In 15 Jahren, glaubt der Kreative, stehen keine Fernseher mehr im Wohnzimmer, sondern alle Dienste laufen webbasiert. "Content wird immer wichtiger, wobei man unterscheiden wird zwischen professionell gemachtem, anspruchsvollem Content und amateurgemachtem Content, der einfach Spaß macht." Qualität spiele dann eine Rolle, wenn der Content relevant ist für den Nutzer. "Dann sind sie auch bereit, Geld dafür auszugeben." Wenn Content im Netz aber nur verstanden wird als Verlängerung von Inhalten aus der alten Welt, werde das nicht funktionieren.

"Das Internet ist die größte Erfindung seit der Demokratie", so Kassaei. "Denn im Internet fliegst du ziemlich schnell auf, die alten Mechanismen funktionieren nicht mehr, weil alles in Echtzeit passiert."

Die Krise habe deshalb auch etwas Gutes, denn sie werde die Welt verändern, so seine Hoffnung. "Die Krise wird dazu führen, dass das Quartalsdenken aufhört und die Gier richtig kanalisiert wird." Gier könne schließlich auch positiv, im Sinne von Neugier interpretiert werden. "Wer das beste Angebot hat, wird Erfolg haben. Wenn diese Besinnung zurückkommt, leben wir in einer schöneren Welt. Aber dazu muss die Wunde noch tiefer werden", so Kassaei.

Für die Werbebranche sieht Kassaei zwei wichtige Aufgaben, um zu überleben: "Wir müssen aufhören, Dienstleister zu sein und unseren Job als Berater ernstnehmen. Damit wir auf Augenhöhe mit den Unternehmen reden können. Zurzeit gehen wir entspannt und eloquent durch den Lieferanteneingang rein und raus. Wir müssen es schaffen, dort zu sein, wo die Musik spielt." Dafür müssten die Agenturen allerdings Substanz aufbauen, um die Probleme des Kunden auch lösen zu können. Und die mündigen Verbraucher ernst nehmen und nicht nur nach Clustern bewerten.

Kreative müssten außerdem aufhören, ihre Arbeit als bloße Werbeideeproduktion zu sehen. "Kreativität muss Lösungen produzieren. Wir müssen ganzheitlich denken und uns nicht in irgendwelchen Medienkanälen verzetteln", so der ADC-Sprecher."Wenn wir das nicht schaffen, sind wir weg. Aber ganz ehrlich: Vor hundert Jahren kam die Lokomotive und dann gab es keine Kutschenbauer mehr. Vielleicht sind wir auch so ein altes Modell."

Das vollständige Interview (25 Minuten) finden Sie unter http://b-br.at/blog

Wie andere Top-Kreative Kreativität definieren, lesen Sie ab Donnerstag in einer neuen Serie in Werben & Verkaufen (ET 19.3.2009). Den Beginn macht Armin Jochum, Geschäftsführer Kreation Jung von Matt/Alster. Es folgen unter anderem Guido Heffels (Heimat), Stefan Schmidt von TBWA und Stefan Kolle (Kolle Rebbe)


Autor: Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.