Der Vorstand von Jung von Matt: Thomas Strerath, Götz Ulmer, Jean-Remy von Matt, Peter Figge, Larissa Pohl und der mittlerweile zu Thjnk gewechselte Ulrich Pallas (v.l.)
Der Vorstand von Jung von Matt: Thomas Strerath, Götz Ulmer, Jean-Remy von Matt, Peter Figge, Larissa Pohl und der mittlerweile zu Thjnk gewechselte Ulrich Pallas (v.l.) © Foto:Jung von Matt/Uwe_Düttmann

Jahresbilanz und Ausschau | | von Daniela Strasser

Jung von Matt: Zu viele Nicht-Nachrichten

Einmal im Jahr lädt Jung von Matt zum traditionellen Presseabend. Es gibt ihn seit mehr als 15 Jahren und er läuft wie folgt ab: Die Vorstände nebst ausgesuchten Mitarbeitern unterhalten sich mit Journalisten, in der Halbzeit tauschen die Jung-von-Mattler dann die Plätze. Man erfährt mehr oder weniger Wissenswertes, etwa dass Agenturgründer Jean-Remy von Matt unter die Möbelschreiner gegangen ist und neuerdings mit Unterstützung seines Hausmeisters Lampen aus Waschmaschinentrommeln und Mistgabeln baut - den Handybildern nach zu urteilen, sehen die übrigens gar nicht mal schlecht aus.

Außerdem übt er Beethovens "Mondscheinsonate" - sollte er sie fehlerfrei spielen, dann erlaubt ihm seine Frau, einen Flügel im kürzlich bezogenen Heim in Berlin aufzustellen (wer hier Bilder sehen will, der werfe einen Blick in die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Home"). In Rente gehen will von Matt anders als sein Co-Gründer Holger Jung noch immer nicht, auch wenn er dieses Jahr 65 Jahre alt wird und erstmals Rentenansprüche geltend machen kann.

Jung von Matt und die Kanzlerin

Von Matt überlegt außerdem, ob er seinen mehrwöchigen Urlaub im Sommer verschieben soll. Dann geht der Wahlkampf der CDU in die heiße Phase. Den Etat hat die Agentur zwar nach wie vor nicht bestätigt, es gilt allerdings als offenes Geheimnis, dass sich Vorstand Thomas Strerath gemeinsam mit Jean-Remy von Matt und der jüngst gegründeten Berliner Zweitniederlassung Jung von Matt/Havel darum kümmern wird. Details zur Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bleiben naheliegenderweise aus. 

Auch abgesehen davon bleibt der Abend überraschend neuigkeitsfrei. In seinem Kurzvortrag blickt Vorstand Peter Figge auf das Jahr 2016 zurück und positioniert seine Agenturgruppe als eine Art digitalen Content-Alleskönner, spricht von einem "Momentum für die Agentur". Seine Beispiele: Das meistgeklickte Youtube-Werbevideo des Jahres für Netto, 3-D-Projekte für BMW in Kooperation mit Google in Mountainview, die Aktivierungskampagne für die neu eröffnete Elbphilharmonie, ein Chatbot für die Sparkasse.

Umsatzrückgang von zehn Prozent

Volumenstarkes Neugeschäft konnte die Agentur mal abgesehen von der CDU nicht gewinnen. Auch die Zahlen sind wenig erfreulich: 2016 erwirtschaftete Jung von Matt einen Gesamtumsatz von 116 Millionen Euro. Das bedeutet einen Rückgang von rund zehn Prozent gegenüber 2015 (129 Millionen Euro). Der Hauptgrund ist der Verlust von Mercedes-Benz, der sich erstmals vollumfänglich in der Bilanz auswirkt. Infolgedessen musste sich die Agentur auch von Mitarbeitern verabschieden (Mitarbeiterzahl 2016: 1043 gegenüber 1117 im Vorjahr). Dass die Verschmelzung der Digitaltochter Jung von Matt/Next mit Jung von Matt/Alster ebenfalls mit dem Verlust des Mercedes-Geschäfts zusammenhängt, bestätigte die Agentur nicht, es dürfte zumindest mit ein Grund dafür gewesen sein.

Statt für Mercedes arbeitet Jung von Matt nun für mehrere Autobauer, neben BMW etwa Kia. Das fehlende Volumen ausgleichen konnten diese Aufträge allerdings nicht. Sollten sich die Branchenprognosen bewahrheiten, dürfte die zweitgrößte inhabergeführte Gruppe mit dem Minus von rund zehn Prozent deutlich schlechter abschneiden als der Branchenschnitt: Dieser soll laut dem Agenturverband GWA bei rund fünf Prozent Plus für das Gesamtjahr 2016 liegen. 

Emotionales Storytelling für Edeka und Vodafone

Jean-Remy von Matts rechte Hand, Kreativvorstand Götz Ulmer verweist da lieber mal auf aktuelle Arbeiten und zeigt den neuen Edeka-Film Eatkarus, der unter der Federführung des erfolgreichen #Heimkommen-Teams entstanden ist. Gute Filme drehen und emotionales Storytelling realisieren, das kann Jung von Matt nach wie vor. In Kürze startet zudem eine neue JvM-Vodafone-Kampagne von Regisseur Sebastian Strasser mit einem bekannten Schauspieler.

Was gab es sonst noch? Ulmers Frau Julia wird am nächsten Tag ihre erste Ausstellung in den Räumen der Agentur eröffnen, sie hat die zweite Ausgabe des Agenturbuchs "Stimmen aus dem Aquarium" gestaltet, das anlässlich des 25. Geburtstags von Jung von Matt im Vorjahr entstanden ist.

Hoffnung setzt der Vorstand außerdem in seine Neugründungen, darunter Jung von Matt/Stars, die sich unter der Federführung des Ex-Fußballnationalspielers Arne Friedrich um den Aufbau von Persönlichkeiten zur Marke kümmern soll. Außer ihm und dem Vorstand noch zugegen: Data-Könner Christian Gast/JvM Strategie, Max Lederer Jung von Matt Next/Alster, Julia Ulmer/JvM Next Alster und Dörte Spengler-Ahrens sowie ihr kürzlich von Philipp und Keuntje wiedergekehrte Beratungspartner Stephan Giest/JvM Saga. 

Das wars dann auch schon mit dem Abend und den Neuigkeiten von Jung von Matt. Bleibt zu hoffen, dass sie 2018 wieder etwas mehr zu erzählen haben. Der Vorstand immerhin war bester Laune und zur Not bliebe da dann ja auch noch das Lampengeschäft. 

Jung von Matt: Zu viele Nicht-Nachrichten

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