ProSiebenSat.1 TV Deutschland:
"Denken über eigenproduzierte Fiction für ProSieben nach"
Wolfgang Link, Vorsitzender der Geschäftsführung bei ProSiebenSat.1 TV Deutschland, spricht im W&V-Interview über die Post-Stefan-Raab-Ära, den neuen Dokukanal - und die Unbarmherzigkeit der Zuschauer.

Foto: W&V/Simon Koy
Gelassen - so zeigt sich der Vorsitzende der Geschäftsführung bei ProSiebenSat.1 TV Deutschland, Wolfgang Link, im Interview mit W&V. Der Abgang des ehemaligen Chef-Entertainers von ProSieben, Stefan Raab, hat sich bislang auf Quoten und Vermarktung nicht negativ ausgewirkt. "ProSieben läuft so gut wie im Vorjahr. Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Quartal", sagt Link gegenüber W&V.
Laut Marktforscher Ebiquity liegen die Brutto-Werbeumsätze sogar über Vorjahresquartal. An weiteren Shows für die Post-Stefan-Raab-Ära arbeitet derzeit auch der ehemalige Chefentwickler von Talpa, Vincent Dijkema. Deutsche Fiction ist seit Jahren eine Farbe, die bei ProSieben fehlt. Das könnte sich allerdings ändern. "Wir denken auch über eigenproduzierte Fiction für ProSieben nach", so der Medienmanager im Interview. Dazu kommen durch den Output-Deal mit Disney beispielsweise Blockbuster wie die Marvel-Filme.
Mit dem neuen Dokukanal, den die Münchner Senderfamilie in der zweiten Jahreshälfte startet, will Link den Öffentlich-Rechtlichen Zuschauer abjagen. "Unser Ziel ist es natürlich, einige von ihnen zu uns zu locken, denn ältere Zuschauer werden auch für den Werbemarkt immer attraktiver", sagt Link.
Der neue Sender wird eine sehr klare Programmstruktur haben. Von historischen Themen und Naturdokumentationen, über Technik und Biographien bis hin zu True Crime. Aber nicht nur die Zuschauer sollen von den öffentlich-rechtlichen Sendern kommen, auch die Werbekunden. "Unser Vermarktungschef Thomas Wagner wird sich freuen, wenn wir ihm diese Kunden bringen."
Neuerungen sind auch für Sat.1 geplant: Nach den Quotenflops "Newtopia" und "Mila" heißt es nun, neue Ideen zu entwickeln. "Wir schauen uns für den Vorabend nach allen Genres um - auch nach einer Soap oder Telenovela", kündigt Wolfgang Link an. Außerdem werde wieder in TV-Events investiert. Am Mittwoch, wo die Fußballkonkurrenz der anderen dem Sender das Leben schwer macht, wird Sat.1 ab dem zweiten Halbjahr durchgängig auf Factual- und Reality-Entertainment setzen.
Insgesamt müsse man aufpassen, dass Sat.1 "nicht zu tüttelig" wirke im Vergleich zu ProSieben, das "jung und edgy" daherkommt, gibt Link gegenüber W&V zu bedenken. "Die Zuschauer sind deutlich unbarmherziger geworden. Früher haben sie einem Format auch eine zweite, dritte, vierte Chance gegeben", so Link weiter. Dieses Phänomen habe man kaum noch.
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