ARD stellt Programm für Bundeswehr in Afghanistan ab
32.000 Euro pro Monat - zu viel aus Sicht der ARD. Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan müssen künftig auf das ARD-Programm aus der Heimat zu ganz großen Teilen verzichten.
In Kunduz bleibt der Bildschirm schwarz: Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan müssen künftig auf das ARD-Programm aus der Heimat zu ganz großen Teilen verzichten. Aus Kostengründen werde die Satellitenübertragung ab Freitag gestoppt, teilt die ARD am Mittwoch in Köln mit. Sehen können die Soldaten im Afghanistan-Einsatz dann nur noch die "Tagesschau", die "Tagesthemen" und einzelne Regionalnachrichten der dritten Programme.
Die ARD betont, die Entscheidung sei im Einvernehmen mit dem Verteidigungsministerium gefallen. Die Nachrichtensendungen werden der Bundeswehr nun kostenlos zur Ausstrahlung über ihren eigenen Fernsehsender bwtv bereitgestellt. Sportliche Großveranstaltungen könnten die Soldaten dann weiterhin sehen, wenn die ARD dafür die Ausstrahlungsrechte habe. Die bisherige Ausstrahlung des ARD-Programms über den Satelliten Eutelsat habe die ARD jeden Monat 32.000 Euro gekostet.
Kurz zuvor hat die "Bild"-Zeitung berichtet, die ARD wolle eine Million Euro Kosten sparen. Das Blatt zitiert den Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), der von einem "sehr ärgerlichen" Vorgehen sprach. Die Soldaten seien Staatsbürger in Uniform und Gebührenzahler und hätten einen Anspruch auf das gesamte ARD-Programm. ZDF und RTL zeigten schließlich auch das Komplettprogramm.
Schon im Juni 2010 ist das ARD-Programm aus finanziellen Gründen abgeschaltet worden. Damals kritisierten vor allem Bundeswehrverband, Wehrbeauftragter und viele Politiker, der so wichtige Kontakt der Truppe in die Heimat werde mit dem alles andere als patriotischen Stopp erschwert. Vor Weihnachten 2010 konnten die Soldaten das Programm dann doch wieder empfangen - die ARD hatte eine kostenneutrale Lösung gefunden. Auch dieses Mal kommt prompt Kritik: Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) entsetzt sich über den Stopp für die mehr als 5000 betroffenen Soldaten, die auch Gebührenzahler seien.