Aus trotz Rettungsaktion:
"Wir hatten nie eine Chance": Hamburg Freezers klagen Besitzer an

Mannschaftskapitän Schubert ist wütend auf den Besitzer der Hamburg Freezers und stellt dem US-Unternehmen unangenehme Fragen. War das Team wirklich nicht zu retten? 

Text: W&V Redaktion

Auf Facebook macht Freezers-Kapitän seiner Enttäuschung Luft und klagt die Besitzer seines Clubs an.
Auf Facebook macht Freezers-Kapitän seiner Enttäuschung Luft und klagt die Besitzer seines Clubs an.

Nach dem endgültigen Aus des Eishockey-Erstligisten Hamburg Freezers klagt Mannschaftskapitän Christoph Schubert den Besitzer, die Anschutz Entertainment Group (AEG), an. Der Initiator einer beispiellosen Rettungsaktion, die binnen sechs Tagen die bemerkenswerte Summe von 1,2 Millionen Euro erbrachte, stellt dem US-Unternehmen unangenehme Fragen.

"Warum wird ein mögliches Aus erst sechs Tage vor der Deadline kommuniziert? Warum wird dem Club nicht eine Frist von Wochen oder gar Monaten gegeben?", wollen "Schuby" und sein Mitkämpfer Moritz Fürste, zweimaliger Hockey-Olympiasieger und Sportmarketing-Spezialist bei der Agentur Thjnk, wissen.

Das 14 Jahre währende Kapitel Hamburg Freezers in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist jedenfalls beendet. Die 22 Profis sind auf der Suche nach neuen Vereinen, die ihre Kaderplanung für die kommende Saison größtenteils abgeschlossen haben. Die 18 Mitarbeiter der Geschäftsstelle müssen zum Arbeitsamt. Tristesse zieht ein in der Volksbank-Arena, wo schon die Stars des abgewickelten Handball-Bundesligateams vom HSV Hamburg ihre Trainingsstätte hatten.

Von tagelangem Klinkenputzen, Beratungen, Telefonaten und Interviews sind die Protagonisten der Rettungsaktion erschöpft. Schubert hat sich mit seiner Ehefrau Janina an die Ostsee zurückgezogen: Frischluft ziehen, Kopf frei bekommen. Aus dem Kopf will ihm aber nicht gehen: "Warum lässt man uns Tag und Nacht nach Förderern und Spendern suchen, um dann das endgültige Aus mit den Worten zu begründen, 'man habe leider keinen strategischen Partner gefunden'?"

Für die AEG, einem weltrumspannenden US-Unternehmen aus der Sport- und Unterhaltungsbranche, waren Spenden zur Minimierung des auf 2,5 Millionen Euro geschätzten jährlichen Defizits uninteressant. Sie wollten einen Käufer, um den ganzen Laden loszuwerden.

Freezers-Kapitän Schubert & Co. hatten die Zusagen eines Sponsors, der für zehn Jahre pro Saison 550.000 Euro zahlen wollte. "Wir müssen leider bilanzieren: Eine echte Chance wurde weder uns noch den Hamburg Freezers gegeben", sagte Schubert.

Auf die Barrikaden hat das Aus die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft gebracht. Sie sehen die Vision einer Sportstadt Hamburg, wie vom rot-grünen Senat entworfen, als gescheitert an. Kräftig einstecken musste Sport-Staatsrat Christoph Holstein. Dessen Bilanz sei verheerend, tobte die CDU. (dpa)


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