-Kampagne auf Facebook vor zwei Jahren nicht funktioniert hat, heißt nicht, dass es nicht jetzt für Euren Konkurrenten dessen Ziele erfüllt. Täglich entwickeln sich die Möglichkeiten.

Ich gestehe, es gibt noch andere Medien als das Internet.

Und ihr könnt ruhig zugeben, dass ihr nach Feierabend auch Konsumenten seid. Und Euch als solche ärgert über Eure bislang zumeist einfallslosen und oft einfach nur aggressiven Werbeformen, die nicht umsonst "Roadblock" heißen. Kommt ihr Euch manchmal auch verkohlt vor von all diesem "Branding" wie die Rinder, für die die Cowboys das Branding mit heißem Eisen erfunden haben?

Geben wir doch beide zu, dass der Konsument die Augenhöhe der bisherigen Sender erreicht hat. Hören wir auf Werbung zu "treiben" wie eine Viehherde. Stellen wir es uns besser als Marktplatz vor. Die Marken haben Marktstände, die Konsumenten schlendern vom einen zum anderen. Hören zu, stellen aber auch Fragen.

Genau das ist die Dmexco für unsere Branche: der große Marktplatz. Wer das passende Angebot hat, findet zueinander. Und zugegeben: Manchmal hilft dazu auch lautes Marktgeschrei.

Prima, dass wir das jetzt schon mal erledigt haben. Dann können wir auf der Messe ja endlich diskutieren, wie wir Werbung so machen, dass die Konsumenten sich nicht hinter Adblockern verschanzen. Und wie auch komplexe Unternehmen ihre Daten so organisiert bekommen, dass sie damit ihr Marketing effizienter machen können und weg kommen von GRPs und Zielgruppen, die "19 bis 39 Jahre" heißen.

Und deshalb freue ich mich auf die Messe, auch wenn ich danach heiser bin und wunde Füße habe. 

Ralf Scharnhorst, Inhaber, Scharnhorst Media

Den kompletten Text von Christian Meyer gibt es hier.

Über den Autor:

Ralf Scharnhorst, hat nach eigenen Angaben "seit 1996 fast jeden Fehler miterlebt, den man im Online-Marketing machen kann". Scharnhorst war acht Jahre lang Mediachef von Sinner Schrader in Hamburg, ehe er zu Havas wechselte. 2008 machte er sich mit Scharnhorst Media selbständig.


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W&V Leserautor

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