"Bild" verklagt Ex-Minister Speer
Rainer Speer, Ex-Innenminister Brandenburgs, wird vom Springer-Blatt vor den Kadi gezerrt. Es geht um die Vorwürfe Speers gegen das Blatt im Zusammenhang mit seinem Rücktritt.
Kai Diekmann wird es zu bunt. Seine "Bild" verklagt nun Rainer Speer, Ex-Innenminister Brandenburgs. Der Stein des Anstoßes: die so genannte Unterhaltsaffäre. Speer hat im Oktober 2010 Geldentschädigungsansprüche in Höhe von 150.000 Euro Springers Tageszeitung sowie gegen verschiedene Mitarbeiter der Redaktion geltend gemacht als Reaktion auf "Bild"-Berichte über eine Unterhaltsaffäre des Ministers, die am Ende zu dessen Rücktritt geführt hat.
"Mit der jetzt erhobenen Klage wollen Bild und die betroffenen Mitarbeiter gerichtlich feststellen lassen, dass die von Speer behaupteten Ansprüche nicht bestehen. Dies umso mehr, als Speer zwischenzeitlich eingeräumt hat, Vater eines unehelichen, heute 13jährigen Kindes zu sein, für das er seit dessen Geburt bis zum Bekanntwerden der Affäre keinen regelmäßigen Unterhalt gezahlt hat", teilt "Bild" am Mittwochvormittag mit.
Claas-Hendrik Soehring, bei Springer Leiter Verlagsrecht, schiebt hinterher, dass die "zulässige Verdachtsberichterstattung" über die Minister-Affäre das Persönlichkeitsrecht von Speer nicht verletzt habe und erst recht keinen Geldentschädigungsanspruch rechtfertige. "Es hat absolut nichts mit ‘Privatsphäre’ zu tun, wenn ein Innenminister möglicherweise an einer Sozialhilfe-Erschleichung beteiligt ist – zumindest aber von ihr weiß – und wenn er Unterhaltsverpflichtungen gegenüber seinem Kind nicht erfüllt. Das ist ein Vorgang von überragendem öffentlichen Interesse, über den selbstverständlich berichtet werden darf und muss", so der Justiziar.
"Bild"-Chefredakteur Diekmann hat im Herbst vergangenen Jahres rund um die Sache Speer über Tage hinweg diverse Berichte gebracht. Im Mittelpunkt hat pikantes Material von seinem Privat-Computer gestanden, das bei der "Bild"-Zeitung gelandet ist.