Nun ist O2 aber kein Datenhändler, sondern ein Mobilfunkanbieter. Anscheinend war und ist O2 nicht klar, welche Rolle die Marke im Leben der Kunden spielt oder spielen könnte. Wenn der Wesenskern der Marke nur darin bestehen würde, technischer Ermöglicher von Mobilfunkgesprächen zu sein, dann könnte ich das Vorgehen noch verstehen. Das wäre allerdings eine ‚Value Proposition’ ohne größeren ‚Value’ für die Kunden. Denn dies bieten alle Telekommunikationsanbieter.

Wäre das Vertrauen der Kunden ein wesentlicher Markenwert für die O2-Manager, wären sie womöglich auf ganz andere Ideen gekommen. Warum nutzt man das Wissen um Kundenverhalten und -gewohnheiten nicht, um den Kunden Services zu bieten, die diese als wertvoll erleben? Man stelle sich einmal vor, mein Mobilfunkprovider informiert mich eines Morgens, es wäre günstig, 15 Minuten früher loszufahren als sonst, da besonders viel Verkehr auf der Strecke zum Büro prognostiziert sei. Oder beim dritten Familien-Besuch im Snow-Dome landet der Coupon für das neue Bonusprogramm automatisch auf dem Smartphone, noch während man auf den Parkplatz rollt. Alles natürlich nur nach vorherigem Opt-In und frei nach Interessen konfigurierbar. Warum gewinnt man als O2 nicht Erkenntnisse, die dabei helfen, im Leben der Kunden unentbehrlich zu werden?

Ein Unternehmen, das sich ganz und gar der Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse verschrieben hat – Amazon macht doch erfolgreich vor, wie man Märkte erobert, wenn man nicht zuerst seine Shareholder im Fokus hat, sondern seine Kunden.

Natürlich ist die gesamte Diskussion nur ein weiterer Aspekt von „Big Data" und gehört damit zum Marketing unserer Zeit – ob man es gut findet oder nicht. Für O2 und Telefónica bleibt sie allerdings nicht ohne Folgen: Das Vertrauen in die Marke ist erschüttert. Diesen Schaden muss O2 erst einmal wieder gut machen.

Torben Hansen ist seit 2007 geschäftsführender Gesellschafter bei Philipp und Keuntje. Die Agentur betreut unter anderem Audi, Telekom, Astra Urtyp, Tetra Pak, Jägermeister, Lamborghini und Holsten.


Autor: Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.