Seit letztem Jahr haben die Düsseldorfer für rund zwei Milliarden Euro siebenmal zugekauft und dadurch das Umsatzvolumen um fast 800 Millionen Euro erhöht. Verstärkt hat sich Henkel vor allem bei Klebern und Waschmitteln, in der Kosmetik hat der Konzern nach Ansicht von Experten aber Nachholbedarf.

Als daher der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble unlängst einen Teil seines Kosmetikgeschäfts ins Schaufenster stellte, darunter auch illustre Marken wie Wella oder Clairol, war die Aufregung groß. Unbestätigten Medienberichten zufolge warf Henkel für die Friseurmarke Wella seinen Hut in den Ring. Die Überlegung: Henkel könnte in der professionellen Haarpflege auf der Stelle weltweit die Nummer zwei werden und nebenbei den Konzernumsatz um schätzungsweise knapp drei Milliarden Euro anheben.

Seit Anfang Juli ist nun klar, dass nicht Henkel, sondern der Parfüm-Konzern Coty das Rennen gemacht hat. Analysten zufolge liegt dies in erster Linie an dem steuerlich günstigen Modell, das Coty für den Kauf wählt. Insgesamt 43 Marken kaufte der Konzern Procter ab und verdoppelt dadurch auf einen Schlag seinen Umsatz. Hinter Coty steht die Milliardärsfamilie Reimann, die auch beim britischen Konzern Reckitt Benckiser (Calgon, Kukident) oder bei Edelmarken wie Bally oder Jimmy Choo mitmischt.

Bei Jella Benner-Heinacher, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) halten sich Enttäuschung und Erleichterung darüber, dass das Geschäft für Henkel nicht zustande gekommen ist, die Waage. "Wella hätte strategisch gut gepasst", findet sie. Allerdings wäre der Preis wohl sehr hoch gewesen, "insofern fällt mir ein Stein vom Herzen." Die Aktionärsschützerin glaubt nicht, dass der ganz große Deal bei Henkel in absehbarer Zukunft noch kommen wird. Der Konzern dürfte weiterhin auf mittlere bis kleinere Übernahmen setzen, die letztlich aber einfacher zu integrieren seien.

Auf Zukäufe im kleineren Stil setzt derzeit auch der britisch-niederländische Konkurrent Unilever, der Dove-Seife, Axe-Deo aber auch Knorr-Suppe oder Lipton-Eistee vertreibt. Alleine in diesem Jahr kamen vier Beauty-Marken hinzu. Zugleich verkauft der Konzern andere Marken, die nicht den gewünschten Ertrag abwerfen.

In der Branche ist diese Art der Portfoliobereinigung üblich, denn so kann das Geld für Forschung oder Marketing gezielt in die Gewinnbringer fließen. Procter-Finanzchef Jon Moeller hat unlängst vorgerechnet, dass dem Konzern am Ende des Umbaus idealerweise nur noch 65 Marken von vormals nahezu 200 bleiben. Diese stünden dann aber für 85 Prozent des Konzernumsatzes und 95 Prozent des Vorsteuergewinns. "Das ist aus unserer Sicht ein sehr gutes Geschäft."