"Nicht Kaputtsparen": Berliner Zeitung wehrt sich gegen DuMont-Pläne
M. DuMont Schauberg hat Pläne bestätigt, die Redaktionen der "Frankfurter Rundschau" und der "Berliner Zeitung“ enger miteinander zu verzahnen. Die Berliner Redaktion ist "entsetzt".
Der Verlag M. DuMont Schauberg hat die Pläne bestätigt, Redaktionen der "Frankfurter Rundschau" (FR) und der "Berliner Zeitung" neu auszurichten. "Es ist richtig, dass die Wissenschaftsberichterstattung der 'Berliner Zeitung’ von der 'Frankfurter Rundschau' übernommen wird“, sagte eine Sprecherin gegenüber W&V. "Gleichzeitig übernimmt die 'Berliner Zeitung’ die Medienberichterstattung der 'Frankfurter Rundschau’.'
Pläne, nach denen die "FR“ künftig auch für das Wirtschaftsressort der "Berliner Zeitung“ zuständig sein soll, bestätigte die Sprecherin nicht. Alle anderen in den Konferenzen besprochenen Themen seien "Ideen", die nun gemeinsam mit den Redaktionen beraten würden. "Wir befinden uns in einem Diskussionsprozess, und es ist noch nichts entschieden."
Offenbar ist auch von einer Fusion der Politikberichterstattung die Rede. Das geht aus einem W&V vorliegenden Schreiben des "Berliner Zeitung“-Redaktionsausschusses an Chefredakteur Uwe Vorkötter, die Gesellschafter Helmut Heinen und Konstantin Neven DuMont sowie DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld hervor. Darin äußert sich der Ausschuss "entsetzt" über das Vorhaben. Er sehe darin "einen gravierenden Verstoß gegen das Redaktionsstatut der ‚'Berliner Zeitung'", denn dieses bezeichne das Blatt als "Autorenzeitung mit Vollredaktion", das "eigene überregionale und regionale Ressorts hat“. Mit diesem Statut seien die Pläne für die Ressorts Wissenschaft, Medien, Politik und Wirtschaft "in keiner Weise zu vereinbaren". Sie würden den Qualitäts-Status der "Berliner Zeitung" "unmittelbar und nachhaltig schädigen“.
Der Redaktionsausschuss fordert Chefredaktion und Verlagsleitung in dem Brief auf, von ihrem Vorhaben Abstand zu nehmen und mit der Redaktion Gespräche über mögliche Formen der Zusammenarbeit der DuMont-Zeitungen aufzunehmen, welche die Qualität der Zeitung steigerten. Eine Zusammenlegung aus "vordergründig betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten" lehne die Redaktion ab. "Die Antwort auf ökonomische Herausforderungen, vor denen der Verlag steht, kann unseres Erachtens nicht im Kaputtsparen der Zeitungen bestehen, die als unterschiedliche Marken an ihren Standorten anerkannt sind und nur so auch in Zukunft profitabel arbeiten können", so das Fazit des Ausschusses. gl/jmk